Mülheim verpasst Energie-Förderung

Foto: WAZ FotoPool

Mülheim.  Beim Ausbau der Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) muss die Stadt eine Absage einstecken: Anfang des Jahres hatte sich Mülheim beim Umweltministerium um Förderung beworben – und nun eine Absage erhalten. „Wir hatten gehofft, an dem 25-Millionen-Euro-Topf partizipieren zu können“, sagt Oberbürgermeisterin Dagmar Mühlenfeld. Und erklärt: „Nun werden wir eigene Finanzierungswege finden.“ Mit privaten Partnern wie der Medl soll der Ausbau trotzdem weiter gehen.

Das Ziel ist klar: Bis 2030 soll der CO2-Verbrauch pro Kopf halbiert werden. Das System der Kraft-Wärme-Koppelung trage viel zu diesem Ziel bei und sei doppelt so effizient wie herkömmliche Kraftwerke, meint der Energieversorger Medl. Wer eine KWK-Anlage besitze, senke den eigenen Energieverbrauch um bis zu 25 Prozent, die CO2-Emissionen um rund ein Drittel.

18 solcher KWK-Kraftwerke produzieren bereits Strom und Wärme im Stadtgebiet, 21 zusätzliche sollen in naher Zukunft entstehen. Etwa am Neubau der Hochschule Ruhr West, im Rahmen der Erweiterung des Max-Planck-Instituts oder im Bereich der Salzgitter Mannesmann Röhrenwerke. Die zusätzlichen Finanzmittel hätte Mülheim gut gebrauchen können. „Wir verlieren dadurch an Geschwindigkeit in der Umsetzung der Ziele“, erklärt Klaus Beisiegel, Referent im Planungsamt. Doch: „Es ist zwar schade, aber es hat auch Vorteile“, sagt Beisiegel. „So sind wir flexibler – freier in Gestaltung und Auswahl der Standorte.“

Auch Medl-Geschäftsführer Hans-Gerd Bachmann weiß, dass zusätzliche Fördergelder den Ausbau beschleunigt hätten. Denn die Medl investiert bereits seit Jahren massiv in diese dezentrale Art der Energieversorgung. „Von den 18 Standorten sind 13 Mikro-KWKs, die Ein- bis Zwei-Familienhäuser versorgen“, erklärt Bachmann. „In Broich stehen drei Motoren, an der Boverstraße sind es zwei.“ Allein vom Standort in Broich aus generieren drei gigantische Motoren Wärme und Strom für einen großen Teil der Innenstadt, 15 000 Haushalte werden von dort aus versorgt. „Von der Boverstraße aus sind es ca. 8000 Haushalte.“ Noch viel mehr private Haushalte und öffentliche Einrichtungen sollen angeschlossen werden. Daher seien weitere Projekte geplant: etwa mit Wohnungsbaugesellschaften und Krankenhäusern.

Info:

Der Pro-Kopf-Energieverbrauch konnte in den vergangenen Jahren bereits gesenkt werden: Verbrauchte ein Mülheimer 1990 noch 12,1 Tonnen C02 im Jahr, waren es 2010 „nur“ noch 9,8 Tonnen. Auf einen Verbrauch von etwa 6 t pro Kopf will die Stadt bis 2030 hinarbeiten.

Die Medl berät Privatkunden, die Strom und Wärme über ein Mini-KWK erzeugen wollen. Energieberatungen führen auch die Verbraucherzentralen durch.

 
 

EURE FAVORITEN