Mülheims OB rettet ihren Wunschkandidaten

Foto: STEPHAN GLAGLA PHOTOGRAPHIE / WA
Der SPD-Fraktionschef Dieter Wiechering hat bei der Kandidatenkür für die Kommunalwahl im Mai den Zweikampf gegen seinen Herausforderer Heino Passmann knapp gewonnen – auch weil die Oberbürgermeisterin ihn unterstützte. Manchen Genossen ärgert gerade das.

Mülheim..  Presse unerwünscht. Die WAZ-Redaktion wird wenige Stunden vor der Sitzung ausgeladen. Die Mitgliederversammlung des Ortsvereins soll nichtöffentlich ablaufen. Interne Angelegenheit, hören wir später. Dabei geht es um die vielleicht spannendste Auseinandersetzung bei der Kandidatenaufstellung für die Kommunalwahl im nächsten Jahr: Im Ortsverein ­Broich trat deren Vorsitzender Heino Passmann (41) gegen den Fraktionschef im Rat, Dieter Wiechering (71), an. Am Ende gewinnt Wiechering knapp mit 33 zu 26 Stimmen. Dazwischen liegt ein „normaler demokratischer Vorgang“, sagen die einen, andere hingegen sprechen von einem „Stück Machtdemonstration der SPD“ gegen jene, die nicht mit dem Strom schwimmen.

Gewöhnlich kommen zu den Sitzungen des Ortsvereins 20 bis 25 Mitglieder, der große Rest zahlt und schweigt, taucht selten bis nie auf. Am Montagabend waren 59 gekommen, darunter etliche Beschäftige der Mülheimer Stadtverwaltung, die privat bei der SPD Broich Mitglied sind. Ein normaler Vorgang. Nur – „manche haben wir seit vielen Jahren nie bei uns gesehen“, sagt Hans-Jürgen Walter, SPD-Fraktionschef in der Bezirksvertretung. Er ist nicht der einzige im Ortsverein, der sich wundert. Noch mehr wundert man sich, dass auch die Oberbürgermeisterin auftaucht und das Wort ergreift, nicht als OB, sondern als stellvertretende Parteivorsitzende. Für viele ist sie an dem Abend jedoch die OB. Sie wirbt für Wiechering, sie brauche seine Erfahrung für den künftigen Rat. „Das hat es noch nie gegeben, dass sich die OB in die Angelegenheiten eines Ortsvereins einmischt und derart Partei ergreift“, heißt es. Für Wiechering soll sich der Auftritt der OB gelohnt haben: „Das hat letztlich das Rennen entschieden“, glaubt Passmann, im Rat übrigens der Stellvertreter von Wiechering. Er hätte es nur fair empfunden, wenn die OB sich neutral verhalten hätte an dem Abend. Andere im Ortsverein äußern die Vermutung, dass gezielt Parteimitglieder aus der Verwaltung „herangekarrt“ wurden, die für Wiechering stimmen sollten. „Wären nur die Mitglieder dagewesen, die immer kommen, Passmann hätte die Wahl gewonnen“, ist sich Walter sicher, der den Fraktionschef Wiechering 30 Jahre begleitet hat, ihn sehr für seine vergangene Arbeit lobt, in ihm heute aber nur noch einen „machtbesessenen Politiker“ sieht.

Passmann erfüllt sein Ratsmandat noch bis zur Wahl im Mai, dann sagt er der Politik ade. Wieder verliert die SPD damit einen Mitstreiter der mittleren Altersschicht, deren Mangel innerhalb des Unterbezirks der Vorsitzende Lothar Fink ohnehin bedauert. Aus dem Ortsverein heißt es, dass viele Wunden zurückbleiben, viele hatten sich dort mit Passmann auch einen Neuanfang der SPD im Rat erhofft.

 
 

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