Mülheimer schreiben via Whatsapp-Chat einen Krimi

Fünf ehemalige Klassenkameraden von der Hauptschule Zunftmeisterstraße haben zusammen einen Krimi geschrieben.
Fünf ehemalige Klassenkameraden von der Hauptschule Zunftmeisterstraße haben zusammen einen Krimi geschrieben.
Foto: FUNKE Foto Services
Sechs frühere Klassenkameraden der Hauptschule an der Zunftmeisterstraße haben via Gruppenchat bei Whatsapp ein Buch geschrieben. Einen Krimi.

Mülheim/Eppinghofen.. Ganz ehrlich, literarisch wertvoll ist anders. „Denk ans Brot“ und „Bäh, Winter. Ich muss kratzen“ lauteten Nachrichten, die die Verfasserin dieser Zeilen kürzlich ins Handy tippte und per Kurznachrichtendienst verschickte.

Banales aus dem Alltag, aktuelle Befindlichkeiten. Kommunikation nach dem Motto: kann, muss aber nicht. Mit eben diesem Nachrichtendienst haben sechs frühere Klassenkameraden einen 200 Seiten langen Krimi geschrieben.

30 Jahre sind gefühlt wie "lange Sommerferien"

Es beginnt mit einem Klassentreffen – das Buch und die Geschichte des Buches. Das tatsächliche organisierte Anja Schneidereiter. Rund 30 Jahre nach dem Abschluss an der Hauptschule an der Zunftmeisterstraße traf sie so auf fünf frühere Freunde, die innerhalb von Minuten wieder richtige Freunde wurden. „Das war gar nicht, als wären 30 Jahre vergangen. Vom Gefühl her waren es lange Sommerferien“, sagt Christian Heidemann. Sofort beschloss man, sich nicht mehr aus dem Auge zu verlieren, tauschte Handynummern, eröffnete einen Gruppenchat bei Whatsapp.

Im vergangenen Juni reisten die sechs gemeinsam nach Amsterdam. Kiss, die Lieblingsband der Jungs, gab dort ein Konzert, und irgendwie – es lässt sich nicht mehr genau nachvollziehen wie – kam dabei die Idee auf, ein Buch zu schreiben. Und wieder war es ­Schneidereiter, die die Initiative ergriff: „Ich hab einfach mal angefangen.“ Und dazu wählte sie den bewährten Weg, über den sie mit den früheren Klassenkameraden Kontakt hielt: Whatsapp. Siegfried Jahr jun. „machte dann einfach mal weiter“, die anderen stiegen ein und es wurde zum Selbstläufer. Sie schrieben drauf los, wussten am Anfang nicht, wo sie hin wollten, bauten Bekannte, Bekanntes und sich selber in die Handlung ein und mussten nach zwei Monaten doch ein wenig gucken, wie sie all das zu einem sinnvollen Ende bringen.

Ein Hörbuch wäre noch besser gewesen

Ein Krimi ist es letztlich geworden. Ein Hörbuch, findet Siegfried Jahr jun., wäre besser gewesen, um die Stimmung wiederzugeben: „Da schreibt man und schreibt, schickt das ab – und dann kommt die Antwort: Der ist doch vor drei Seiten schon tot gewesen!“ Am Anfang piepsten die Handys dauernd. Am Morgen aufzuwachen und 70 ungelesene Nachrichten zu haben, sei durchaus üblich gewesen.

Ein Spaß ist das Krimischreiben für die sechs Autoren, von denen nur fünf in der Zeitung erscheinen möchten. „Wir finden uns alle in den Charakteren wieder. Es sind unheimliche viele Insiderwitze drin“, sagt Birgit Wallmann. Das große „Ämsterdäm“ auf dem Buchtitel ist eine Hommage an Kiss-Sänger Paul Stanley und seine Art, die Fans in Amsterdam anzusprechen. Dennoch wollten sie nicht nur für sich selber schreiben. Unter dem Titel „Von Rudi – Der Tod kam schnell!“ ist ihr Werk als Book-on-demand erhältlich, gegliedert in Textblöcke, die die Kurz- oder manchmal Langnachrichten nachvollziehbar machen. Der Nachfolger ist in Arbeit. Der Titel steht schon: „Der Tod kam unerwartet!“

 
 

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