Notdienst für kranke Kinder in Mülheim vor dem Aus

Ihre ärztlichen Notdienste will die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein neu ordnen. Beim kinderärtztlichen Notdienst kann das große Auswirkungen auf Mülheim haben.

Eltern müssen künftig mit ihrem kranken Kind vielleicht weit in die Notfallpraxis fahren: Die Neuordnung des ärztlichen Notdienstes steht heute bei der Sitzung der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein auf der Tagesordnung. Einer der Vorschläge betrifft Mülheim unmittelbar: Wird er in seiner aktuellen Form beschlossen, gibt es in der Stadt keinen kinderärztlichen Notdienst mehr. Eltern müssten nach Oberhausen oder Duisburg. Die Kinder- und Jugendärzte wollen laut Dr. Holger van der Gaag, Obmann der Mülheimer Kinder- und Jugendärzte, einen Gegenvorschlag einreichen – doch auch dieser lässt Mülheim außen vor.

Derzeit leisten Mülheims Kinderärzte Notdienste in ihren Praxen. Mittwochs, freitags und am Wochenende sind wechselnde Mediziner im Einsatz. Die Überlegungen sehen nun vor, Mülheim mit Duisburg und Oberhausen zu einem Notdienstbezirk zusammenzulegen. „Das bedeutet, dass es eine zentrale Notfallpraxis für das ganze Gebiet gibt“, sagt Dr. Holger van der Gaag. Die Praxis soll an eine Kinderklinik in Oberhausen oder Duisburg angedockt und von Kinderärzten der drei Bezirksstädte besetzt werden.

Die Mediziner können den Plänen nicht viel abgewinnen. „Nur eine Praxis für drei Städte ist viel zu wenig“, betont Dr. Holger van der Gaag. „Deshalb schlagen wir vor, mindestens noch eine zweite zentrale Notfallpraxis einzurichten.“ In Duisburg gebe es zwei Kinderkliniken und beide seien als Standort denkbar. Doch das bedeutet, dass Mülheimer Eltern auf jeden Fall in eine der beiden Nachbarstädte fahren müssten. Wie dieser Vorschlag aufgenommen wird, wird sich bei der Sitzung zeigen. Kinder- und Jugendärzte sind laut dem Mülheimer Obmann im Gremium jedenfalls „nicht in der Mehrzahl“.

Auch bei der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein will man nicht spekulieren. „Es steht auf der Tagesordnung, jetzt muss man warten, wie es ausgeht“, sagt deren Sprecher Christopher Schneider. Die Neuordnung der Notdienste sei „ein riesen Themenball“ und von den Ärzten gewünscht, um auf absehbar sinkende Medizinerzahlen zu reagieren. „Sie sehen die Notwendigkeit, die Strukturen sinnvoll zu reformieren und ein System zu schaffen, das mit weniger Ärzten funktioniert“, erläutert Christopher Schneider. Die Planungen laufen seit Ende 2012, doch: „Was kommt und wann es kommt, kann erst nach tatsächlichen Beschlüssen gesagt werden.“

Mülheimer Eltern werden sich auf jedenfalls umstellen müssen, denn die überwiegende Mehrzahl scheint gezielt den kinderärztlichen Notdienst anzusteuern. Bei der Notfallambulanz im St. Marien-Hospital kommen laut Kliniksprecherin Dorothee Renzel jedenfalls sehr selten Kinder vorbei: „Bei den Eltern scheint das sehr im Bewusstsein zu sein.“

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