Nesteldecken beruhigen und aktivieren

Hübsch und sinnvoll: Die Nesteldecke kann erfühlt werden. Verschiedene Elemente wie hier Holzringe, Fellstücke oder Stickereien regen dazu an.
Hübsch und sinnvoll: Die Nesteldecke kann erfühlt werden. Verschiedene Elemente wie hier Holzringe, Fellstücke oder Stickereien regen dazu an.
Foto: WAZ FotoPool

Mülheim. Demenzkranke Menschen sind oft sehr hibbelig und zupfen ununterbrochen an sich und ihrer Kleidung herum. Eine „Nesteldecke“ kann da beruhigend wirken und als unterstützendes Therapiemittel eingesetzt werden. Diese speziellen Fühl-Decken, die mit sensorischen Reizen versehen sind, gibt es zwar schon seit einigen Jahren, sie werden aber erst jetzt richtig bekannt. Jessica Prumbaum hat erst kürzlich ein kleines Eine-Frau-Unternehmen inklusive Online-Shop eröffnet, das sich auf die Herstellung von Nesteldecken spezialisiert hat.

Nähen ist eine Leidenschaft der 45-Jährigen, die ansonsten auch Freizeitaktivitäten für Senioren in verschiedenen Wohnprojekten anbietet. „Nachdem ich in einer Zeitschrift eine Nesteldecke gesehen hatte, habe ich einfach mal selber versucht, eine anzufertigen. Das hat viel Spaß gemacht, bei der Gestaltung kann man richtig kreativ sein“, erzählt sie.

Knöpfe, Kordeln und Krawatten

Das Prinzip des farbenfrohen Plaids: 20 bunte Stoff-Felder aus den verschiedensten Materialien wie zum Beispiel Baumwolle, Cord, Leder, Filz oder Fell werden zu einer ein mal ein Meter großen Decke zusammengenäht. Auf oder in jedes Stoffstück sind Nestelkomponenten eingearbeitet - zum Beispiel Reißverschlüsse, Knöpfe, Kordeln, Krawatten, Wollfransen, Fototaschen, Hemdsärmel und Karabinerhaken, aber auch Perlen, Münzen oder knisternde Gegenstände, die man mit den Händen erfühlen kann und soll.

Jede Decke ist ein Unikat

„Das Nesteln wirkt besänftigend, es erweckt bei den Erkrankten aber auch Aufmerksamkeit und hat eine aktivierende Wirkung“, so Jessica Prumbaum. Besonders dann, wenn Dinge aus dem eigenen persönlichen Besitz mit appliziert wurden und Erinnerungen wach werden lassen. An schöne Momente in der Vergangenheit, aber auch einfach daran, wie bestimmte Alltagshandlungen ausgeführt werden (z.B. eine Gürtelschnalle geschlossen wird).

Ihre erste selbst gefertigte Nesteldecke schenkte Jessica Prumbaum dem Seniorenzentrum an der Dimbeck, sie kam bei den alten Leuten, aber auch Angehörigen und Betreuern gut an. Seither hat sie schon viele weitere Exemplare designt. Jede Nesteldecke ist ein Unikat, auch persönliche Wünsche der Kunden (etwa die applizierten Gegenstände betreffend) können in die Gestaltung miteinfließen. „Kürzlich hat mir eine Kundin die alten Hosenträger von ihrem Schwiegervater gebracht, die ich mit eingearbeitet habe“, berichtet die Schneiderin.

 
 

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