Mülheimer Ruhrorter-Projekt stiftet Austausch

Das Projekt Ruhrorter lud zum Mitmachen ein. Es spiegelt die Situation der Flüchtlinge in der Stadt wider.
Das Projekt Ruhrorter lud zum Mitmachen ein. Es spiegelt die Situation der Flüchtlinge in der Stadt wider.
Foto: Theater an der Ruhr
  • Theater-Gruppe zeigte Stück in der ehemaligen Woolworth-Filiale an der Schloßstraße
  • Stück dreht sich um die Hängepartie, die Flüchtlinge durchleben
  • Weitere Kunstinstallationen am 16. September geplant

Mülheim.. „Wir sind mit so vielen Menschen aus der Stadtgesellschaft ins Gespräch gekommen“, sagt Adem Köstereli: „Und das war das Schönste daran.“ Der Austausch ergab sich in der Folge des mittlerweile vierten Theaterprojektes mit Geflüchteten, dass die „Ruhrorter“ im Juni und Juli im ehemaligen Woolworth-Kaufhaus an der Schloßstraße inszenierten und zeigten: „Als gestern jedes Heute noch das Morgen war und jedes Heute morgen schon zum Gestern wird“, so der Titel. Ein Stück, dass sich im weitesten Sinn um die Hängepartie dreht, die Geflüchtete während der Zeit des laufenden Asylverfahrens durchleben.

Zehn plus zwei Zusatzvorstellungen gab es, „die alle ausverkauft waren“, sagt Köstereli. Zwischen 500 und 600 schätzt er die Besucherzahl. Nicht nur Asylsuchende und Gäste, die mehr oder weniger in die Flüchtlingsarbeit eingebunden sind, saßen im Publikum, „auch viele neue Gesichter waren darunter.“ Köstereli macht das an mehreren Faktoren fest: die zentrale Lage in der Innenstadt, die zunehmende Bekanntheit der „Ruhrorter“ und ein stetig wachsendes Netzwerk. Einen weiteren Grund sieht Wanja van Suntum darin, „dass das Projekt zum Theater an der Ruhr gehört.“ Auch über gute Rezensionen in den Medien freuen sich die Macher.

Ruhrorter-Projekt geht noch bis Oktober weiter

Während des Probenprozesses linsten Passanten interessiert durch die Schaufenster, ließen sich hereinbitten und wollten wissen, was dort passiert. Bei einer Vorstellung, wo die Darsteller still in einer Reihe vor dem Schaufenster standen, schloss sich ein Mann samt Bierflasche hinten an und „hielt auch gut durch“.

Wenngleich das vierte Theaterstück abgeschlossen ist, geht das Ruhrorter-Projekt im Woolworth-Gebäude noch bis Anfang Oktober weiter. Derweil wird dort ein offenes Atelier für Künstler mit Fluchthintergrund angeboten, wo einige schon aktiv werkeln. Ein Nordafrikaner fertigt eifrig Tonskulpturen, eine Syrerin, die Kunst studiert hat, malt dort und ein Lyriker schreibt Gedichte. An Schaubildern arbeitet ein Industrie-Designer aus dem Iran, „ganz praktische Dinge, wie man beispielsweise einen Fahrkarten-Automat bedient.“

Installation am 16. September

Parallel dazu arbeiten van Suntum und Max Brands an einer Kunstinstallation zum Thema Asylverfahren, die am 16. September, 19.30 Uhr, im Ex-Woolworth-Haus eröffnet werden soll. Dabei geht es um die Visualisierung, „wie Leben verwaltet wird“. Dafür haben die „Ruhrorter“ recherchiert, Interviews mit Geflüchteten geführt, mit Mitarbeitern vom Bundesamt für Migration, Flüchtlingsreferat, Flüchtlingsrat und Ehrenamtlichen gesprochen. Dabei kommt den Künstlern entgegen, dass der alte Verwaltungsapparat des Kaufhauses mit Büroschränken und Weiterem erhalten ist.

Kunst soll die individuelle Persönlichkeit spürbar machen, die Träume, Erinnerungen, Fantasien, Wünsche, Sehnsüchte und Hoffnungen von einem Leben in einem neuen Land transferieren. „Denn so etwas kommt in den Akten nicht vor.“ Eine Anordnung verschiedener Bild-, Ton- und Schriftmaterialien lädt Besucher dazu ein, eine eigene Position zu dem Komplex Bürokratie und Biografie, von Leben und der Verwaltung einzunehmen.

Kunst an der Schloßstraße

Auf der Suche nach neuen ästhetischen Formen nähern sich die „Ruhrorter“ den Themen Flucht und Asyl auf neue Weise – mit offenem Atelier und Kunstinstallation. Eröffnung an der Schloßstraße 35 ist am 16.9., 19.30 Uhr.

Weitere Termine: 17., 19., 22., 23., 24., 29. und 30.9., 1.10., Eintritt: 8 €/erm. 4 €, freier Eintritt für Hartz-IV-Empfänger und Geflüchtete, Kartenreservierung: 599 01 88.

 
 

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