Parker verdrängen Anwohner

Diesen Automaten scheuen viele. Der Parkplatz neben der Stadthalle ist verwaist, die Nebenstraßen sind dafür zugestellt.
Diesen Automaten scheuen viele. Der Parkplatz neben der Stadthalle ist verwaist, die Nebenstraßen sind dafür zugestellt.
Foto: WazFotoPool

E. inen Verdrängungswettbewerb der besonderen Art erleben derzeit die Anwohner der Kanal-, Cäcilien- und Tunnelstraße.

Weil der Stadthallenparkplatz seit Oktober nicht mehr kostenlos genutzt werden kann, weichen viele Autofahrer, die in der Stadt arbeiten oder Kurse in der VHS belegen, auf die Straßenzüge nebenan aus.

Das Ausweichverhalten kommt nicht ganz unerwartet. „Das kann ich mir gut vorstellen“, sagt Bezirksbürgermeister Gerhard Allzeit (CDU). Auch aus diesem Grunde habe die Mehrheit in der Bezirksvertretung 3 ja die Einführung von Gebühren auf dem Stadthallenparkplatz abgelehnt. „Aber der Rat hat anders entschieden. Wir als BV können da nichts machen“. Nicht nur ihm ist aufgefallen, dass seither ganz viele Plätze neben der Stadthalle leer bleiben.

Einen regelrechten Suchverkehr nach kostenlosem Parkraum erlebt allmorgendlich Käthe Euler, die an der Grabenstraße wohnt. Die Anwohner haben dann später das Nachsehen. Alles besetzt. Gleiches gelte bei Veranstaltungen in der Stadthalle oder der VHS.

Dieter Falkenburg, Vorsitzender des Broicher Bürgervereins, wohnt in der Tunnelstraße. Dort sei es noch nicht ganz so schlimm, sagt er. „Aber in den anderen Straßen hier im Viertel stehen regelmäßig Autos von Leuten, die eindeutig nicht da wohnen.“ Zum Teil werde in den engen Straßen sogar auf beiden Seiten geparkt. „Und dazu noch teilweise auf den Gehwegen, damit Feuerwehrwagen noch durchkommen.“ Die Folge: Fußgänger müssen immer wieder die Fahrbahn benutzen. Das Ordnungsamt sei auch schon vor Ort gewesen. Probleme hätten auch die Fahrer der Laster, die die Drahtseilerei Kocks anfahren. da sei es zum Teil ganz eng, so Falkenburg.

Die neue Parkraumbewirtschaftung auf dem Stadthallenparkplatz habe aber auch noch andere negative Folgen, zum Beispiel für die Innenstadt. Am Parkscheinautomaten habe vor einiger Zeit ein Zettel geklebt, berichtet Falkenburg. „Den hatte jemand mit Tesafilm angeheftet. darauf stand: ,Heute war mein letzter Einkauf in der Mülheimer City.’“

In der Kulturausschusssitzung am Donnerstag, 18. November, wies dessen Vorsitzender Friedel Lemke (MBI) darauf hin, dass es unter den VHS-Besuchern eine große Verärgerung über die Gebührenpflicht am Stadthallenparkplatz gibt.
Die CDU-Fraktion hat für die kommende Hauptausschuss und Ratssitzung beantragt, die Parkraumbewirtschaftung in der Stadt generell zu verändern. So soll unter anderem der Zeitraum, in dem eine Gebühr bezahlt werden muss, verkleinert werden. Montags bis freitags statt von 8 bis 19 Uhr auf 9 bis 18 Uhr, und samstags auf 10 bis 14 Uhr (derzeit von 8 bis 17 Uhr). Für den Stadthallenparkplatz soll ein Monatsticket zum Preis von 20 Euro angeboten werden. Das sogenannte Theater-Ticket für die Tiefgarage an der Stadthalle soll wieder eingeführt werden, zum Preis von 3 Euro. So viel kostet derzeit ein Tagesticket auf dem oberirdischen Parkplatz.
Claus Schindler (SPD) betont, dass man erst einmal ein Jahr lang Erfahrung mit der Bewirtschaftung sammeln wolle. Und dann müsse man sehen, „ob es gegebenenfalls Handlungsbedarf gibt.“ Was die Auto fahrenden VHS-Benutzer betrifft, müsse man berücksichtigen, dass ÖPNV-Kunden ja immerhin auch ein Ticket zahlen müssten, um zur Volkshochschule zu kommen.

 
 

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