Mülheimer Schüler genießen des Nachts Pizza – und Mathe

Mathe und Pizza: (v.l.) Lehrer Henrik Gebauer mit Helena (15), Tanja (14), Jannik (14), Fynn (15) und Lehrerin Janina Beils.
Mathe und Pizza: (v.l.) Lehrer Henrik Gebauer mit Helena (15), Tanja (14), Jannik (14), Fynn (15) und Lehrerin Janina Beils.
Foto: Michael Dahlke
  • Broicher Lehrer Henrik Gebauer ist großer Fan der Idee
  • 60 Kinder und Jugendliche aus den Klassen fünf bis neun machten mit
  • Bei falschem Ergebnis wurde Schule für zehn Minuten gesperrt

Mülheim..  Abends bis nach Mitternacht in der Schule sitzen und dann auch noch Matheaufgaben lösen? Viele würden bei dieser Vorstellung wohl den berühmten Vogel zeigen. Nicht so 60 Schüler des Gymnasiums ­Broich, die sich am Freitagabend zur langen Nacht der Mathematik versammelt hatten.

Von dieser Idee eines speziellen Mathe-Wettbewerbes hatte der Broicher Lehrer Henrik Gebauer bereits in seiner Ausbildung gehört. Das Event wurde erstmals 1999 im schleswig-holsteinischen Neumünster ins Leben gerufen. „Ich war einfach der Meinung, dass unsere Schule auch so etwas braucht“, sagt Gebauer.

Gerechnet hatte Gebauer vielleicht mit 20 bis 30 Schülern, gekommen sind am Ende 60 Kinder und Jugendliche aus den Klassen fünf bis neun. „Gerade für die Kleineren ist es natürlich spannend, abends in der Schule sein zu dürfen“, schmunzelt der Lehrer.

„Die Aufgaben sind schon trickreich“

Manche sind aber nicht nur wegen des Abenteuers da, sondern tatsächlich, um interessante und einmal völlig andere Aufgaben zu lösen. Zum Beispiel der 14-jährige Jannik, der in Mathematik oft schon gute Noten hatte. „Die Aufgaben sind schon trickreich. Man muss manchmal wirklich um die Ecke denken“, sagt er. Sein Mitstreiter Fynn (15) findet einige Aufgaben aber auch recht einfach – zum Beispiel ein 3D-Sudoku. „An so etwas habe ich einfach Spaß“, sagt er.

Nahezu verzweifelt sind die beiden Jungs an einer weiteren Sudoku-Variante: In einem Feld mit 11x13 Kästchen sollen neun Buchstabenpaare durch senkrechte oder waagerechte Linien verbunden werden. Dabei dürfen sich die Linien nicht kreuzen. Am Ende sollen alle Felder mit Linien belegt sein. „Teillösungen haben wir schon, wir arbeiten gerade mit mehreren Leuten daran“, erklärt Fynn.

Die Beispiele zeigen: Der Wettbewerb hält ganz andere Herausforderungen bereit als der Unterricht. „Es geht wirklich ums Tüfteln und darum, mal über andere Sachen nachzudenken“, erklärt Henrik Gebauer. Wer einmal eine Pause benötigt, darf einfach raus auf den Flur und sich ein bisschen austoben. Zwischendurch gibt es Pizza und Waffeln.

Auch die Lehrer kannten vorher weder Aufgaben noch Lösungen

Das Besondere an dem Wettbewerb: Auch die Lehrer kannten vorher weder die Aufgaben noch die Lösungen. Um Punkt 18 Uhr wurden die Aufgaben im Internet freigeschaltet. Insgesamt nahmen deutschlandweit 331 Schulen mit 14 880 Schülern teil.

In Broich stellen sie jede Lösung, die eine der Vierergruppen herausgefunden hat, direkt auf der offiziellen Internetseite ein. Bei falschem Ergebnis wird das Gymnasium für zehn Minuten gesperrt. „Damit man nicht einfach wild herumprobiert“, erläutert Gebauer. Die Mathe-Nacht geht um 1.30 Uhr zu Ende, andernorts geht es noch bis um acht Uhr am Samstagmorgen weiter. „Wer wirklich noch Spaß hat, der bekommt von mir ein Passwort, um zu Hause weiterzumachen“, sagt auch Gebauer – und blickt in begeisterte Gesichter.

Bei der nächsten Auflage am 24. November 2017 wird die Mülheimer Schule wieder dabei sein.

 
 

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