Neuer Kita-Streik? Mülheimer Eltern in großer Sorge

Vom ersten langen Kita-Streik betroffene Eltern und Kinder demonstrierten Anfang Juni im Rathaus und sprachen auch mit der OB.
Vom ersten langen Kita-Streik betroffene Eltern und Kinder demonstrierten Anfang Juni im Rathaus und sprachen auch mit der OB.
Foto: FUNKE Foto Services
So mancher fürchtet um den Job, wenn die Betreuung erneut zusammenbricht. Der Unternehmerverband rät zum frühzeitigen Gespräch mit dem Chef.

Mülheim. Für die Eltern ist es eine „Horrorvorstellung“, sagt Nicole Ritter, Vorsitzende des Stadtelternrates: Scheitern die Tarifverhandlungen zwischen Verdi und dem Kommunalen Arbeitgeberverband (VKA) erneut, drohen die städtischen Kitas – nach dem langen Erzieherinnen-Streik im Mai – ganz bald ein weiteres Mal auf unabsehbare Zeit zu schließen. Schon im Frühjahr habe der wochenlange Ausstand Mütter und Väter vor schwer lösbare Probleme gestellt, so Ritter. „Schon damals war es für manchen kaum mehr tragbar, war die Verzweiflung groß.“ Nun aber, nachdem die meisten Urlaubstage verbraucht sind und womöglich nicht einmal Notgruppen eingerichtet werden – so zumindest hat es Verdi angekündigt –, sei die Angst um ein Vielfaches größer. „Die Eltern fragen sich: „Was sollen wir dann nur machen? Es geht ja auch um Existenzen, um Arbeitsplätze.“

Flexiblere Arbeitszeiten ermöglichen

Wolfgang Schmitz, Hauptgeschäftsführer des hiesigen Unternehmerverbandes, versteht die Sorgen, zumal tatsächlich gelte: „Rein rechtlich muss ein Arbeitgeber zum Beispiel Verspätungen aufgrund von Streikfolgen nicht hinnehmen“, von Komplettausfällen wegen mangelnder Kinderbetreuung ganz zu schweigen. Schmitz glaubt jedoch, dass „ein frühzeitiges Gespräch mit Vorgesetzten“ helfen kann: Viele Unternehmen würden dann flexiblere Arbeitszeiten ermöglichen, „etwa über Homeoffice oder Überstundenabbau“. Die Eltern seien natürlich zunächst gehalten, sich um alternative Betreuungsmöglichkeiten zu kümmern. Wenn das aber nicht gelinge, helfe besagtes Gespräch. „Bei Fragen der Kinderbetreuung wird das Verständnis in der Regel groß sein“, glaubt Schmitz. „Familienfreundlichkeit wird ja in den meisten Unternehmen großgeschrieben.“ Schließlich seien auch Chefs oft betroffene Eltern.

Streik – oder nicht? Notgruppen – oder nicht? Auch bei der Stadt ist man unsicher, was die nächsten Wochen bringen werden. Im Frühjahr habe man es mit 250 nicht gewerkschaftlich organisierten Erzieherinnen geschafft, eine Notbetreuung aufrechtzuerhalten, so Stadtsprecher Volker Wiebels. Rund 900 von insgesamt 2400 Kindergartenkindern seien damals in den Notgruppen untergekommen. „Damit war seinerzeit kein Kind unbetreut.“ Ob das erneut gelinge, sei aber fraglich; „wir wissen ja nicht, wie genau der Streik durchgeführt wird“. Schwierig werde es, wenn die Arbeit sehr kurzfristig niedergelegt wird; „dann ist nicht sicher, ob wir es schaffen werden“. Man werde aber erneut „alles tun, was machbar ist, alle Optionen ziehen“, verspricht Volker Wiebels.

Gewerkschaftsaktion vor der Ratssitzung am Donnerstag

Die soziale Aufwertung des Erzieherberufs, darum geht es der Gewerkschaft – zu erreichen sei das über Lohnsteigerungen von zehn Prozent. Ob bei den aktuellen Verhandlungen zwischen Verdi und VKA allerdings endlich ein verhandlungsfähiges Ergebnis erzielt werden kann oder ob die Streiks auch in Mülheim fortgesetzt werden müssten, sei unsicher, so Verdi.

Der Rat der Stadt will Oberbürgermeisterin Dagmar Mühlenfeld (SPD) in der Sitzung am Donnerstag den Auftrag erteilen, ihren Einfluss beim VKA geltend zu machen und so auf einen tragfähigen Kompromiss im Sozial- und Erziehungsdienst hinzuwirken. Laut Gewerkschaftssekretärin Anna Conrads wollen mehrere Beschäftigte vor der Sitzung mit einer Aktion die Aufforderung an die OB unterstützen. Man hoffe auch, dass der Antrag mit großer Mehrheit aller Fraktionen getragen werde, „ein deutliches Votum wäre ein starkes Signal für die Beschäftigten“. Der Druck auf die Arbeitgeber müsse weiter wachsen; der Konflikt dürfe nicht länger auf dem Rücken der Eltern ausgetragen werden.

 
 

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