Ohne neue Straßenbahnen droht in Mülheim der Kollaps

Die Niederflurbahnen der Linie 112 sind die jüngsten im Fuhrpark der MVG, machen aber die größten Probleme.
Die Niederflurbahnen der Linie 112 sind die jüngsten im Fuhrpark der MVG, machen aber die größten Probleme.
Foto: WAZ FotoPool
Die Straßenbahnen in Mülheim sind in der Mehrzahl schrottreif. Bis zum Ende des Jahres 2016 sollen diese komplett gegen neue ausgetauscht werden. Ohne die 23 oder 25 neuen Bahnen, so MVG-Geschäftsführer Klaus-Peter Wandelenus, drohe der wirtschaftliche Kollaps im Straßenbahn-Angebot.

Mülheim. Ende 2016 will die Mülheimer Verkehrsgesellschaft ihren kompletten Straßenbahn-Fuhrpark ausgetauscht haben. Ohne die 23 oder 25 neuen Bahnen, so MVG-Geschäftsführer Klaus-Peter Wandelenus, werde in zwei Jahren der wirtschaftliche Kollaps im Straßenbahn-Angebot nicht abzuwenden sein. „Dann können wir den Straßenbahn-Verkehr einstellen.“

Mülheims Straßenbahnen, das ist kein Geheimnis, sind in der Mehrzahl längst schrott-, oder, netter ausgedrückt: museumsreif. 23 der 27 Bahnen sind laut Wandelenus zwischen 29 und 37 Jahre alt, einer Straßenbahn sei aber nur eine durchschnittliche Lebenszeit von 30 Jahren vergönnt. Und dabei, so der MVG-Chef, habe der Betrieb die größten Probleme gar mit seinen jüngsten Fahrzeugen: Die vier Niederflurbahnen, die auf der Linie 112 unterwegs sein sollten, seien „besonders störanfällig“. Obwohl erst 16 Jahre alt, sind sie Abo-Patient in der Werkstatt, auf der Linie 112 kann von gesicherter Barrierefreiheit längst keine Rede sein.

Tagtägliche Kursausfälle nicht zu verhindern

Die alten Bahnen, so Wandelenus müssten für teures Geld rund sechs Monate lang aus dem Verkehr gezogen werden, um generalüberholt zu werden. Dies aber sei nicht möglich. „Ich bekomme für die Zeit gar keine Ersatzbahnen mehr.“ Da die Politik im Oktober per Grundsatzbeschluss der Straßenbahn in Mülheim eine Zukunft zugebilligt hat, müsse sie nun auch – über die bereits bestellten fünf – 18 bis 20 weitere Bahnen zur Verfügung stellen.

„Mit den alten Bahnen geht das nur noch zwei Jahre gut“, sagt Wandelenus. Schon heute sei der Zustand der Bahnen so schlecht, dass tagtäglich Kursausfälle „nicht zu verhindern“ seien. Ein gutes ÖPNV-Angebot brauche Zuverlässigkeit, um keine Fahrgäste zu vergraulen. Seit er 2007 auf dem Chefsessel der MVG Platz genommen habe, dränge er bei der Stadt als Auftraggeberin darauf, in neue Bahnen zu investieren. Nun sei der Punkt gekommen, wo alles auf einmal und ziemlich zügig passieren müsse.

Laut Nahverkehrsplanung soll zum Fahrplanwechsel im Sommer 2014 das neue ÖPNV-Konzept umgesetzt werden. So sollen die Straßenbahnen der Linien 102 und 104 laut bisherigem Planungsstand zwischen 9 und 20 Uhr nur noch im 15- statt im 10-Minuten-Takt verkehren. Wie soll das funktionieren, wenn die ersten fünf neuen, dann größeren Bahnen erst peu à peu ab Januar 2015 geliefert werden, die weiteren 18 bis 20 gar erst ab Anfang 2016? Kein Problem, so Wandelenus. Die Evag bekomme schon ab Januar 2014 alle 14 bis 21 Tage eine von insgesamt 27 baugleiche Bahnen geliefert. Die MVG könne dann für die Übergangszeit die alten Evag-Fahrzeuge nutzen.

Wandelenus hofft auf mehr Zuspruch für das ÖPNV-Angebot, wenn die MVG mit den neuen Bahnen mehr Zuverlässigkeit auf die Strecken bringen kann.

 
 

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