Muslime stellen Moschee-Bauprojekt vor

Die Ahmadiyya Gemeinde interessiert sich für den Sakralbau an der Max-Halbach-Straße.
Die Ahmadiyya Gemeinde interessiert sich für den Sakralbau an der Max-Halbach-Straße.
Foto: WAZ FotoPool
Die Ahmadiyya-Gemeinde hat Interesse am ehemaligen Kirchengebäude an der Max-Halbach-Straße in Mülheim-Heimaterde. Eine Moschee mit Minarett ist geplant. In einer Infoveranstaltung wollen die Gemeindemitglieder nun kritische Fragen beantworten.

Mülheim. In das Gotteshaus gegenüber des Rhein Ruhr Zentrums wird wohl wieder ein Gotteshaus einziehen: Die Ahmadiyya Muslim Jamaat Gemeinde plant, das leerstehende Gebäude an der Max-Halbach-Straße 190 zu erwerben. Dort war bis vor zwei Jahren eine Neuapostolische Kirchengemeinde beheimatet. In einer Infoveranstaltung wollen die Gemeindemitglieder nun kritische Fragen beantworten und sich den Nachbarn auf der Heimaterde öffnen. Denn die stehen dem Projekt eher kritisch gegenüber.

Mansoor Tariq ist es gewohnt, erklären zu müssen: seinen Glauben, die Bräuche, das Gemeindeleben. Als das Moschee-Projekt im Juli bekannt wurde, pappten Unbekannte Plakate mit fremdenfeindlichen Sprüchen an die Laternen in der Nachbarschaft. Da wurde dem Sprecher der Gemeinde klar: Hier ist offensive Aufklärung gefragt. Daher lädt die Gemeinde am Freitag zum Gespräch ein – auch wenn sie das offiziell nicht müsste. „Wir sehen es als unsere moralische Pflicht, Brücken zu bauen“, erklärt Mansoor Tariq. Denn: „Viele Leute sind beeinflusst durch die Berichterstattung über den IS-Terror – und werfen uns in einen Topf mit Salafisten.“ In der Tat sorgt man sich im Viertel: „Wenn man die täglichen Nachrichten hört, wird einem doch mulmig“, sagt eine Anwohnerin, die nicht namentlich genannt werden möchte. Solche Sorgen will Tariq den Menschen nehmen, seine Glaubensgemeinschaft stehe für den modernen Islam: „Wir glauben an die ursprüngliche Lehre des Islam, die aber an die Neuzeit angepasst ist“.

Nutzung für Gemeindeleben

Bereits seit 15 Jahren hat die Ahmadiyya-Gemeinde ihre Räume am Hans-Böckler-Platz in der Innenstadt. Dort ist es aber viel zu eng für die insgesamt 200 Mitglieder, die auch aus Nachbarstädten wie Essen oder Duisburg kommen. Das Grundstück an der Max-Halbach-Straße gibt ein vielfaches mehr her. Das 255 m² große Areal soll mit Spendengeldern aus der Gemeinde finanziert (636.000 Euro) und umgebaut werden. Der Bauantrag wird derzeit von der Verwaltung geprüft. Daher nimmt auch Planungsamtschef Jürgen Liebich Freitag Stellung. Ein weiterer Sorgenpunkt der Anwohner sind nämlich zwei zehn Meter hohe Minarette, die „als reine Erkennungszeichen“ entstehen sollen. „Von dort wird niemand zum Gebet rufen“, versichert Mansoor Tariq.

„Und was ist mit den mangelnden Parkplätzen?“, fragt die Anwohnerin. „Auf der Rückseite des Gebäudes sollen 16 Plätze entstehen“, erklärt Tariq. „In der Spitze kommen vielleicht 40 Leute zum Freitagsgebet – da sollte das Angebot ausreichen.“ Wichtig sei bei der Auswahl des Standortes eben auch die gute ÖPNV-Anbindung gewesen. Schließlich sollen die neuen Räume für das Gemeindeleben genutzt werden – Nachhilfeunterricht für Kinder, Schachspielen für Senioren oder Kaffee- und Tee-Nachmittage sind angedacht. Bedauerlich findet es Tariq, dass die Nachbarn eher Plakate kleben, anstatt die Gemeinde anzusprechen. Nun hofft er, könne es zu einem offenen Dialog kommen.

 
 

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