Mülheimer warten noch immer auf stilles Örtchen im Bahnhof

Andreas Heinrich
Am Hauptbahnhof
Am Hauptbahnhof
Foto: WAZ FotoPool
Mülheims Bürger warten noch immer auf eine Toilette im Hauptbahnhof. Doch trotz der Modernisierung des Bahnhofs vor fünf Jahren wurde kein WC gebaut. Erst als sich die Oberbürgermeisterin einschaltete, sagte die Bahn einen Bau für März 2012 zu. Daraus wurde nichts: Bauliche Mängel seien Schuld.

Mülheim. Wird in Mülheim der Bau einer kompletten Hochschule für 139 Mio. Euro eher vollendet sein als eine schlichte Bahnhofstoilette? Kaum zu glauben, aber möglich.

Toilette? Der freundliche Mann im Reisezentrum des Hauptbahnhofes muss auf die Anfrage eines Reisenden weiter passen: „Haben wir nicht, versuchen Sie es bitte im Forum.“ Gestern erklärte die Bahn auf Anfrage der WAZ, dass sie die Eröffnung der Bahnhofstoilette, deren Fehlen immer wieder von Bürgern beklagt wird, leider erneut verschieben muss.

Geschichte begann vor fünf Jahren

Die Geschichte wird eine unendliche. Sie begann vor etwa fünf Jahren, als die Modernisierung des Bahnhofs anstand und beschlossen wurde. 2,5 Mio. Euro investierte die Bahn in die Sanierung und in den Umbau des Hauptbahnhofes, ein langersehnter Wunsch in der Stadt. Doch als alles fertig war, fehlte das WC. Dabei hatten bei einer WAZ-Umfrage in der Innenstadt schon 2007 Bürger die Forderung nach einem stillen Örtchen am Mülheimer Hauptbahnhof erhoben. Zu Recht fanden viele.

Ein Bahnhof ohne WC in der ohnehin an öffentlichen Toiletten armen Stadt – die Oberbürgermeisterin selbst schaltete sich ein und überzeugte die Bahn, die den Bau schließlich zusagte und für März 2010 ankündigte. Kosten: rund 600.000 Euro, was so manchen schockte, weil sich dafür ein nobles Einfamilienhaus bauen ließe. Gravierende bauliche Mängel führte die Bahn als Grund an. Die Unterhaltung des „Lokus“ lehnte sie von vornherein ab, die Stadt fand eine Lösung: Die Paritätische Initiative für Arbeit (Pia) wird Unterhaltung und Pflege übernehmen.

Grüne machten das WC zum Thema

Aus dem März 2010 wurde nichts. Die Bürger quengelten immer wieder: Die Grünen machten das fehlende Klo zum politischen Thema, weil es im Umfeld am Nordeingang zu stinken begann. Mitte 2012 kündigte die Bahn an, dass sie an dem Missstand unschuldig sei, Feuchtigkeitsschäden im Bau verzögerten weiterhin die Realisierung des Projektes, hieß es. Die Trockenlegung stand an und für den Herbst 2013 die Eröffnung.

Bei der Pia wartet man seitdem: „Wir wissen immer noch nicht, wann es losgeht“, sagte deren Chef, Frank Schellberg, zu Beginn der Woche. „Wir sind noch nicht so weit“, erklärte ein Bahnsprecher. „Bei den Arbeiten sind bauliche Probleme aufgetreten, die vorher in dem Ausmaß nicht erkennbar waren. Wir rechnen nun mit der Inbetriebnahme im zweiten Quartal 2014.“ Der Grund: Anhaltende Feuchtigkeitsprobleme, die Trockenlegung von Wänden wird in den nächsten Wochen fortgesetzt.

Die Hochschule soll im Frühjahr 2015 fertig sein. Baubeginn war hier vor anderthalb Jahren.