Mülheim

Mülheim: Mann reist 16.000 (!) Kilometer ins Ruhrgebiet – um eine ganz spezielle Sache zu kaufen

Die Kölner Straße in Mülheim ist als Caravan-Meile weltberühmt.
Die Kölner Straße in Mülheim ist als Caravan-Meile weltberühmt.
Foto: Daniel Sobolewski / DER WESTEN

Mülheim. Aus Amerika, aus China, aus Neukaledonien reisen Menschen nach Mülheim – alle auf der Suche nach einem neuen Zuhause.

Nein, sie wollen hier nicht wohnen. Sie wollen ihr neues Zuhause mitnehmen.

Das Ziel der „Pilger“ ist immer das gleiche: Alle reisen zur Kölner Straße. So schnöde die B1 in Mülheim aussieht: Sie ist als „Caravan-Meile“ weltweit bekannt.

Mülheim: Caravan-Meile Kölner Straße ist weltberühmt

Die Caravan-Meile ist, so könnte man sagen, das Mekka der Wohnmobil-Liebhaber.

Unglaubliche 14 Caravan-Händler haben sich über die Jahrzehnte dort angesiedelt und bieten Käufern eine Auswahl, wie es sie an wohl keinem anderen Fleck auf der Welt gibt.

Einen riesigen Anteil daran hat Maria Dhonau (80). Unfassbar: Sie verkauft hier seit über 50 (!) Jahren Wohnwagen und Wohnmobile – und hat längst Kult-Status.

Gegenüber DER WESTEN verrät Dhonau, wie die Kölner Straße zur Caravan-Meile wurde.

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1958 witterte Wolfgang Thrun seine Chance, die „Reiseanhänger“-Produktion seines Chefs Erwin Kiel zu übernehmen.

Thrun verlegte den Firmensitz in eine alte Seilfabrik auf der Kölner Straße in Mülheim – genau dorthin, wo Maria Dhonau heute im „Hymer Zentrum B1“ Caravans verkauft.

Mitarbeiter machten sich selbstständig – und so die B1 zur Caravan-Meile

Mitarbeiter des Unternehmens, das inzwischen T.E.C. hieß und bis 2013 Wohnmobile produzierte, machten sich in den 60ern auf Anraten von Thrun mit eigenen Caravan-Verkäufen auf der Kölner Straße selbstständig – die Geburt der Caravan-Meile.

Seit 1968 ist Maria Dhonau eine der Verkäuferinnen auf der Caravan-Meile – aber längst nicht irgendeine. Selbst Camperin mit Leidenschaft, arrangierte sie geführte Kundenreisen, um die ein derartiger Kult entstand, dass irgendwann 84 Wohnmobile in einer Schlange ins Tecklenburger Land fuhren und auf einem Sportplatz campten.

Das „Kundentreffen“, das Dhonau 1974 initiierte, wurde von den Kunden kurzerhand in „Maria-Tag“ umbenannt und feierte 2013 sein 40. Jubiläum.

Maria Dhonau: Sohn Kai eröffnet Caravan-Messe in China

Inzwischen hat Maria Dhonau die Geschäftsleitung an ihren Sohn Kai übergeben. Der wollte eigentlich ins Bankwesen, gestand sich aber irgendwann ein: „Ich wurde in einem Caravan gezeugt, ich bin Camper, davon komme ich nicht los.“ Im Juni wird Kai Dhonau als ein Star der Szene die Caravan-Messe in China eröffnen.

Auch von dort reisen immer wieder Menschen an die Kölner Straße nach Mülheim, um hier ihren Caravan zu kaufen. Erst vor wenigen Jahren kam ein Kunde aus Neukaledonien – noch hinter Neuseeland im Südpazifik – zu Maria Dhonau, reiste mehr als 16.000 Kilometer. „Er kaufte mir mein altes Wohnmobil ab“, schmunzelt die Kult-Verkäuferin. „Das fährt jetzt durch Neukaledonien.“

Auch heute, in Zeiten des Internets, boomt das Geschäft auf der Caravan-Meile. Der Grund: Die Kölner Straße ist wie eine ganzjährige Messe. Fast 1000 Mobile Heime anfassen, vergleichen, probefahren – das kannst du im Internet nicht.

 
 

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