Mülheimer Fluglärmgegner bitten Hannelore Kraft um Hilfe

Andreas Heinrich
Bewohner in Mülheim fühlen sich durch die Flugrouten vom und zum Flughafen Düsseldorf belästigt. Das Archiv-Bild zeigt einen Passierjet im Anflug Richtung Düsseldorf.
Bewohner in Mülheim fühlen sich durch die Flugrouten vom und zum Flughafen Düsseldorf belästigt. Das Archiv-Bild zeigt einen Passierjet im Anflug Richtung Düsseldorf.
Foto: Ulrich von Born

Mülheim. Mancher auf der Saarner Kuppe greift inzwischen zu starken Worten: „Wieso schützt die lokale, regionale und die Landespolitik die Bürger nicht vor solch menschenverachtendem Verhalten“, schreibt uns Max Soltau, der vor Jahren auf die Kuppe gezogen ist, weil das Gebiet als ein ruhiges angepriesen wurde und heute, wie viele klagen, unter Fluglärm leidet. Soltau fühlt sich im Nachhinein arglistig getäuscht, er fürchtet auch Krankheit durch Fluglärm.

Kein Einzelfall. „Der Lärm dringt durch geschlossene Fenster und Rollläden“, berichtet ein anderer Anwohner. Oder: „Gegen das heutige Dauergedröhne und Gegrolle hilft der beste Blutdrucksenker nicht.“ Beschwerden, die in diesen Tagen auch bei der Mülheimer Initiative gegen Fluglärm eingehen. Deren Sprecher Waldemar Nowack wendet sich jetzt in einem Schreiben an die Mülheimer Landtagsabgeordnete und Ministerpräsidentin Hannelore Kraft. Sie soll über den Bundesrat mithelfen, dass die Menschen wie auf der Saarner Kuppe besser vor Fluglärm geschützt werden.

Nowack bittet die Ministerpräsidentin, einen Gesetzesantrag des Landes Rheinland-Pfalz, der am 1. März im Bundesrat behandelt wird, zu unterstützen. Es müsse darum gehen, wiederholt die Mülheimer Initiative ihre Forderung an die Politik, dass die Gesundheit der Menschen Vorrang vor wirtschaftlichen Interessen der Luftfahrt habe. Die Initiative des Landes Rheinland-Pfalz sieht vor, die Flugrouten-Festlegung zur echten Fachplanung aufzuwerten und eine Beteiligung der Öffentlichkeit und von Trägern öffentlicher Belange dabei festzuschreiben. Nowack: „Während eine solche Beteiligung etwa bei der Festlegung von Radwegen erfolgen muss, kann das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung jederzeit Flugrouten mit dramatischen Auswirkungen für die Bevölkerung ändern.“

Erhöhte Belastungen

Flugrouten-Änderungen sollen auch in Saarn sowie in Mintard zu erhöhten Belastungen geführt haben. Die Route, so hat die Bürgerinitiative ausgemacht, führe inzwischen direkt über die Kuppe. Hinzu komme, so ihr Sprecher, dass die Flughöhe niedriger als in vergangenen Jahren ausfalle.

Die Mülheimer Initiative unterstützt das Vorgehen des Nachbarlandes: Die Gesetzesinitiative sei ein wichtiger und erster Schritt dahingehend, den Gesundheitsinteressen der Bevölkerung stärkeres Gewicht zukommen zu lassen.

„Seit frühem Abend wieder dröhnender Startlärm über Saarn“, klagt ein Anwohner in einer Mail an die Bürgerinitiative und fügt hinzu: „Grüble wieder über die Zukunft. Umzugsmöglichkeiten.“