OB-Kandidat erklärt 1,4 Milliarden

Foto: Michael Dahlke

Tatsächlich kommt ein frischer Wind auf, als Werner Oesterwind (CDU) vor der Broicher Mitte zum Bürgergespräch aufläuft – und einige der Luftballons fliegen weg. „Frischer Wind mit Werner Oesterwind“ – so wirbt der OB-Kandidat für sich. Frischer Wind in der Politik, im Rathaus – für ihn heißt das vor allem: sinnvolle Projekte!

„Wir brauchen keine Leuchtturmprojekte, sondern müssen das betreiben, was Mülheim voranbringt und der Stadt auch Rückfluss von Kapital beschert.“ Apropos Kapital, natürlich sei die schwierige Haushaltslage immer Thema auf der Straße, im Vereinslokal, wo immer er auftrete. „Ich rede dann oft nicht von 1,4 Milliarden Euro Schulden. Ich schreibe lieber die Nullen auf ein Papier, um den Menschen deutlich zu machen, wie kritisch die Lage ist.“

Auch Werner Oesterwind (57) steht seit Monaten im Dialog, auch er geht von Haustür zu Haustür – nach Feierabend, wie das Mitglied der Geschäftsführung der Karstadt-Tochter Le Buffet erklärt. Klar, sagt er, müssten Wahlkampfstände sein, auch wenn er überzeugt sei, dass er bei einem Vereinsfest oder einer Sportveranstaltung eher ins Gespräch komme.

Wie sein Kontrahent Ulrich Scholten pflegt er einen ruhigen, ausgeglichenen Wahlkampfstil. Angriff? Nein, das sei nicht seine Art. Ob er schon mal im Wahlkampf beschimpft worden sei? Nein, betont er, aber es gebe klare Antworten vom Bürger. Ein Mann habe ihn etwa gefragt, wie er zum Flughafen stehe. „Ich habe ihm gesagt, dass es eine demokratische Entscheidung des Stadtrates gebe, und die müsse umgesetzt werden, also Schließung. Die Antwort des Mannes: Er sei für ihn dann nicht wählbar.

Ein anderer will wissen, ob er das VHS-Gebäude in der Müga erhalten will. Oesterwind kommt wieder auf die Zahlen: Zwischen sechs und 16 Millionen Euro würde die Sanierung kosten. „Wenn ich einen Neubau in der Innenstadt für acht bekäme, würde ich das vorziehen.“ Ziel sei, ein gutes, zentrales Angebot zu schaffen.

Klare Positionen will der Bürger hören, weiß Oesterwind und verweist da etwa auch auf den ÖPNV. Sind Sie für die Straßenbahn? Er sei vor allem dafür, dass der Mülheimer gut von A nach B komme, womit sei dabei zweitrangig. Und: Es sei nicht weiter möglich, bei der desolaten Haushaltslage jedes Jahr 35 Millionen Euro Miese bei der MVG auszugleichen.

Häufig gehe es um Steuern: Jeder hat irgendwie das Gefühl, dass er in der Stadt von allem zu viel zahlt: zu viel Hundesteuer, zu viel Gewerbesteuer, zu viel Grundsteuer. Immer mehr, so Oesterwind, könne nicht die Antwort auf die Verschuldung sein. Die Alternative muss er noch präsentieren.

Wer gewinnt am Ende? „Ich glaube“, sagt der CDU-Mann, „dass es knapp wird.“ Enttäuscht bei einer Niederlage? „Ich habe in jedem Fall auch nach dem 13. September einen interessanten Job.“

 
 

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