Mülheimer Kinder lesen gern Fantastisches

Julia Blättgen
Die Klassiker kommen nie aus der Mode: Astrid Lindgren, Otfried Preußler und auch die Grimm’sche Märchensammlung sind bei Kindern nach wie vor beliebter Lesestoff.
Die Klassiker kommen nie aus der Mode: Astrid Lindgren, Otfried Preußler und auch die Grimm’sche Märchensammlung sind bei Kindern nach wie vor beliebter Lesestoff.
Foto: Michael Dahlke
Der heutige Samstag ist Internationaler Kinderbuchtag. Mülheims junge Leser greifen gerne zu Fantasy-Romanen, aber auch Klassiker werden viel gelesen.

Mülheim. Schwarzmalern, die nicht müde werden, das Ende des Buches vorherzusagen, sollte der Satz der 14-jährigen Seri in den Ohren klingen: „Das ist besser als Fernsehen, weil man sich in der Fantasie alles vorstellen kann.“ Lesen, zeigt ein Besuch in der Stadtbibliothek anlässlich des heutigen Internationalen Kinderbuchtages, ist bei jungen und jugendlichen Lesern noch in.

Mit ihrer Freundin Peri hat es sich Seri in den zweiten Etage des Medienhauses bequem gemacht. „Total viel und gern“ lesen beide. Gerade schmökern sie in japanischen Comics, Mangas; doch auch Romane mag die zwölfjährige Peri: „Ich lese alles, je nach Laune.“ Twilight hat sie verschlungen, aber ihr Lieblingsbuch erzählt die Geschichte einer Freundschaft, die trotz Titel („Ich pfeif auf meine beste Freundin“) ein gutes Ende nimmt. Seri bevorzugt Krimis, Detektivgeschichten zum Mitraten.

Bei beidem werden sie im Bestand der Stadtbücherei fündig. Elke Hoffmann, die das Team Familie, Kind und Co. leitet, nennt etwa „Die drei ???“ und „Die drei !!!“ als Lesestoff, der seit Jahren beliebt ist und ihre Beobachtung belegt: „Kinder sind Serienleser. Wenn sie etwas für sich entdeckt haben, bleiben sie dem erst mal treu.“ Klassiker werden auch oft ausgeliehen: Die kleine Hexe, Heidi, Petterson und Findus. Bei Jüngeren sind Mitmachkinderbücher in, weiß Elke Hoffmann: „Der Trend geht zu interaktiven Sachen. Die bleiben bei uns nie lange im Regel liegen.“

Fußball-Krimis zur EM

In Saarn ist Fantasy angesagt. Mädchen, berichtet Nicole Wacker, bei der Buchhandlung Hilberath & Lange für Jugendliteratur verantwortlich, mögen es mystisch. „Nelli und der Nebelort“ nennt die Fachfrau als Beispiel. „Für Jungs geht es eher in Richtung Grusel.“ Überhaupt geht der Geschmack zwischen den Geschlechtern auseinander – wobei Nicole Wacker glaubt, dass die (Groß-)Eltern dazu durch ihre Käufe durchaus beitragen. Und dennoch: „Pferdebücher gehen bei Mädchen immer.“ Zudem kommt im EM- und Olympia-Jahr Passendes heraus: Romane, die auf dem Fußballfeld spielen, Krimis in der Leichtathletikwelt. „Es gibt auch ein tolles Sachbuch, das die Fußballregeln erklärt“, sagt Nicole Wacker.

Bei Broicher Lesern sind Astrid Lindgrens Geschichten nach wie vor beliebt, außerdem die von Michael Ende und J.K. Rowling. „Es wächst eine neue Generation heran, die die Harry-Potter-Romane liest“, sagt Petra Büse-Leringer, Mitinhaberin der Buchhandlung Bücherträume. Aktuell ist dort die Nachfrage nach Büchern für Leseanfänger groß, denn „die Erstklässler sind jetzt so weit, dass sie alle Buchstaben kennen“. Illustrierte Bücher gäben da Erfolgserlebnisse, wie die Geschichte von Trafiti, dem „draufgängerischen Erdmännchen“ oder die Reihe um „Egon und die Krumpflinge“.

Letztere sei lustig, was besonders bei Jungs ankommt. Die, das hört man überall, mögen derzeit besonders Star Wars und (immer noch) Gregs Tagebücher. Petra Büse-Leringer sieht das positiv: „Es bringt die Kinder zum Lesen – und auch Erwachsene lesen gerne mal was Leichtes, um abzuschalten.“