Mülheimer Arbeitsagentur will stille Reserve hervorlocken

Verena Dutschmann ist die neue Beraterin für den Wiedereinstieg bei der Mülheimer Agentur für Arbeit.
Verena Dutschmann ist die neue Beraterin für den Wiedereinstieg bei der Mülheimer Agentur für Arbeit.
Foto: Funke Foto Services
Die Agentur für Arbeit Mülheim will Menschen erreichen, die dem Arbeitsmarkt derzeit nicht zur Verfügung stehen. Eine neue Beraterin wurde speziell dafür eingestellt. Am Dienstag, 21. April, findet ein Informationsnachmittag zur Rückkehr in den Beruf statt.

Mülheim.. Die stille Reserve aufspüren und aktivieren – das hat sich jetzt die Agentur für Arbeit Mülheim vorgenommen. Gemeint ist, all diejenigen Mülheimer zu mobilisieren, die derzeit beschäftigungslos sind, ohne als Arbeitslose registriert zu sein. „Damit ist die Hausfrau, die vor Jahren mal eine Ausbildung absolviert hat, genauso gemeint, wie der arbeitslose Mittfünfziger, der auf der Suche nach neuen Perspektiven ist“, erklärt Jürgen Koch, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Oberhausen/Mülheim.

Hintergrund für die Bestrebung der Arbeitsagentur, die stille Reserve für den Arbeitsmarkt zu aktivieren, ist der drohende Fachkräftemangel. „Wo und wann genau der eintreten wird, weiß heute niemand“, sagt Koch. Dass den Unternehmen aber beizeiten der Nachwuchs ausgehen werde, verdeutliche die Statistik: In den nächsten zehn Jahren gehen im Bereich der Mülheimer Arbeitsagentur im metallverarbeitenden Gewerbe rund 600 Menschen in Rente, aber nur 240 befinden sich dort derzeit in Ausbildung.

"Ich möchte Türen öffnen"

Noch weiter auseinander geht die Schere im Bereich Verkehr und Logistik: Dort erreichen im nächsten Jahrzehnt 507 Menschen das Rentenalter, aktuell befinden sich aber nur 88 Menschen in Ausbildung. „Je spezialisierter ein Betrieb, desto größer ist die Gefahr, keine Fachkräfte mehr anstellen zu können“, mahnt Koch. Die stille Reserve sei ein Potenzial, um diese Lücken gar nicht erst entstehen zu lassen. Aber, so Koch: „Die größte Herausforderung ist, diese Leute zu finden und zu mobilisieren.“

Hier kommt nun Verena Dutschmann ins Spiel. Sie ist „die Neue“ in der Arbeitsagentur an der Kaiserstraße, ihre Stelle wurde erst kürzlich geschaffen mit genau dem Ziel, bislang unentdeckte Arbeitskräfte aufzudecken. „Nach Jahren der Pause in den Beruf einzusteigen, hat viel mit dem Kopf zu tun“, sagt die 49-Jährige. Unsicherheit, mangelndes Selbstwertgefühl und nagende Zweifel hielten viele, die eigentlich gerne arbeiten würden, davon ab, ihre Bewerbung in den Ring zu werfen.

„Dabei sind gerade Frauen, die Kinder erzogen oder Angehörige gepflegt haben, stresserprobt und belastbar“, weiß Dutschmann, selbst Mutter eines inzwischen erwachsenen Sohnes. Ihr Ansatz ist es, Kontakt zu potenziellen Bewerbern aufzubauen – etwa über Kitas, Schulen und Vereine – und dann individuell zu begleiten. Verena Dutschmann nennt das so: „Ich möchte Türen öffnen, damit sich die betreffenden Menschen auf den Weg machen können.“

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