Mülheimer Lichtkunstfestival wird energieeffizient

Kalkuliert derzeit mindestens zwei Stunden fürs Anzünden der Kerzen: Michael Dawid hat sechs Helfer gefunden, die beim Festival „Frei-Licht-Bühne“ von Donnerstag bis Samstag zum Feuerzeug greifen.
Kalkuliert derzeit mindestens zwei Stunden fürs Anzünden der Kerzen: Michael Dawid hat sechs Helfer gefunden, die beim Festival „Frei-Licht-Bühne“ von Donnerstag bis Samstag zum Feuerzeug greifen.
Foto: WAZ FotoPool
Das Ergebnis kann man wohl energieeffizient nennen: Weil Fördermittel wegbrachen, verzichtet die Regler Produktion bei „Frei-Licht-Bühne“ diesmal auf umfangreiche Illuminationen. Stattdessen setzen über 2500 Kerzen Akzente. Die Organisatoren sehen es einfach mal als kreative Chance.

Mülheim. Der Freilichtbühne geht ab dem heutigen Donnerstag wieder ein Licht auf – beziehungsweise über 2500 Lichter. Das Festival „Frei-Licht-Bühne“ nimmt sich für seine vierte Ausgabe weitestgehend vom Netz und zündet stattdessen jede Menge Kerzen-Kunst an. Die Regler Produktion rund um Veranstalter Michael Dawid machen somit aus der Not eine Tugend, denn ursprünglich eingeplante Fördermittel können unter anderem aufgrund der Haushaltssperre nicht fließen.

Festival-Initiator Michael Dawid sieht es einfach mal positiv: „Wir reduzieren uns aufs Minimale – das kann man mit Blick auf die aktuelle Situation in der Welt auch als Botschaft verstehen.“ Also werden Kerzen angezündet. Entlang der Wege und auf der Tribüne, etwa. Auch die Besucher können Teelichter entzünden und sie platzieren. „Schwarmkunst“ nennt Michael Dawid das und findet: „Die Geste passt.“

„Es wird beschaulicher und intimer“

Dem stimmt auch Regler Stephan Bevermeier zu, der dabei allerdings nicht global, sondern sehr lokal denkt. „Es ist das erste Jahr, in dem wir für dieses Areal alleine verantwortlich sind.“ Und das habe gezeigt, wie viele Menschen bereit sind, sich für die Freilichtbühne zu engagieren, anzupacken etwa beim Aufräumen nach dem Pfingstorkan Ela oder beim Unkraut zupfen auf den Rängen. „Ich finde es gut, mal runterzukommen und zu gucken, was geht. Die Beteiligung der Leute ist etwas sehr Spezielles.“ Allein deshalb habe man des Licht-Festival trotz fehlender Mittel nicht absagen wollen.

Michael Dawid spricht bei der Pressekonferenz dennoch lieber vom „Lichterfest“ als von einem Lichtkunstfestival. „Es wird beschaulicher und intimer“, glaubt Stephan Bevermeier. Was jedoch nicht bedeutet, dass es weniger aufwendig wird – im Gegenteil: Über 2500 Grabkerzen, die allein entlang der Wege platziert werden sollen, wollen erst einmal entzündet werden. Auch dafür fanden sich freiwillige Helfer.

Ganz ohne Strom geht es nicht

Doch ganz ohne Strom geht es natürlich nicht: 15 Künstler zeigen auf dem Areal der Freilichtbühne „Gartenkunstwerke“, wie Dawid sie nennt. Videoprojektionen sind darunter, Objektkunst, Overhead-Projektionen zum Mitmachen und Klanginstallationen. Zudem wird eine von hinten beleuchtete Folie zur Leinwand für Lichtmalerei – die Besucher können mit einer Stricknadel selbst kreativ werden. Dazu spielt Freitag und Samstag von 19.30 bis etwa 22 Uhr „ruhigere elektronische Musik“ laut Alex Lange, bei den Reglern zuständig für die Gastro, abwechselnd auf der großen und kleinen Bühne.

Für Michael Dawid ist all das der Beweis: „Man kann auch mit einfachen Mitteln eine Menge machen. Wir werden unser Licht in die Dunkelheit setzen.“

 
 

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