Mülheimer half in Brasilien

Dr. Rüdiger Löhr vor einem Fußballstadion. Zur WM konnt er nicht bleiben
Dr. Rüdiger Löhr vor einem Fußballstadion. Zur WM konnt er nicht bleiben
Foto: Privat
Dr. Rüdiger Löhr frühstückte gerade mit seiner Frau, als das Telefon klingelte. Ein ehemaliger Kollege rief an. „Hast Du Lust, für neun Monate nach Brasilien zu gehen?“ Der promovierte Physiker im Ruhestand überlegte nicht lange. „Als Rentner fehlt einem doch etwas, auch wenn man sich darauf vorbereitet hat, viel freie Zeit zu füllen“, erzählt der Kahlenberger.

Mülheim-Holthausen. Dr. Rüdiger Löhr frühstückte gerade mit seiner Frau, als das Telefon klingelte. Ein ehemaliger Kollege rief an. „Hast Du Lust, für neun Monate nach Brasilien zu gehen?“ Der promovierte Physiker im Ruhestand überlegte nicht lange. „Als Rentner fehlt einem doch etwas, auch wenn man sich darauf vorbereitet hat, viel freie Zeit zu füllen“, erzählt der Kahlenberger. Fast sein gesamtes Berufsleben hat der 71-Jährige beim TÜV Nord in Essen als Gutachter für Kerntechnik verbracht. 1998 war er bereits drei Monate in Angra, 250 km südlich von Rio , um beim Bau von Block 2 des Kernkraftwerks Angra als Berater zu arbeiten.

Rüdiger Löhrs Sohn redete ihm zu, seine Frau hatte nichts dagegen deshalb hieß es dann: auf nach Südamerika. „Ich habe mich vorher noch mal drei Monate lang am Tüv-Standort in Hannover fit gemacht, ich war ja schon fünf Jahre aus dem Beruf raus und die Technik hatte sich weiter entwickelt.“ Gemeinsam mit einem Kollegen flog der Mülheimer Experte im September 2012 nach Rio. Einen Monat logierten sie im Hotel, dann fand Rüdiger Löhr eine Wohnung, 100 Meter von der Copacabana entfernt: 40 Quadratmeter für 1600 Euro Miete im Monat.

Technik hat sich weiter entwickelt

Der Arbeitsplatz des Physikers befand sich nicht in Angra, denn Block 3 des Kernkraftwerks war erst im Bau, sondern in einem der unzähligen Hochhäuser in Rios Stadtteil Centro. „Ich habe im Gebäude des brasilianischen TÜV für Eletro Nuclear gearbeitet. Meine Aufgabe war zu beurteilen, ob die Komponenten für den Bau der Anlage den Genehmigungen entsprechen und genau zu beschreiben, was ein System leisten muss. Nicht nur die brasilianischen, sondern auch die deutschen Regelwerke sollten erfüllt werden.“ Für das Schwellenland Brasilien seien Bau und Betreiben eines Kernkraftwerks ein Prestigeprojekt, weiß Löhr. „Sie wollen zeigen, dass sie das können.“ Ein erfahrener Gutachter aus Deutschland gilt auch heute als Qualitätsmerkmal. Brasilien setze zwar stark auf Wasserkraft, aber die Kernkraft sei dort akzeptiert.

Im Juni 2013 hatte Rüdiger Löhr seinen Auftrag erledigt. Von nun an betreuten Kollegen des TÜV Nord das Projekt in Angra quartalsweise. Er selbst sprang von Februar bis Juni 2014 noch einmal ein. „Aber nun habe ich damit abgeschlossen“, betont der Rentner. Die Zeit in dem riesigen Staat fand er fantastisch und sehr bereichernd, beruflich wie auch persönlich. „Die Menschen dort sind sehr kollegial und herzlich und ich habe viel vom Land gesehen.“

 
 

EURE FAVORITEN