Mülheimer Bürger verlieren den Glauben an Ruhrbania

Foto: NRZ
Je größer ein Projekt, desto umstrittener ist es. So weit, so normal. Außergewöhnlich aber ist die Skepsis der Mülheimer gegenüber dem, was an der Ruhrpromenade im Rahmen der Ruhrbania entstanden ist. Das Bürgerbarometer der NRZ zeigt, dass selbst jetzt die Ablehnung der Bürger noch zunimmt.

Mülheim.. 54 Prozent. Die Marge würde jede Partei freuen. Doch 54 Prozent, das ist die Anzahl der Mülheimer, die eher nicht oder sogar auf keinen Fall glauben, dass Ruhrbania die Stadt attraktiver macht. Das ist das Ergebnis des NRZ-Bürgerbarometers - das an Wert noch gewinnt, wenn man ein wenig in der Geschichte zurückblickt.

Denn die Skepsis hat sich gegenüber vorherigen Erhebungen noch gesteigert - fünf Tage vor dem angekündigten Hafenfest, Wochen nach der Freigabe der Ruhrpromenade und wenige Monate vor dem baulichen Abschluss des über zehn Jahre währenden Stadtprojekts, an dem, nimmt man glühende Befürworter wie Kritiker, sich das Wohl der Stadt entscheidet.

Für Bürger nicht attraktiv genug

2006 hatten wir in einem Bürgerbarometer ebenfalls repräsentativ nach Ruhrbania gefragt. Es war die heiße Phase. Die Ostruhranlagen waren noch grün, die Baustellen schon da, vor Ort aber war noch nichts zu sehen. Damals sagten 48 Prozent, sie wollten den Park erhalten, 36 Prozent waren für die Bauten an der Promenade, 16 Prozent waren unentschlossen. Heute sind es noch 24 Prozent, die eher oder auf jeden Fall an einen Fortschritt durch Ruhrbania glauben. Mit anderen Worten: Jetzt, da was zu sehen ist, ist die Ablehnung noch entschiedener und die Hoffnung auf Besserung noch geringer.

Das relativiert auch ganz erheblich das Dauerargument aller Befürworter: Wenn erst die ganze Schönheit der Promenade zu bestaunen wäre, würde der Chor der Kritiker ergriffen verstummen. Man wird sich dem Gedanken nähern müssen, dass die Promenade samt ihrer Bauten offenbar nicht eindrucksvoll, geschweige denn bürgerattraktiv genug geraten ist, um die Mülheimer mit dem Projekt und seinem blutleeren Namen zu versöhnen.

Streit gibt es sogar um Plakate

Tatsächlich aber hat vor der Wahl die Koalition der Ruhrbania-Fans, als da wären Stadtverwaltung, SPD, CDU und FDP, den Aufbruch verkündet. Wahlwerbung zum Hafenfest, kritische sogar? Gibt es nicht, hat das Ordnungsamt verordnet. Es soll nur gefeiert werden, ganz unpolitisch, ganz so, als sei Ruhrbania nicht zehn Jahre lang nur ein anderes Wort für Politik gewesen. Die AfD hat dagegen am Freitag protestiert und unter Verweis auf Meinungsfreiheit die Freigabe von fünf Wahlplakaten gefordert. Bis morgen hat die Stadtverwaltung Zeit, dem nachzukommen. Gestern prüfte sie immer noch Es ist noch lange nicht alles normal bei Ruhrbania.

 
 

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