Neues Buch über die Duisburger Straße in Broich

Gordon Wüllner
Hans A. Wunder stellte das Buch „Duisburger Straße im Wandel der Zeit“ vor - und lockte rund 40 Leute in die Buchhandlung Bücherträume.
Hans A. Wunder stellte das Buch „Duisburger Straße im Wandel der Zeit“ vor - und lockte rund 40 Leute in die Buchhandlung Bücherträume.
Foto: Funke Foto Services
Die Broicher Interessengemeinschaft hat sich in einem historischen Buch der Geschichte der Duisburger Straße gewidmet. Zwei Jahre Arbeit stecken darin.

Mülheim. „Wer die Straße früher durchfahren musste, der dachte: Augen zu und durch!” – selbst ein Broicher Patriot wie Hans A. Wunder, Vorsitzender der Broicher Interessen-Gemeinschaft (BIG), muss zugeben, dass die Duisburger Straße als Zentrum seines geliebten Stadtteils viele Jahre keinen Schönheitspreis verdient hatte. Wer aus dem Fenster blickte, sah das graue Gelände vom Ausbesserungswerk der Bundesbahn und nicht wie heute Hochschule und Hauptfeuerwache. Aber als frühere Handels- und Einkaufsstraße war die Straße immer auch einer der lebendigsten Orte Mülheims. Die BIG ist dieser regen Geschichte nachgegangen – im Buch „Duisburger Straße im Wandel der Zeit“.

Berichte von Zeitzeugen, historische wie aktuelle Fotos, Zeitungsanzeigen, Firmenchroniken: Wunder und sein Team haben all das auf rund 130 Seiten gesammelt – wobei das Buch ohne Seitenzahlen auskommt. Wer sich durchmanövrieren möchte, orientiert sich an den Hausnummern, jedem Gebäude ist mindestens eine eigene Seite gewidmet. „Wir wollten, dass das Buch als ein Spaziergang über die Duisburger Straße erlebt wird“, erzählt Wunder. Das Herzstück dabei: die historischen Daten über Eigentum und Nutzung jedes Gebäudes. „Duisburger Straße im Wandel der Zeit“ wirkt vor allem wie ein Nachschlagewerk über die Immobilien der Duisburger Straße.

Um all diese Daten zusammenzubekommen, war natürlich viel Rechercheaufwand nötig – und den hat vor allem die Hobby-Forscherin Bärbel Essers betrieben. Die 53-Jährige taucht aus Leidenschaft ins Stadtarchiv ein, in ihrer Freizeit hat sie schon acht Bände über die Mülheimer Bevölkerung der Vergangenheit verfasst (Infobox). „Mein großer Vorteil ist, dass ich keine Geschichte studiert habe“, sagt die berufliche Bilanzbuchhalterin. „Da bin ich nicht so an die wissenschaftliche Vorgehensweise gebunden und kann auch ein paar Schmankerl einbauen.“ So zitiert Essers im Buch etwa einen Polizeibericht aus 1903, in dem ein Bewohner der Duisburger Straße des „Konkubinats“ – also des Ehebruchs – verdächtigt wurde. Für damals normal, für heute eine ulkige Unvorstellbarkeit.

Probleme bei der Recherche

Bärbel Essers selbst kommt gar nicht aus Broich, aber als Hans A. Wunder vor zwei Jahren voller Enthusiasmus von der Idee berichtete, „war sie plötzlich mit im Boot.“ Die nächsten 24 Monate wühlte sie sich dann gemeinsam mit dem Kollegen Bernd Simmerock durch alte Adress- und Grundbücher – und stieß dabei auch auf einige Probleme. „Die Möglichkeit, in Adressbüchern zu recherchieren, beschränkt sich leider auf das Jahr 1999, danach wurden die Listen aus Datenschutzgründen ausgesetzt“, erklärt sie.

Trotz Essers detaillierter Recherche sind aufgrund derartiger Probleme noch einige Lücken im Buch. „Es soll deswegen auch als Arbeitsbuch verstanden werden“, erklärt Wunder. Wer Korrekturen, Ergänzungen oder schöne Erinnerungen hat, soll sich jederzeit bei der BIG melden. Denn über einen zweiten Band von „Duisburger Straße im Wandel der Zeit“ wird bereits nachgedacht.