Opernsänger proben das Vorsingen

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Der Briefträger staunt nicht schlecht, als er an diesem Vormittag die Post im Nachbarhaus der Villa Zsuzsa abliefert. Lauter Gesang schallt da herüber, wunderbare Töne, wie in einem Opernhaus. So was hört man nicht alle Tage mitten in einem Dümptener Wohngebiet. Einmal im Jahr aber findet in der Villa Zsuzsa eine Workshopreihe für junge Opernsänger statt. Dort werden sie fürs Bewerben fit gemacht und lernen in Workshops, wie sie sich am besten in Vorsingen präsentieren.

Erkki Alste, der mit seiner Frau Zsuzsa Debré in der alten Villa an der Boverstraße lebt, ist Opernagent und betreibt die Agentur Opera-Connection. Bereits zum dritten Mal lädt er in die Villa zur Workshop-Reihe. „Mit dabei sind neben den neun Sängern aus ganz Europa auch Regisseure und Pianisten, die mit ihnen arbeiten“, erklärt der Seminarleiter. Die Konkurrenz unter Opernsängern ist groß. „Es gibt unheimlich viele gut ausgebildete Sänger aus Asien und den USA, die sich international bewerben – so viel Opernhäuser gibt es gar nicht“, weiß der Experte. Wichtig ist es daher für Sänger, sich bei den „Auditions“ (Vorsingen) gut zu präsentieren.

„Da kommt es nicht nur auf das Stimmliche, sondern auch auf die Präsenz an“, weiß die ausgebildete Opernsängerin Franziska Gündert, die aus Freiburg nach Mülheim gekommen ist, um an den Workshops teilzunehmen. „Hier bekommt man Fragen beantwortet und erklärt, was gewünscht wird“, sagt die 34-Jährige. Wichtig sei, dass man Persönlichkeit zeige und Leidenschaft rüberbringe. „Dafür arbeiten wir szenisch mit einem Bühnen-Direktor, trainieren Präsentationen und bekommen Gesangsunterricht“, zählt Franziska auf. Besonders gut findet sie es, dass sie offenes Feedback bekomme und sich mit anderen Sängern austauschen könne. Bei den wenigsten Vorsingen sei es nämlich der Fall, dass man Rückmeldung von der Jury bekomme. „Da heißt es meist nur ‘vielen Dank’ oder ‘wir melden uns bei Ihnen’“, weiß auch Aurea Marston (39), die aus Basel für den Workshop angereist ist.

Jeder der Teilnehmer trägt einzeln vor – Erkki Alste und der Regisseur bewerten Stimme, Haltung und Ausdruck. Aurea singt Elsas Traum, eine Arie aus Wagners Lohengrin, im dramatischen Sopran – kraftvoll durchdringt ihre Stimme die Villa. Was für den Laien perfekt klingt und aussieht, bewertet der Profi durchaus kritischer. Auch wenn sich Erkki Alste in diesem Fall erfreut zeigt: „Das war nahezu perfekt.“ Nur ein paar Kleinigkeiten könne sie verbessern. „Man kann mit kleinen Mitteln schon viel machen“, weiß er und rät: „Geh’ ruhig ein paar Schritte durch den Raum oder werfe dem Pianisten einen Blick zu, das löst die Spannung.“

Franziska, Aurea und die anderen sind dankbar für die Tipps. Und ganz schön aufgeregt, denn später an diesem Tag haben sich Theaterhaus-Leiter angekündigt, die sich den Gesang der Teilnehmer anhören und den ein oder anderen danach engagieren. „Eine Riesen-Chance“, wissen die Sänger.

 
 

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