Parken in der Innenstadt von Mülheim ist „katastrophal“

Seit an Seit: Rappelvoll war gestern Morgen der Parkplatz Rathausmarkt. Dort gibt es 98 Stellplätze.
Seit an Seit: Rappelvoll war gestern Morgen der Parkplatz Rathausmarkt. Dort gibt es 98 Stellplätze.
Foto: Stephan Glagla / WAZ FotoPool
Wie ist die Parksituation in der Innenstadt? Die WAZ hat sich unter das parkende Volk gemischt. Eine (un)endliche Geschichte.

Mülheim. Dienstagmorgen, halb zwölf auf dem Rathausmarkt. Es ist brechend voll. Dicht an dicht steht Kleinwagen an Mittelklasse, reiht sich roter Lack neben grauen und schwarzen.

Schwarz sieht gerade auch Marcel Schülter. Der junge Mann dreht schon die zweite Runde über den von der APCOA bewirtschafteten Parkplatz in der Innenstadt, bleibt suchend auf der Fahrspur stehen. „Katastrophal!“, sagt er nur. Jeden Tag dasselbe: „Wenn ich früh morgens zur Arbeit fahre, bekomme ich hier immer einen Parkplatz, aber ab zehn Uhr kriegt man nichts mehr.“

Dauerthema

Das Thema Parken ist bürgerliches Aufregerthema. Und politisches Dauerthema: Seit Inkrafttreten des neuen Parkkonzeptes 2010 – damals wurden unter anderem die Bewirtschaftungszeiten erhöht und im Gegenzug die Brötchentaste für 15-minütiges Freiparken eingeführt – steht es in der Kritik. „Es ist eine unendliche Geschichte“, sagt Hansgeorg Schiemer, Geschäftsführer der CDU-Fraktion.

Die größten Streitfragen: Parkgebühr-Zeiten, Höchstparkdauer, Freigabe des Stadthallen-Parkplatzes und Abschaffung der Brötchentaste. Über allen Diskussionen schwebt das Haushaltssicherungskonzept: Demnach sollen jährlich 1,27 Millionen Euro durch Parkgebühren in die leere Stadtkasse gespült werden. Ein Ziel, das im Jahr 2011 mit 1,05 Millionen Euro fast erreicht wurde.

Zum Ärger der Autofahrer: „Die Parksituation ist allgemein sehr schlimm“, findet Sylvia Mertns aus Dümpten. Sie kommt gerade aus der Tiefgarage Rathausmarkt ans Tageslicht. „Hier oben war alles voll“, sagt sie. „Es gibt zu wenig Parkplätze und die sind auch ziemlich teuer.“ Für bis zu 30 Minuten Parkdauer muss sie hier 50 Cent zahlen, bis 60 Minuten 1 Euro, für jede weitere angefangenen Stunde nochmal 1 Euro. „Ich will in der Stadt bummeln gehen“, sagt sie. „Bei den Preisen werde ich aber nicht so lange bleiben.“ Und so gehe es vielen Kunden: „Die fahren lieber nach Essen oder Oberhausen, weil sie dort besser parken können.“

Im Städtevergleich im Mittelfeld

Diese Sichtweise kennt auch Hermann-Josef Pogge, Vorsitzender der Werbegemeinschaft. Er sagt aber: „In der Innenstadt stehen genügend Stellplätze zur Verfügung – und zwar so nah bei den Geschäften wie in anderen Städten nur selten.“ Durch die neue Verkehrsführung sei die Erreichbarkeit jedoch schlecht. Aber zu teuer – nein, das sei ein Trugschluss: „Im Städteranking haben wir hier preisgünstige Parkplätze.“ Das findet auch Politiker Schiemer: „Wir liegen im Städtevergleich im Mittelfeld.“ Es könne aber auch nicht im Interesse der Stadt liegen, die Gebühren an Düsseldorfer Verhältnisse anzupassen. „Da muss man ganz vorsichtig sein.“

Stürmisch wird derweil auf dem Rathausmarkt ein Fenster hinunter gekurbelt: „Darf man da stehen?“, fragt eine Mittfünfzigerin in gehetztem Tonfall und deutet auf eine Lücke in zweiter Reihe. Ein Passant antwortet mit einem Kopfschütteln. „Ich habe jetzt einen wichtigen Termin!“ sagt die Parkplatzsuchende mit leichter Verzweiflung in der Stimme und fährt weiter.

Freie Plätze im Forum

Ein paar Meter entfernt in der Bahnstraße stößt sie vielleicht auf das Parkleitsystem. „Forum 255, „Schlossstraße 94“ steht auf einer Anzeigentafel. Freie Parkplätze. Die gibt es auch einige hundert Meter weiter, auf dem Parkplatz Kaiserstraße/Althofstraße. Nur etwa die Hälfte der Stellplätze ist an diesem Feriendienstag belegt. „Aber meistens ist es hier brechend voll“, weiß Lilo Juchhoff aus Saarn, die gerade ein Parkticket gezogen hat. „Im Forum sind viel zu viele Parkplätze“, sagt sie auf dem Weg zum Ärztehaus gegenüber, in der Innenstadt seien es viel zu wenig. „Ich muss zum Orthopäden, vom Forum aus ist das viel zu weit für Kniegeschädigte wie mich.“

Besser geht es da Iris Brands: „Ich fahre oft mit dem Fahrrad“, sagt sie. Parkplatzmangel und Parkgebühren sind ihr somit egal.

 
 

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