Mülheimer Bürger planen Verbesserungen für ihre Innenstadt

Mirco Stodollick
Richteten am Freitag das Wertstadt-Büro an der Leineweberstraße 15-17 ein: Event-Dekorateur Carsten Hensing (hat dies schon im Projekt „Schlimm-City“ getan), Kommunikationsdesignerin Sabine Mann (Mitte) und Katrin Witzel  vom Stadtplanungsamt.
Richteten am Freitag das Wertstadt-Büro an der Leineweberstraße 15-17 ein: Event-Dekorateur Carsten Hensing (hat dies schon im Projekt „Schlimm-City“ getan), Kommunikationsdesignerin Sabine Mann (Mitte) und Katrin Witzel vom Stadtplanungsamt.
Foto: Stephan Glagla / WAZ FotoPool
Montag um 9 geht’s los: In einem Forschungsprojekt des Bundes sollen Mülheimer Bürger sich aktiv einmischen. Es geht um die Wiederbelebung der vom Kaufhof-Leerstand gebeutelten Innenstadt. Ihrer Innenstadt. Fünf Tage lang wird von morgens bis spätabends eigens ein Ladenlokal am Fuße der Schloß-, Ecke Leineweberstraße als Werkstatt mit dem Projekttitel „Wertstadt“ offen stehen.

Mülheim. Montag um 9 geht’s los: In einem Forschungsprojekt des Bundes sollen Mülheimer Bürger sich aktiv einmischen. Es geht um die Wiederbelebung der vom Kaufhof-Leerstand gebeutelten Innenstadt. Ihrer Innenstadt. Fünf Tage lang wird von morgens bis spätabends eigens ein Ladenlokal am Fuße der Schloß-, Ecke Leineweberstraße als Werkstatt mit dem Projekttitel „Wertstadt“ offen stehen.

Wie berichtet, hat der Bund acht Modellkommunen für das Forschungsprojekt „Innovationen für Innenstädte“ ausgewählt. Unter wissenschaftlicher Leitung sollen in den Städten und Gemeinden Masterpläne entworfen werden, die helfen, Innenstädten wieder Anziehungskraft zu verleihen, die sich wegen großflächiger Leerstände einem Abwärtssog ausgesetzt sehen.

Das auf drei Jahre angelegte Projekt setzt auf Bürgerbeteiligung. So steht auch in Mülheim zu Projektbeginn eine Werkstattwoche für Bürger. Stadtplaner Prof. Harald Kegler von der Bauhaus-Universität Weimar verantwortet die Bürgerbeteiligung nach dem Charrette-Verfahren. Sie wird vom kommenden Montag an bis Freitag im Ladenlokal Leineweberstraße 15-17 organisiert. Vis-à-vis zur Problemimmobilie Kaufhof. Tag für Tag sollen Ideen gesammelt, strukturiert und diskutiert werden. Stück für Stück soll sich so ein Masterplan zur Entwicklung der Innenstadt herausbilden. Ohne Tabus, wie Kegler sagt. Er garantiert Bürgern, dass keiner ihrer Vorschläge unter den Tisch fallen wird.

Gestern Morgen herrschte schon reges Treiben im ehemaligen Matratzenladen. Aus Leerstand wird die „Wertstadt“. Den Namen für das Stadtlabor hat ein Zirkel aus Kreativen der Stadt ersponnen. Sie haben sich zusammengetan und engagieren sich, weil ihre Stadt es ihnen im wahrsten Sinne des Wortes wert ist: Designer Hermann Rokitta ist dabei, Anne Kleiner vom Ringlokschuppen, Daniela Städter, die für die Wirtschaftsförderung die Kreative Klasse organisiert, die engagierte Einzelhändlerin Jutta Pfeiffer (Papierwerk) . . .

Auch Kommunikations­designerin Sabine Mann („Die Mannschaft“) bringt sich abermals für die Innenstadt ein. Die Siegerin des Schaufenster-Wettbewerbes jüngst organisierte gestern mit Katrin Witzel vom Stadtplanungsamt die Einrichtung der „Wertstadt“ mit Tresen aus Europaletten, drei Planertischen, Stühlen. Sonntag quartieren sich die Professoren und 25 Studenten in Mülheim ein, die das Projekt stemmen werden.

Händler der Innenstadt, Initiativen, Hauseigentümer und andere Akteure sind aufgerufen, sich ab Montag um 9 Uhr einzumischen. Vor allem aber hofft Katrin Witzel auf rege Beteiligung der Bürger. „Ohne Initiative auch der Bürger wird es schwierig, hier einen Impuls zu setzen“, sagt Witzel. „Wir brauchen jeden Einzelnen.“

Nicht „Schlimm-City“, sondern „Wertstadt, made in Mülheim“ – der Titel der Projektwoche ist bewusst animierend gewählt. Was macht die Innenstadt wertvoll oder wertlos? Liebenswert, lebenswert, sehenswert? Was ist den Bürgern ihre Innenstadt wert? „Es gilt den Wert der Stadt neu zu definieren“, sagt Sabine Mann. Aus jedweder Perspektive heraus gehe es in der kommenden Woche darum, „gemeinsam wieder eine Wertschätzung der Innenstadt herzustellen“.

Visionen sind gefragt, kleine wie große, täglich von 9 bis 22 Uhr wird die „Wertstadt“, die mindestens in den drei Monaten nach der Werkstattwoche weiter kreativ bespielt werden soll, geöffnet sein. An den ersten drei Tagen um 18.30 Uhr gibt es ein offenes Forum, in dem Zwischenergebnisse diskutiert werden. Es möge eine identitätsstiftende Veranstaltung werden, wünscht sich Sabine Mann.