Mülheimer Bibliothek erweitert ihren Bestand dank Spende

Wollen das Tabuthema „Psychische Erkrankungen“ mehr in die Öffentlichkeit tragen: (vl.) Awo-Projektkoordinatorin Sarah Lustinetz, stellv. Caritas-Geschäftsführerin Margret Zerres, Caritas-Projektkoordinator Oliver Beres, Bibliotheksleiterin Claudia vom Felde und Awo-Geschäftsführer Lothar Fink.
Wollen das Tabuthema „Psychische Erkrankungen“ mehr in die Öffentlichkeit tragen: (vl.) Awo-Projektkoordinatorin Sarah Lustinetz, stellv. Caritas-Geschäftsführerin Margret Zerres, Caritas-Projektkoordinator Oliver Beres, Bibliotheksleiterin Claudia vom Felde und Awo-Geschäftsführer Lothar Fink.
Foto: Fabian Strauch Photography / WAZ
Das „Netzwerk Kipe – Kinder psychisch erkrankter Eltern“ hat in Mülheim eine Mediathek rund um „Psychische Erkrankungen“ zusammengestellt. Sie umfasst alles vom Kinderbuch über wissenschaftliche Texte bis zum Hörbuch.

Mülheim.. Um Tabuthemen gesellschaftsfähig zu machen, muss man sie in die Gesellschaft tragen. Frei nach diesem Grundsatz werden die Nutzer der Stadtbibliothek künftig mit Literatur zu einem Thema konfrontiert, das selbst bei Fachleuten erst seit einigen Jahren ins Bewusstsein rückt: die Bedürfnisse von Kindern psychisch kranker Eltern.

Die im Rahmen eines Gemeinschaftsprojekts von Awo und Caritas zum Thema angelegte Literatursammlung ging nun in den städtischen Bestand über und kann ab November von jedem ausgeliehen werden.

Projekt von Awo und Caritas

Das „Netzwerk Kipe – Kinder psychisch erkrankter Eltern“, ein Kooperationsprojekt von Awo und Caritas, legte seit 2012 eine Mediathek zum Thema an: Die umfasst Fach-, Kinder- und Jugendliteratur ebenso wie Hörbücher, DVDs oder wissenschaftliche Texte. Bisher standen die nur Fachkräften zur Verfügung, künftig will man alle Bibliotheksnutzer erreichen. Für Awo-Geschäftsführer Lothar Fink ist das ein Weg, um die Nachhaltigkeit des Projekts zu sichern, das nur noch bis Ende August 2015 durch Mittel der Aktion Mensch finanziert wird.

Projekt-Ziel ist, Fachkräfte der Jugendhilfe und Psychiatrie zusammenzubringen und zwei unterschiedliche Bereiche, mit unterschiedlichen Sichtweisen und Sprachen, zu vernetzen. Oliver Beres, Projektkoordinator für die Caritas, nennt ein Beispiel: Wird ein Elternteil in der Psychiatrie behandelt, kann es aus Sicht des Arztes sinnvoll sein, das Kind in die Behandlung einzubeziehen – dem Jugendamt hingegen mag diese Idee gar nicht gefallen. Und damit ist man schon bei einem Hauptgrund, warum das Thema noch immer Tabu ist. „Es gibt bei Eltern eine große Angst: Wenn ich mich oute, nehmen sie mir das Kind weg“, sagt Sarah Lustinetz, Projektkoordinatorin für die Awo.

Das Team der Bücherei wird den Bestand aktuell halten

Der Gedanke, den das Netzwerk Kipe bei allen Beteiligten vermitteln will, ist laut Margret Zerres, stellv. geschäftsführende Vorsitzende der Caritas-Sozialdienste, das beide Seiten – Jugendhilfe und Psychiatrie – „mit der entsprechenden Struktur und Begleitung zusammengebracht werden können“. Dazu brauche es aber weiterhin die Fortbildung der Fachkräfte. Deshalb lautet Lothar Finks Appell: „Wir brauchen Kontinuität. Man kann nicht drei Jahre lang ein Projekt machen und dann versandet es.“ Allerdings sei die Finanzierung nur aus Mitteln der Wohlfahrtsverbände nicht zu stemmen.

Auf jeden Fall ist das Thema nun im Medienhaus präsent. „Die verschiedenen Bücher sind dort zu finden, wo sie gesucht werden“, sagt Bibliotheksleiterin Claudia vom Felde. Ein Kinderbuch über psychische Erkrankungen wird also bei der Kinderliteratur zu finden sein, der Erfahrungsbericht einer erkrankten Mutter bei der Belletristik. Das Team der Bücherei wird die Bücher weiter ergänzen, den Bestand aktuell halten. Auch solche Themen vorzuhalten, hat sich bewährt, sagt Claudia vom Feld und nennt als Beispiel ein weiteres Tabu, das schwindet: die Demenz. Die Nachfrage zu Büchern zum Thema sei groß.

 
 

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