Mülheimer Anwohner ärgern sich über neue Abfallplanung

Kristina Mader
Den Nachbarn Eva Heintzen, Marc Herrschaft und Bettina Kaczmarek (v.l.) stinkt das Vorgehen von Stadt und MEG. Sie ärgern sich über die neuen Müllsammelstellen an der Westminsterstraße.
Den Nachbarn Eva Heintzen, Marc Herrschaft und Bettina Kaczmarek (v.l.) stinkt das Vorgehen von Stadt und MEG. Sie ärgern sich über die neuen Müllsammelstellen an der Westminsterstraße.
Foto: Michael Dahlke
Seit zwölf Jahren wird der Müll an der Westminsterstraße vor der Haustür abgeholt – nun nicht mehr. Weil der Müllwagen nicht rückwärts in die Spielstraßen der Siedlung fahren darf, richten Stadt und MEG nun Abfall-Sammelstellen ein. Die Anwohner wollen sich dagegen wehren.

Mülheim. Seit zwölf Jahren stellen Eva Heintzen und ihre Nachbarn an der Westminsterstraße ihre Mülltonnen vors Haus. Die Müllabfuhr holt die Abfallbehälter von der Bordsteinkante ab und leert sie, dafür zahlen die Anwohner auch. Das soll sich ändern. Die Stadt und die MEG (Mülheimer Entsorgungsgesellschaft) haben bereits damit begonnen, Sammelstellen für die Abfallbehälter der 109 Haushalte in der Siedlung einzurichten. Den Anwohnern stinkt das gewaltig – sie fühlen sich vor vollendete Tatsachen gestellt und wollen sich wehren.

Eva Heintzen könnte bald auf bis zu 66 Mülltonnen vor ihrem Haus blicken. „Immer dann, wenn grüne und braune Tonnen gleichzeitig geleert werden“, sagt sie. Neben ihrem Einfamilienhaus an der Westminsterstraße 111 wird in den nächsten Tagen eine von insgesamt acht Sammelstellen errichtet. 33 Haushalte müssen ihre Mülltonnen ab dem 14. April dort platzieren. Als Tagesmutter sei sie dadurch beruflich gefährdet. „Wenn Eltern den ganzen Müll sehen, drehen sie wieder um.“

„Einige Nachbarn müssen ihre Tonnen dann bis zu 100 Meter weit ziehen“, sagt auch Marc Herrschaft. Gleich neben seinem Garten an Haus Nr. 22 haben Arbeiter bereits Steinplatten für einen Sammelplatz mit 14 Tonnenplätzen verlegt. „Das wird eine erhebliche Geruchs- und Lärmbelästigung geben“, sagt der Hausbesitzer. Vor allem ärgert ihn „die schlampige Planung der Stadt“. Als die Siedlung 2001 gebaut wurde, sollten die Straßen eine Breite von 3,50 Meter aufweisen. „Manche Straßen sind aber nur 3,30 Meter breit. Anscheinend hat das damals niemand kontrolliert.“ Eng ist es also für die circa 2,50 Meter breiten Müllwagen. In der Tat müssen die Müllwerker rückwärts in die Spielstraßen rangieren, am Ende können sie den Wagen nicht wenden. „Das klappt seit zwölf Jahren“, sagt Herrschaft. „Warum jetzt nicht mehr?“

Stadt und MEG stecken in der Zwickmühle. Eigentlich, erklärt MEG-Chef Jürgen Jeppel, „ist es rechtlich so, dass wir gar nicht rückwärts in die Straßen fahren dürfen“. Passiere ein Unfall, machen sich Fahrer und Geschäftsführung strafbar. Aber erst vor einem halben Jahr hatten Mitarbeiter auf den Missstand aufmerksam gemacht, dass die Straßen zu eng sind. „Da mussten wir uns eine Lösung überlegen.“

Die Breite der Straßen sei richtig vermessen, denn: „In der Siedlung war es planerisch nie vorgesehen, dass dort ein Müllwagen durchfahren soll“, erklärt Stadtsprecher Volker Wiebels. Von Anfang an seien Sammelplätze vorgesehen gewesen, die allerdings nie in Anspruch genommen wurden. Wahrscheinlich habe sich die Abholung vor der Haustür schleichend ergeben, ohne dass es jemandem aufgefallen sei. „Natürlich ist es eine missliche Lage für die Anwohner, aber es lässt sich leider nicht anders regeln“, wirbt Wiebels um Verständnis.