Mülheims Müll soll nach Krefeld gehen

Andreas Heinrich
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Mülheim. Der Müll aus den Mülheimer Haushalten soll ab 2015 in die 23 Kilometer entfernte Müllverbrennungsanlage nach Krefeld gefahren werden. Mit deutlicher Mehrheit votierte der Umweltausschuss für die Entsorgungsgesellschaft Niederrhein, die sich in einem europaweiten Ausschreibungsverfahren um den Mülheimer Hausmüll beworben hatte. Bislang entsorgt die Stadt im Müllheizkraftwerk in Essen-Karnap, hatte dort aber den Vertrag mit Betreiber RWE gekündigt.

Noch muss der Rat in seiner nächsten Sitzung Anfang Oktober dem Wechsel zustimmen. Wie die WAZ erfuhr, sollen die Krefelder unter mehreren Anbietern den deutlich günstigsten Preis abgegeben haben. „Ein Kampfpreis“, wie ein Ratsmitglied sagt und auf die vielen freien Kapazitäten in den Verbrennungsanlagen im weiteren Umfeld verweist.

Müllbeseitigung wird nicht preiswerter

Dass mit der Wahl des neuen Anbieters für den Bürger als Gebührenzahler die Müllbeseitigung preiswerter wird, glaubt Jürgen Zentgraf, Umweltamtsleiter und Gebührenspezialist in der Stadtverwaltung, nicht. „Ich bin mir aber sicher, dass es 2015 nicht zu einer übermäßigen Erhöhung kommen wird“, sagt er nicht nur mit Blick auf die Entsorgung des Hausmülls. Denn ab diesem Jahr tritt auch das Kreislaufwirtschaftsgesetz der EU in Kraft, mit deutlichen Folgen für die meisten Haushalte.

So müssen ab diesem Jahr Biomüll, Kunststoff jenseits der Verpackungen, Metall, Glas, Papier getrennt entsorgt werden. Nicht alles ist dabei Neuland. „Die Biotonne“, so Zentgraf , „wird jedoch Pflicht für jeden Haushalt. Und wir müssen eine Wertstoffsammlung, etwa in Form von mehreren Sammelstellen, anbieten.“ Das alles kostet. Allerdings nimmt durch die vermehrte Mülltrennung der klassische Hausmüll ab. Nach Berechnungen der Bundesregierung sollen pro Einwohner und Jahr etwa sieben bis zehn Kilogramm Wertstoff-Müll anfallen.

Maximap 55.000 Tonnen Müll transportieren

Für Zentgraf macht dies deutlich: „Für jeden Haushalt eine Wertstoff-Tonne lohnt sich nicht.“ Richtung Krefeld will die Stadt Mülheim maximal um die 55.000 Tonnen Hausmüll im Jahr transportieren. Zum Vergleich: Für Karnap hatte Mülheim ein Volumen von bis zu 100.000 Tonnen im Jahr reserviert. In Karnap hatte sich stets aber auch RWE an den Kosten beteiligt. Und: Durch die Kraft-Wärme-Kopplung sah mancher Politiker bei den Grünen dadurch einen ökologischen Wert in Karnap. Die Stadt Mülheim hatte vor drei Jahren auch noch signalisiert, an Karnap festhalten zu wollen.

Vor allem die CDU im Rat war es, die sich querstellte und über den Wettbewerb ein besseres Angebot für die Bürger erhoffte. „Mit dem jetzigen Preis pro Tonne liegen wir deutlich unter dem, was vor einiger Zeit prognostiziert werden war“, so Hansgeorg Schiemer, Fraktionsgeschäftsführer der CDU. Heißt: „Wir erwarten für die Bürger jetzt keine Erhöhungswelle.“