Mülheim

Mülheim: „Tod den Kanaken“! Familie erlebt schockierendes Déjà-vu

Unbekannte haben die Haustür einer türkeistämmigen Familie in Mülheim mit „Tot den Kanacken“ verunstaltet.
Unbekannte haben die Haustür einer türkeistämmigen Familie in Mülheim mit „Tot den Kanacken“ verunstaltet.
Foto: Privat

Mülheim. Trauriges Déjà-vu für eine Familie in Mülheim!

Am 5. November hatte DER WESTEN über einen rechtsradikalen Vorfall in Mülheim-Speldorf berichtet, als das Haus von Familie Büyüktürk mit mehreren Hakenkreuzen beschmiert worden war. Sogar das Auto der türkeistämmigen Familie war mit der Aufschrift „Kanaken raus“ verunstaltet worden. Dabei lebt die Familie seit Jahrzehnten im Ruhrgebiet und hat sich in Mülheim einiges aufgebaut.

Jetzt ist ein ganz ähnliches Verbrechen im gutbürgerlichen Stadtteil begangen worden – und zwar am Nachbarhaus der damals betroffenen Familie Büyüktürk!

Mülheim: „Tod den Kanaken“!

Die Haustür von Familie Katircioglu ist in der Nacht vom 14. auf den 15. März mit Filzstiften vollgeschmiert worden. Die widerwärtige Botschaft des Täters mit falscher Rechtschreibung: „Tod den Kanaken!“ Die betroffene Monika Katircioglu ist geschockt, sagt zu DER WESTEN: „Wir sind sprachlos. Wir sind glimpflicher davon gekommen als meine Nachbarn damals, bei uns wurde 'nur' die Haustür mit Edding vollgeschmiert. Die Fassade und die Autos wurden verschont.“

Sie sieht Parallelen zur Schand-Tat vom November 2020: „Es scheint, dass es der gleiche Täter ist. Die Schrift sieht gleich aus, dazu kommen die gleichen Rechtschreibfehler und der Täter hatte damals ebenfalls wie aktuell einen schwarzen Edding benutzt.“ Sie habe bereits Anzeige bei der Polizei erstattet, die Ermittlungen laufen.

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Das ist die Stadt Mülheim an der Ruhr:

  • wurde 1093 erstmals urkundlich erwähnt, 1808 wurden die Stadtrechte verliehen
  • liegt zwischen Duisburg, Essen und Düsseldorf
  • hat 170.632 Einwohner (Stand: Dezember 2019), besteht aus neun Stadtteilen in drei Stadtbezirken
  • Oberbürgermeister ist Marc Buchholz (CDU)

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Die Frau kann sich nicht erklären, warum jemand türkenfeindliche Parolen am Eigentum anderer schmiert. Monika Katircioglu: „Wir wohnen schon seit 21 Jahren in Mülheim-Speldorf in diesem Haus. Wir haben es aufwendig saniert, genauso wie unser Nachbar. Wir hatten nie Probleme mit der Nachbarschaft gehabt. Und jetzt das.“

Mülheim: Integrationsratsvorsitzender erschüttert! „Besorgniserregend“

Hasan Tuncer (31) ist Integrationsvorsitzender der Stadt Mülheim und erschüttert über die beiden Taten, die sich innerhalb von sechs Monaten in Speldorf ereignet haben. Tuncer zu DER WESTEN: „Für mich als Mensch mit Migrationshintergrund sind die Ereignisse besorgniserregend. Jahrelang sind solche Ereignisse in einer so bunten Stadt wie Mülheim verschollen gewesen. Es macht mich traurig, bestärkt mich auf der anderen Seite wiederum, dass wir noch mehr gegen Rechtsradikalismus tun müssen.“

Gerade im Hinblick auf den „Internationalen Tag gegen Rassismus“ am 21. März sei das wichtiger denn je. Der 31-Jährige weiter: „Das zeigt, dass die Entscheidung, eine Anti-Rassismus-Stelle bei der Stadt einzurichten, richtig war. Es kann nicht sein, dass man Menschen, die fester Bestandteil des Mülheimer Bürgertums sind, einschüchtern will und verbale Gewalt anwendet.“

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Mülheim: Staatsschutz ermittelt – Polizei bittet um Hinweise

Ein Sprecher der Polizei bestätigt gegenüber DER WESTEN, dass der Staatsschutz eingeschaltet worden sei. Zeugen können Hinweise unter der 0201 8290 machen.

Es bleibt zu hoffen, dass der oder die Täter endlich gefasst werden.