Mülheimer Bürger klagen über Fluglärm

Andreas Heinrich
Die Beschwerden Mülheimer Bürger über Fluglärm nehmen stetig zu: An die 300 Flugzeuge überqueren täglich den Süden der Stadt - auch nachts. Die Forderungen nach einer Ausweitung der Lärmschutzzone werden lauter.

Mülheim. Angesichts des zunehmenden Fluglärms werden die Forderungen nach einer Ausweitung der Lärmschutzzone auf den Mülheimer Süden lauter. Seit Monaten führt der Flughafen Düsseldorf im Süden der Stadt, in Mintard, Lärmmessungen durch. Ebenfalls Messungen nimmt dort das Bürgernetzwerk gegen Fluglärm vor. „Punktuell“, so der Sprecher der Netzwerkes, Waldemar Nowak, „erreichen wir Tageswerte von über 80 Dezibel.“ Unerträglich.

Die Beschwerden aus der Bürgerschaft, verstärkt aus Saarn, bestätigen das: „Hier dröhnt es unaufhörlich“, klagt ein Anwohner am 3. November gegen 16 Uhr. „Insbesondere bei Dunkelheit haben wir ein ständiges Fliegen über die Saarner Kuppe“, klagt ein anderer.

„Schlag auf Schlag, Höllenlärm bei Westwind. Ich muss mich auf die Lehrveranstaltung morgen vorbereiten um brauche meine letzte Energie, um mich zu konzentrieren.“ Beschwerden über Fluglärm wie diese, so Nowak, erreichten das Netzwerk zuhauf. Die Forderung der Initiative lautet denn auch: „Wir müssen im Süden eine geringere Flugbelastung erreichen.“

Kampf gegen Windmühlen

An die 300 Flugzeuge überqueren täglich dieses Gebiet, wobei der Anteil der Flugbewegungen nach 22 Uhr für viele das größte Ärgernis ist. „Wir sollten zumindest erreichen, dass die Nachtruhe besser geschützt wird“, sagt Hubert Niehoff, Vorsitzender des Umweltausschusses und Mitglied der Lärmkommission des Flughafens. Er ist überzeugt, dass dieses Thema auf die europäische Ebene gehört und dort Regeln festgelegt werden müssten. „Vor Ort kämpfen wir gegen Windmühlen.“

Die Lärmmessungen werden fortgeführt, und der Ruf nach einer Ausweitung der Lärmschutzzone verhallt erst einmal. Weitere Prüfungen sollen stattfinden, heißt es. „Mülheim liegt mit den festgestellten Messwerten deutlich unterhalb der erforderlichen Grenzwerte“, sagt Christian Hinkel, Sprecher des Flughafens.

Unterschiedliche Messwerte

Im Unterschied zum Bürgernetzwerk arbeitet der Flughafen nicht mit Einzel-, sondern mit Mittelwerten, und die erreichten im Juli 43 Dezibel und im August 40 Dezibel. Selbst für die Lärmschutzzone II wären im Tagesschnitt 60 Dezibel erforderlich, so hat es das Land in einer schärferen Fassung festgelegt. Anfang nächsten Jahres will der Flughafen der Stadt weitere Daten zur Verfügung stellen.

Die Bürgerinitiative fordert eine Lärmmessung nach den tatsächlich geflogenen Routen, um die Belastung der Menschen besser bewerten zu können. Dem Verdacht mancher Anwohner, dass die Flieger in Zeiten der Messung von den Routen bewusst abweichen, um Zahlen zu schönen, hält Hinkel entgegen, dass es von der Deutschen Flugsicherung strikt festgelegte Strecken gebe. „Der Flughafen hat darauf keinen Einfluss.“