Neuer LSU-Landeschef beklagt Homophobie in der CDU

Der neue Landesvorsitzende der Lesben und Schulen Union (LSU) will Homosexuelle in der CDU stärken - und stößt dabei auf Widerstand.
Der neue Landesvorsitzende der Lesben und Schulen Union (LSU) will Homosexuelle in der CDU stärken - und stößt dabei auf Widerstand.
Foto: Christoph Wojtyczka / WAZ FotoPo
Als neuer Landesvorsitzender der Lesben und Schwulen Union (LSU) will Manuel Hase in Zukunft für Toleranz und Akzeptanz von Homosexuellen in der CDU kämpfen. Dabei stößt der 21-Jährige auch in der eigenen Partei auf Widerstand - die Partei weise "homophobe Tendenzen" auf, klagt der Mülheimer.

Mülheim. „Die CDU ist eine Partei, die homophobe Tendenzen aufweist.“ Manuel Hase wirkt ernst, wenn man den neuen Landesvorsitzenden der Lesben und Schwulen Union (LSU) auf seine Partei anspricht. Der 21-Jährige kämpft für Toleranz und Akzeptanz von Homosexuellen. Und stößt in der eigenen Partei auch auf Widerstand.

Hase war 16 Jahre alt, als er der Jungen Union (JU) beitrat. „Ich komme aus einen politisch geprägten Elternhaus“, erklärt er. Heute ist er stellvertretender Kreisvorsitzender der JU Mülheim, Mitglied im Ortsverbandsvorstand der CDU und nun NRW-Vorsitzender der LSU. Hase lebt in Mülheim, studiert Betriebswirtschaftslehre an der Hochschule Ruhr West.

Die Heimatstadt im Blickfeld

Öffentlich zu seiner Homosexualität bekannt hat er sich in der Oberstufe. „Ich hatte nie Angst mich zu outen.“ Sein Umfeld habe ihn nie diskriminiert. Derartig viel Toleranz ist nicht selbstverständlich. So war die Entscheidung für den LSU-Landesvorsitz zu kandidieren nicht einfach. Hase steht nicht nur mit seiner Politik in der Öffentlichkeit – sondern zugleich immer auch mit seiner Homosexualität. „Das macht einen in der Öffentlichkeit angreifbar.“ Fast drei Monate hat er für die Entscheidung gebraucht, sich mit Familie und Lebenspartner besprochen. Hinzu kam schließlich auch die Frage nach der Vereinbarkeit mit dem Studium.

Als NRW-Vorsitzender will Hase seine Heimatstadt im Blickfeld behalten. An den Angeboten für Jugendliche, wie etwa dem schwul-lesbischen Jugendtreff Café Enterpride, dürfe nicht gespart werden, warnt er. Gerade in der Bildungspolitik hat sich Hase viel vorgenommen. „In den Schulen wird Homosexualität oft mit Mobbing verbunden.“ Da will er ansetzen: „Ich würde mir wünschen, dass die Schulen offen mit dem Thema umgehen. Da würde ich auch mal in eine Mülheimer Schule gehen und referieren, wenn es gewünscht ist.“

Suche nach Unterstützern

Ein weiteres Thema auf der Agenda ist „Homosexualität in der Wirtschaft“, die Frage wie mit Schwulen und Lesben am Arbeitsplatz umgegangen wird. Eine „Diskussionszone“ will Hase errichten, im Dialog stehen mit Unternehmen und Verbänden. „Der erste Schritt ist, mit den Leuten ins Gespräch zu kommen.“ Das gilt auch für die eigene Partei. Hase will in der CDU für seine Anliegen werben, im kon­struktiven Dialog. „Es ist wichtig, wie man in Kontakt tritt. Wenn ich zur CDU-Veranstaltung mit Handtasche und Schminke kommen würde, habe ich schlechte Chancen Unterstützer zu finden.“

Die CDU tut sich seit Jahren schwer, die rechtliche Stellung der eingetragenen Lebenspartnerschaft der Ehe anzugleichen. Zum Teil fallen in der Debatte Äußerungen einzelner Mitglieder, wie die Union werde „nicht gleichstellen, was nicht gleich ist.“ Hase wehrt sich: Die eingetragene Lebenspartnerschaft sei eine Partnerschaft zweiter Klasse.

Ein Lippenbekenntnis?

Aktueller Koalitionsvertrag, Seite 111: Union und FDP sprechen sich für die Gleichstellung der eingetragenen Lebenspartnerschaft mit der Ehe aus. Ein Lippenbekenntnis? „Eine Forderung der FDP, aber nie ein Herzensanliegen der CDU.“ So sind es in den letzten Jahren oft die Gerichte, die maßgebliche Entscheidungen treffen. 2010 befand das Bundesverfassungsgericht die Ungleichbehandlung von Ehe und eingetragener Lebenspartnerschaft hinsichtlich der Erbschafts- und Schenkungssteuer für verfassungswidrig. Noch in diesem Jahr wird sich das Gericht mit der Gleichstellung beim Ehegatten-Splitting befassen. „Zum Glück“, meint Hase: „Ohne die Justiz wären wir nicht so weit.“ Das sei natürlich eine Notlösung. Denn: Wo Gerichte Entscheidungen herbeiführen müssen, kann das Gestaltungspotenzial der Politik in Frage gestellt. Entscheide das Gericht für eine steuerliche Gleichheit, „wird die Bundesregierung mit ihrer Politik vorgeführt“, so Hase.

Die LSU ist seit 1998 die Interessensvertretung der Homosexuellen in der CDU/CSU. In NRW hat sie rund 100 Mitglieder. Die LSU organisiert auch einen Wagen beim Christopher Street Day in Köln. Wen würde Hase da gerne mal als Gast begrüßen? „Norbert Röttgen, unseren Kreisvorsitzenden Andreas Schmidt und natürlich die Bundeskanzlerin.“

 
 

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