Mülheimerin leidet seit Jahrzehnten unter massivem Bahnlärm

Brigitte Kress beschwert sich über Lärm, trotz Umbauten der Bahn. Vorne im Gleis zeigt sie die Iso-Stöße, im S-Bahngleis stehen gelbe Achszähler.
Brigitte Kress beschwert sich über Lärm, trotz Umbauten der Bahn. Vorne im Gleis zeigt sie die Iso-Stöße, im S-Bahngleis stehen gelbe Achszähler.
Foto: WAZ FotoPool
Brigitte Kress und ihre Nachbarn an der Hofstraße hofften nach einer Zusage der Bahn auf Besserung. Nun soll es erst 2020 ruhiger werden.

Mülheim.. Heute ist der Internationale Tag gegen Lärm. Der Tag „trägt dazu bei, dass Bürger sachkundig Lärmprobleme lösen können. Er soll aber auch vermitteln, wie wichtig der Schutz des Gehörs ist.“ Das spürt Brigitte Kress jeden Tag – braust ein Zug in Styrum neben ihrem Haus vorbei, macht es „klack-klack, klack-klack“ oder „tong-tong, tong-tong“, die Wände wackeln, das Licht flackert. Mehrere Mitarbeiter der Deutschen Bahn AG hatten ihr mitgeteilt, das Rattern der Züge spürbar zu linden. Seit 22. März wartet Brigitte Kress auf Taten, die ihre Ohren schonen. Sie muss wohl noch Jahre das Rattern ertragen.

Das Haus an der Hofstraße steht im Rentenalter. Die Bahnstrecke an der Giebelseite war schon da, die Autobahn vor der Haustür folgte in den 1960er Jahren. „Daran kann man sich gewöhnen. Aber wenn täglich immer mehr Züge über die Schienenstöße rattern, hört sich das an wie ein Maschinengewehr“, sagt die Frau, die einen friedfertigen, aber enttäuschten Eindruck macht. Mitarbeiter der Bahnverwaltungsstellen haben ihre Ankündigung nicht verwirklicht. Die Schienenstöße sorgen immer noch für Krach.

Brigitte Kress kennt die Fachbegriffe inzwischen auswendig

Brigitte Kress kennt nach vielen Briefwechseln und Recherchen heute alle Strecken-Nummern und Fachbegriffe. Sie hat herausgefunden, dass für elektronische Stellwerke (ESTW) keine Schienenunterbrechungen mehr notwendig sind, um mit isolierten Stromkreisen Züge zu erkennen. Diese alte Technik wird in Duisburg nun ausgebaut. Der Stellwerksüberwachungsabschnitt mit neuer Elektronik reicht bis vor den Essener Hauptbahnhof. „Warum werden dann die Iso-Stöße neben unseren Häusern nicht ausgebaut“, fragen Brigitte Kress und ihre Nachbarn. „Neue Achszähler sind nur an einem S-Bahn-Gleis eingebaut, die Schienen dort geglättet. Auf der belasteten Hauptstrecke poltern die Räder immer noch über die Lücken. Was nützen da schriftliche Ankündigungen?“

Ohne Iso-Stöße sei der Schienenstrang ununterbrochen glatt, was Verschleiß und Lärm verringere, betonen Bahnfachleute. Ob Achszähler weniger Pflege als Iso-Stöße brauchen, darüber diskutieren die Experten. Aber sie „arbeiten noch im übelsten Oberbau einwandfrei“, steht in mehreren Bahnforen im Internet.

Ausbau der Iso-Stöße könnte noch Jahre dauern

Nun folgt der Knall: Der gleiche Bahnmitarbeiter, der Brigitte Kress den Ausbau der Iso-Stöße für den 20./21. März angesagt hatte, teilt ihr mit: Die Einfahrtssignale vor dem Bahnhof Styrum mussten um 20 Meter versetzt werden. „Da die Iso-Stöße einen bestimmten Abstand zu den Signalen haben müssen, mussten dementsprechend diese auch versetzt und die alten Stöße überbrückt werden.“ Das bedeutet: Die Bahn hat die Lärmquellen neben dem Haus von Brigitte Kress nur verschoben.

Der Ausbau der Iso-Stöße erfolge voraussichtlich im Jahr 2020, wenn der 2. Bauabschnitt des ESTW Duisburg in Betrieb gehe. Dieser beginnt einige Meter vor den Styrumer Einfahrtssignalen.

Brigitte Kress fragt: „Sind das die 20 Meter, um die die Iso-Stöße im März versetzt wurden, obwohl mir ihr Ausbau zugesagt wurde?“ Neue Frage zum alten Rad-Ratter-Lärm. „Eine entsprechende Wartung der Iso-Stöße zur Vermeidung von lauten Geräuschen wird durch die regionale Instandhaltung natürlich zugesagt“, heißt es im Bahnbrief.

„Klack-klack, Klack-klack . . .“

 
 

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