Mülheimer Rat lässt am Auberg bauen

Der Rat hat entschieden: Das Grundstück am Auberg in Saarn wird zum Verkauf angeboten. Die Anwohner Alfred Weißner und Peter Pankok ärgert das.
Der Rat hat entschieden: Das Grundstück am Auberg in Saarn wird zum Verkauf angeboten. Die Anwohner Alfred Weißner und Peter Pankok ärgert das.
Foto: FUNKE Foto Services
Der Stadtrat setzt sich über die Kritik der Bezirkspolitik hinweg und gibt ein Grundstück am Landschaftsschutzgebiet frei für eine Bebauung.

Mülheim/Saarn. Bei Pankoks im Keller liegen noch die gedruckten Zeitzeugnisse, die heute, 35 Jahre später, so aktuell erscheinen wie ehedem: „Hände weg vom Auberg!“ lautet die Forderung, mit der die Saarner damals Sturm gelaufen sind gegen Pläne, Teile der grünen Landschaft abzuzweigen für eine Bebauung. Jetzt gab es wieder Streit um den Verkauf eines städtischen Grundstücks am Rande des Landschaftsschutzgebietes. Trotz ablehnender Haltung der Bezirkspolitik gab der Stadtrat die Fläche mit knapper Mehrheit frei für eine hochwertige Wohnbebauung.

2800 Quadratmeter groß ist das bewaldete Areal, das die Stadt nun gegen Höchstgebot veräußern will. Kämmerer Uwe Bonan rechnet mit einem hohen sechsstelligen Euro-Betrag für seine leere Kasse; „es wäre ein großer Vorteil für den Haushalt“. Es handele sich tatsächlich nur um eine „Straßenrandbebauung“, so Planungsdezernent Peter Vermeulen. Das sei „gebietsverträglich“. Er sagte für ein Bauvorhaben einen landschaftspflegerischen Begleitplan zu.

Anwohner fürchten weitere Zersiedlung

SPD und CDU stimmten zu. Nur 22 Gegenstimmen folgten der deutlich ablehnenden Haltung der Bezirksvertretung 3. Georg Hötger (BAMH) nannte es „lächerlich“ zu behaupten, dass die Fläche für das umliegende Landschaftsschutzgebiet entbehrlich sei. Es sei weiterer Flächenfraß an den 290 Hektar großen Saarn-Selbecker Höhen zu erwarten. Brigitte Erd (Grüne) kritisierte, dass innerhalb von drei Jahren immer noch kein landschaftspflegerischer Begleitplan vorliege. Peter Beitz (FDP) sah sich von einem Gespräch mit der Biologischen Station überzeugt, dass eine Bebauung an jener sensiblen Nahtstelle zur Natur nicht zu unterstützen sei. Die Stadt dürfe sich „nicht in den Auberg reinfressen“, fasste Lothar Reinhard (MBI) seinen Unmut in Worte.

Auch Anwohner fürchten eine weitere Zersiedlung. „Für den Auberg ist das eine Katastrophe, es geht wieder ein Stück kaputt“, so Peter Pankok, Sohn der kürzlich verstorbenen Ute Elske-Pankok, die 1980 federführend für die Bürgerinitiative Auberg unterwegs war. „Sie rücken hier ganz nah ran ans Naturschutzgebiet. Dann haben die Störche, die Steinkäuze, Buntspechte und andere Vögel keine Ruhe mehr.“

Stadtrat folgte nicht

Pankoks Vater Georg hat noch mal im Keller alte Zeitungsberichte und Kampagnenplakate der Bürgerinitiative gesichtet. 1980 waren schnell 10.000 Unterschriften gegen eine Bebauung am Auberg zusammengetragen. „Meine Frau hat noch auf ihrem Totenbett den Zeigefinger gehoben: Habt Ihr den Brief auch an die Bezirksvertretung gegeben?“ Ja,das hat Sohn Peter gemacht. Die Bezirkspolitik ist den Bedenken auch gefolgt. Der Stadtrat nicht.

Für Alfred Weißner, auch am Aubergweg zu Hause, „eine Schande“. Pankok und er glauben, dass es nun nicht mehr lange dauert, bis der Grüngürtel zwischen Aubergweg und Fichtehof auch geopfert sein wird. Weitere Anwohner haben die Bezirksregierung eingeschaltet. Sie kritisieren neben dem ausgeschalteten Landschaftsschutz, dass hier baurechtlich nicht von einer Baulücke die Rede sein dürfe, es sich vielmehr um eine Hinterlandbebauung handele.

 
 

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