Nöte der Vermieter in Mülheim

DerWesten
Auch Wohnungseigentümer in Mülheim beklagen stark vermüllte Messie-Wohnungen. Archivbild: Markus Weißenfels
Auch Wohnungseigentümer in Mülheim beklagen stark vermüllte Messie-Wohnungen. Archivbild: Markus Weißenfels
Foto: NRZ

Mülheim. Viele Mieter sind respektlos, zapfen Stromleitungen an, nehmen beim Auszug die Einrichtung des Eigentümers mit und lassen ihre Wohnungen verkommen. Dies sind die Nöte der Vermieter – aus der Sicht von „Haus & Grund“ Mülheim.

Geschäftsführer der Eigentümer- und Vermietervertretung „Haus & Grund Mülheim“ (Geschäftsstelle Wilhelmstraße 22) ist der Rechtsanwalt Andreas H. J. Noje. Der WAZ berichtete er aus seinem Berufsalltag – von den Nöten der Vermieter:

Der nervige Kleinkram

Die Probleme der Mülheimer Vermieter und Eigentümer sind mannigfaltig. Das fängt bei verschmutzten Treppenhäusern an, bei denen Mieter sich weigern, zu putzen und hört bei nicht gefegten Straßen beim Winterd ienst auf. Das kommt in so vielen Fällen vor.

Stromklau

Mieter zapfen Leitungen im Keller oder Treppenhaus an, und leiten den Strom in ihre Mietwohnung um – ohne einen Cent zu bezahlen. Der Eigentümer wundert sich bei der nächsten Jahresabrechnung über die hohen Nebenkosten, die keinem Mieter zugeordnet werden können. Wer zahlt die Kosten? Der stromklauende Mieter ist häufig auf und davon und die Stromkosten können ja auch nicht einfach auf alle anderen Mietparteien umgelegt werden. Ist der Mieter noch in der Wohnung, kann der Eigentümer wenigstens Strafanzeige wegen Stromdiebstahl stellen.

Die Einrichtung wird mitgenommen

In Zeiten, in denen viele Mieter kaum Geld haben, werden bei einem Auszug gerne komplette Einrichtungen mitgenommen. Da werden Einbauküchen abmontiert, Klodeckel, Kloschüsseln, Waschbecken. Da bleiben etwa in einem teuer eingerichteten Badezimmer plötzlich nur die Wasseranschlüsse übrig.

Messie-Wohnungen

Während Mietnomaden in Mülheim selten sind, gibt es stattdessen viele stark vermüllte Messie-Wohnungen. Was ich manchmal im Fernsehen sehe, ist im Vergleich mit Mülheimer Verhältnissen Pillepalle. Wenn die Vermieter ihr Besichtigungsrecht nutzen wollen, wehren sich die Mieter erheblich. Die sehen gar nicht ein, dass sich was ändern muss, fühlen sich wohl. Da müssen die Vermieter einstweilige Verfügungen einholen.

Häufig bekommen die Eigentümer von den Missständen erst etwas mit, wenn andere Mieter Gestank im Treppenhaus melden. Oder Handwerker sagen: „In dem Haus will ich nicht mehr arbeiten.“ Ich kenne Mülheimer Wohnungen, in denen hat sich der Müll mannshoch gestapelt. Überall lagen Essensreste und sogar Fäkalien herum, die Ungeziefer anlockten. Solche Wohnungen müssen kernsaniert werden. Die Mieter sind häufig – aber nicht nur – Sozialhilfeempfänger und können nichts zahlen. Die Kosten muss der Vermieter tragen, häufig mehrere tausend Euro. Rentner, die ihr Einkommen mit einer vermieteten Immobilie eigentlich aufbessern wollten, kommen so in große Not. In meiner Beratung brechen Vermieter zusammen, heulen. Die sind am Ende.

Schlechte Grundhaltung

Mieter sind dreister geworden als früher. Der Respekt vorm Eigentum anderer hat nachgelassen. Manchmal ist das Verhalten der Mieter nur gedankenlos, manchmal ist es fast bösartig – obwohl sich viele Vermieter – natürlich auch nicht alle! – reinhängen, um es ihren Mietern möglichst schön zu machen.

(Protokoll: Tobias Füllbeck)