Mülheimer Krankenhäuser brauchen ausländische Ärzte

Thomas Emons
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Foto: dpa
Weil deutsche Ärzte bevorzugt lukrative Stellen in England oder bei der Pharmaindustrie annehmen, haben die Krankenhäuser Mühe, alle Stellen zu besetzen. Ohne ausländische Fachkräfte geht das nicht. Das Mülheimer Marienhospital hat in den letzten fünf Jahren sechzehn ausländische Ärzte eingestellt.

Mülheims Krankenhäuser hätten ohne ausländische Ärzte erhebliche Probleme, ihren Personalbedarf zu decken und die medizinische Versorgung zu gewährleisten. „Das ist ein Trend, der sich bereits seit Anfang des Jahrtausends durch alle medizinischen Bereiche zieht. Ohne qualifizierte Zuwanderung werden wir im medizinischen Bereich langfristig nicht klar kommen“, sagt der Verwaltungschef des St. Marien Hospitals, Andreas Weymann. In den letzten fünf Jahren hat das katholische Krankenhaus 16 ausländische Ärzte eingestellt. Sie stellen damit fast 23 Prozent der 70-köpfigen Ärzteschaft.

„Wir sind auf die Zuwanderung und Einstellung qualifizierter Ärzte und Pflegekräfte angewiesen, weil sie der deutsche Arbeitsmarkt allein nicht hergibt“, betont der Chefarzt der zum Evangelischen Krankenhaus gehörenden Klinik für Anästhesiologie, operative Intensivmedizin und Schmerztherapie Dr. Volker Eichhhorn. Er schätzt, dass inzwischen 15 bis 20 Prozent der Ärzte in seinem Verantwortungsbereich aus dem Ausland zugewanderte Mediziner sind.

26 der 161 Ärzte sind Ausländer

Das spiegelt sich auch in der gesamten Ärzteschaft des Evangelischen Krankenhauses wider. 26 der 161 Ärzte sind Ausländer. Besonders hoch ist der Anteil der aus dem Ausland zugewanderten Mediziner in der Augenklinik und in der Kardiologie.

Volker Eichhorn bestätigt, dass ausländische Kollegen vor allem in Bereichen gesucht und eingestellt werden, in denen es mehr um ärztliches Handwerk und weniger stark um Kommunikation geht, etwa in der Inneren Medizin, in der Kardiologie und in der Chrirurgie.

Warum brauchen Marien Hospital und Evangelisches Krankenhaus verstärkt zugewanderte Ärzte? Die Gründe sehen Eichhorn und Weymann zum Beispiel darin, dass der demografische Wandel einen höheren Behandlungsbedarf mit sich bringt und gleichzeitig viele deutsche Mediziner lieber selbst in andere Länder abwandern oder auch in der Pharmaindustrie, im Medizincontrolling, im Medizinjournalismus oder im Medizinischen Dienst der Krankenkassen, als in einer Klinik arbeiten, weil sie dort regelmäßigere Arbeitszeiten finden. Der Personalbedarf wird auch dadurch erhöht, dass Kliniken ihre Ärzte nur noch maximal zwölf Stunden am Stück arbeiten lassen dürfen und vermehrt Teilzeitarbeitsplätze anbieten müssen, um für entsprechend interessierte Bewerber attraktiv zu bleiben.