Mülheims Politik streitet schon jetzt um Weihnachtsmarkt

Mirco Stodollick
Der Weihnachtsmarkt auf der Schloßstraße bleibt Debatten-Dauerbrenner.
Der Weihnachtsmarkt auf der Schloßstraße bleibt Debatten-Dauerbrenner.
Foto: Stephan Glagla / WAZ FotoPool

Mülheim. Im Februar eine hitzige Debatte über Weihnachten führen? In Mülheim kein Problem. Der unendliche Streit um die Qualität des Weihnachtsmarktes auf der Schloßstraße kennt keine Jahreszeiten. Da brannte der Baum auch am Donnerstag wieder, als MST-Chefin Inge Kammerichs zum Rapport in den Hauptausschuss geladen war.

Sie ist es leid. Inge Kammerichs stellt sich vor ihr Team, das mit bescheidenen Mitteln „aus dem Bestand das Beste gemacht hat“, denkt sie an das Weihnachtskino, die Familien-Sonntage oder das überarbeitete Deko-Konzept. Kammerichs hofft, dass die Alle-Jahre-Wieder-Nörgler im Dezember mal nicht kübelweise Spott über ihre Mitarbeiter ausschütten werden. Das werde ihren Mühen nicht gerecht. Seit Jahren nicht.

"Jede Veranstaltung hat ihre Besucherschaft"

Das Thema „Weihnachten in Mülheim“ sei gar nicht so schlecht besetzt. Mit dem charmanten, ehrenamtlich organisierten, von der MST finanziell unterstützten Adventsmarkt in der Altstadt. Mit der überregional Besucher lockenden Broicher Schlossweihnacht, 2011 zur schönsten Adventsveranstaltung in NRW gekürt. Mit dem Weihnachtsmarkt auf der Schloßstraße, mit dessen Standgebühren Beleuchtung und Deko in City und Altstadt finanziert würden. „Die Angebote“, so Kammerichs, „existieren hervorragend nebeneinander. Jede Veranstaltung hat ihre Besucherschaft.“

Finanzen: Erwähnt sind die Standgebühren, die überhaupt erst Weihnachtsdeko möglich machen. Der Einzelhandel gebe keinen einzigen Cent für die Beleuchtung. Wer ein neues Konzept realisiert haben wolle, wie gefordert, müsse im Blick haben, dass es beträchtlichen finanziellen Aufwand bedeute.

Neues wird’s andernorts geben

Für Ver- und Entsorgung, möglicherweise seien auch komplett neue Buden anzuschaffen, um ein Winterdorf auf dem Rathausmarkt, vielleicht ja ans Hafenbecken zu platzieren. Kammerichs will nicht ausschließen, dass eben solches für 2013 Thema werden könnte. 2012 aber noch nicht, weil weder Markt noch Hafenbecken zur Verfügung stünden. Da bleibe das Programm unverändert – mit Weihnachtsmarkt auf der Schloßstraße, dessen lückenhaftes Wesen eben den Rettungswegen geschuldet sei.

Neues wird’s andernorts geben: Die Broicher Schlossweihnacht wird an drei statt zwei Wochenenden stattfinden. Am Wasserbahnhof werden für ein Wochenende zwei Schiffe der Weißen Flotte anlegen, gefüllt mit Kunsthandwerk und Gastronomie.

Der Markt als Angebot für alle Bürger

Markus Püll (CDU) forderte, die MST möge bis Sommer ein denkbares Alternativkonzept zum City-Weihnachtsmarkt vorlegen, MBI-Mann Lothar Reinhard hatte dies schon jetzt erwartet und beklagte den „traurigen Rest“ von Weihnachtsmarkt, der verschwinden müsse. „Eine Katastrophe“ sei der Markt, sagte FDP-Fraktionschef Peter Beitz. Geächtet seine Aussage, der Markt mit bestehendem Angebot ziehe nur jenes Publikum an, bei dem man sich fragen müsse, ob man dieses mit dem Markt ansprechen wolle. Der Markt sei ein Angebot für alle Bürger der Stadt, konterte Kammerichs.

Wohlwollende Worte fand allein Achim Fänger (Wir-Linke): Er unterstütze die MST in ihrem Ansinnen, Vielfalt im Angebot zwischen City, Altstadt und Schloss zu organisieren. Für ein neues Konzept für 2013 könne man sich doch jetzt ein Jahr lang Zeit nehmen. Ganz unaufgeregt.