Mülheimer Kletterhalle ist eine Dauerbaustelle

Miriam Limmer ist Routenbauerin in der Mülheimer Kletterhalle Neoliet. Foto Andreas Köhring
Miriam Limmer ist Routenbauerin in der Mülheimer Kletterhalle Neoliet. Foto Andreas Köhring
Foto: WAZ FotoPool

Mülheim.. Als „zweitgrößtes Kletterzentrum in Deutschland“ präsentiert sich der 19 Meter hoch aufragende Bau an der Ruhrorter Straße im Mülheimer Hafengebiet - hier sitzt seit März 2011 das Kletterzentrum Neoliet. „Nur eins in München ist noch größer“, sagt Geschäftsführer Guido Krautkrämer, sofern man die Kletterfläche zugrunde legt. In Mülheim kommen sie auf insgesamt 3000 qm.

Weitere 1000 qm Kletterfläche im Outdoor-Bereich

Noch Baustelle ist der geplante Outdoor-Bereich an der Ost- und Südseite der Halle: Hier werden weitere 1000 qm Kletterfläche aus Spritzbeton aufgetragen. Bald sollen die Sportler an frischer Luft Höhenmeter machen können: „Wir hoffen“, so Krautkrämer, „dass wir zum Sommer fertig werden.“ Am Werk sind überwiegend Spezialisten, die sowohl das Bauhandwerk als auch das Klettern verstehen.

Guido Krautkrämer selber wollte zunächst Sportlehrer werden, studierte auch in diese Richtung, doch bei der Berufswahl setzte sich schließlich die private Passion durch: das Klettern. Nachdem seine eigenen Bestrebungen zur Existenzgründung nicht weiterführten („Die Banken haben nicht an unser Konzept geglaubt“), tat er sich mit einem einschlägig erfahrenen Investor zusammen: dem mehrfachen niederländischen Klettermeister Erik Jakobs. Gemeinsam eröffneten sie 2005 die erste Neoliet-Halle in einer ehemaligen Maschinenhalle in Bochum.

"Ein Millionenprojekt"

Das Mülheimer Zentrum folgte im Frühjahr 2011, wobei für die Standortentscheidung die günstige Verkehrsanbindung ausschlaggebend war: „Kreuz Kaiserberg“, sagt Guido Krautkrämer, „das war der Punkt, wo ich hinwollte.“ Nachdem er vor drei Wochen eine dritte Anlage in Essen eröffnet hat, erklärt er stolz: „Jeder der 4,2 Millionen Menschen im Ruhrgebiet erreicht nun eine der Neoliet-Hallen nach rund 20 Autobahn-Minuten.“

Wirtschaftsdaten der Mülheimer Anlage, deren Errichtung „ein Millionenprojekt“ gewesen sei, mag der Betriebsleiter nicht preisgeben. Auch genaue Nutzerdaten verrät er nicht, sagt nur: „Unsere Besucherzahlen steigen deutlich. Die Halle hier entwickelt sich besser als die in Bochum, ist aber noch lange nicht ausgelastet.“ Allerdings sind die erwähnten 4,2 Millionen Revierbürger nur eine theoretische Größe, da längst nicht jeder für diese Freizeitaktivität geeignet ist. Krautkrämer meint: „Klettern zieht Leute an, die eher sportlich sind und ein soziales Verständnis haben.“ Denn jeder, der sich an die Griffe krallt, aufwärts arbeitet, braucht unbedingt einen anderen, der das Seil hält, sichert.

Angebote für verschiedene Zielgruppen

Etwa 300 Routen bietet die Halle, derzeit maximal bis zum neunten Schwierigkeitsgrad. Am meisten Betrieb herrscht sonntags, dann wird es wuselig zwischen den vertikalen Betonwänden, an denen farbig sortierte Kunststoffgriffe die zu bewältigenden Spuren zeichnen. Neoliet muss gleichwohl daran interessiert sein, nicht nur Topsportler anzuziehen. „Morgens“, berichtet Krautkrämer, „kommt häufig eine Rentnertruppe.“ Es gibt diverse Zielgruppenangebote: vom Eltern-Kind-Kurs bis zum Feriencamp, Pakete für Firmen oder Schulklassen, offene Klettertreffs und einen drei bis vier Meter hohen Boulder-Bereich, in dem man sich ohne Seil bewegen kann.

Eine Ecke ist für Kindergeburtstage reserviert: Hier können die kleinen Gäste durch eine hölzerne, höhlenähnliche „Speleobox“ auf abenteuerlichen Wegen kraxeln. Zudem helfen Kletterlehrer beim Aufstieg an der Wand. Und wer in 14 Metern Höhe die glücklich-glühenden Gesichter auch unsportlich wirkender Kinder sieht, kann gut nachfühlen warum Krautkrämer sein Geschäft so betrachtet: „Wir verkaufen hier Erfolg.“

 

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