Mülheimer Bastler bringen defekte Geräte ans Laufen

Martin Walden und Jochen Nies (v.l.) sind zwei von mehreren Ehrenamtlichen, die im Repair Café einmal im Monat defekte Geräte reparieren.
Martin Walden und Jochen Nies (v.l.) sind zwei von mehreren Ehrenamtlichen, die im Repair Café einmal im Monat defekte Geräte reparieren.
Foto: Funke Foto Services
  • Ehrenamtliche reparieren einmal im Monat defekte Haushaltsgeräte im Medienhaus
  • Damit wollen sie der Wegwerf-Mentalität trotzen
  • Nebenbei vermitteln sie Verständnis für technische Dinge

Mülheim.. Wer Jochen Nies und Martin Walden reden hört, bemerkt es sogleich: Die beiden Männer sind vom Bastelvirus befallen. Ihre Augen leuchten, wenn sie berichten, wie sie ein altes Kofferradio oder ein kaputtes Bügeleisen repariert haben. Der Wegwerf-Mentalität wollen sie sich nicht beugen, vieles – so wissen sie – muss nicht direkt weggeworfen werden, sobald es nicht mehr funktioniert. Im „Repair Café“, das an jedem zweiten Samstag im Monat in der Stadtbibliothek veranstaltet wird, greifen sie deshalb engagiert und ehrenamtlich zu Schraubenzieher, Zange oder Lötkolben. Sie reparieren (fast) alles, was auf den Tisch kommt. Zum festen Team gehören auch Hermann Gerritzen, Brigitte Bittner, Christian Hamsch und zwei Mitarbeiter der Bücherei - Horst Kummerfeld und Dimitri Diamantidis.

Anfang 2014 wurde die Idee geboren. Angeregt durch die Lektüre des Buches „Die Kultur der Reparatur“ fragte sich Horst Kummerfeld, ob man nicht in der Bibliothek eine Reparaturwerkstatt für Alltagsgegenstände jeder Art einrichten könne. Zusammen mit dem Centrum für Bürgerschaftliches Engagement (CBE) setzte man den Gedanken um. Freiwillige, die mitmachen wollten, waren schnell gefunden. Und das Repair Café kam an. „Samstagsmorgens stehen hier viele Leute schon ungeduldig vor der Tür, repariert werden pro Termin rund 25 Geräte“, sagt Büchereileiterin Claudia vom Felde.

Defekte Hausgeräte und Laptops

Etwas „stromlastig“ sei die „Auftragslage“ zur Zeit, denn die meisten Leute kämen mit defekten elektrischen Hausgeräten her, berichtet Martin Walden. Am häufigsten vertreten: Kaffeemaschinen. Knapp dahinter mittlerweile: Laptops. Die freiwilligen Technik-Freaks, die im wirklichen Leben ganz unterschiedliche Berufe ausüben oder ausgeübt haben, bringen aber auch kaputte Möbel oder defektes Spielzeug wieder in Schuss. Teamwork steht dabei im Vordergrund. „Wenn man bei einem Teil nicht weiterkommt, fragt man die anderen. Manchmal hilft auch ein Blick ins Internet, auf Betriebsanleitungen oder Zeichnungen. „Gemeinsam kommen wir meist weiter“, erzählt Jochen Nies. Etwa 60 Prozent der defekten Sachen kriegen die Bastler wieder hin. Und haben dabei richtig viel Spaß.

Die Hände lassen sie aber von Handys (zu kompliziert) und von Mikrowellen (zu gefährlich). Es gibt auch Gegenstände, bei denen sie einfach nicht weiterkommen. „Es ist eine Unkultur, dass heute viele Produkte so hergestellt werden, dass sie bewusst nicht reparabel sind“, findet Nieß. Dazu gehörten zum Beispiel Drucker oder elektrische Zahnbürsten. „Ein Transistorradio aus den 60er Jahren kann man manchmal besser wieder in Ordnung bringen als ein modernes elektronisches Gerät.“

Familiär geht es im Repair Café zu, es gibt Kaffee und Plätzchen, die Wartenden plaudern miteinander. Für die Besucher, die nicht selten mit Liebhaberstücken herkommen, sind die freiwilligen Helfer manchmal so ’was wie „Magier“. „Manchmal ist es für uns nur eine kleine Sache, die aber große Auswirkungen für die Leute hat. Sie sind glücklich, wenn man ihre liebgewonnenen Sachen reparieren kann“, sagen sie. Ganz nebenbei möchten sie ihren „Kunden“ Verständnis für technische Dinge vermitteln, „damit sie sich auch selbst mal an eine Reparatur wagen“.

Der Service im Repair Café ist kostenlos, wer möchte kann etwas Geld in den Hut werfen - davon werden dann neue Werkzeuge gekauft.

WAZ-Aktion zeichnet Ehrenamtler aus

In der Reihe „Menschen machen’s möglich“ stellen wir insgesamt zehn Projekte vor, in denen sich Mülheimer ehrenamtlich engagieren. WAZ-Leser stimmen am Ende darüber ab, welche Projekte ausgezeichnet werden.

Drei Projekte werden mit jeweils 1000 Euro unterstützt. Gestiftet von der Rheinisch-Westfälischen Wasserwerkgesellschaft (RWW). Die Preisverleihung soll am 2. September im Rahmen des Sommerfestes stattfinden.

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