Mülheim litt mit dem zerstörten Bogenschützen

Der zerstörte Bogenschütze, hier mit  mit Kunsthistoriker Dr. Gerhard Ribbrock, wird derzeit noch rekonstruiert. Im Frühjahr soll die Skulptur wieder ins Luisental zurückkehren. Foto: Walter Schernstein
Der zerstörte Bogenschütze, hier mit mit Kunsthistoriker Dr. Gerhard Ribbrock, wird derzeit noch rekonstruiert. Im Frühjahr soll die Skulptur wieder ins Luisental zurückkehren. Foto: Walter Schernstein
Foto: Walter Schernstein
In der Nacht vom 3. auf den 4. Mai wird der Bogenschütze, die Skulptur, die der bedeutende Mülheimer Künstler Hermann Lickfeld 1935 schuf, von unbekannten Tätern im Luisental gestohlen. Es ist der traurige Höhepunkt in einer Reihe von Metalldiebstählen.
  • Wach wurde ich durch das Suren eines Motors. Eigentlich fährt hier niemand lang, schon gar nicht nachts. Wo wollen die hin? Komisch, die fahren auf mich zu. Halten neben mir. Sie machen das Licht aus, steigen aus, laufen um mich herum. Was wollen die? Dann geht die Klappe des Lasters. Hilfe, man legt ein Tau um mich herum, zieht es fest. Ich kippe vom Sockel, werde auf den Laster gehoben. Was muss ich mit 76 Jahren noch durchmachen!

Mülheim.. In der Nacht vom 3. auf den 4. Mai wird der Bogenschütze, die Skulptur, die der bedeutende Mülheimer Künstler Hermann Lickfeld 1935 schuf, von unbekannten Tätern im Luisental gestohlen. Es ist der traurige Höhepunkt in einer Reihe von Metalldiebstählen. Metall wird zu immer höheren Preisen gehandelt. Erst wenige Wochen zuvor wurden drei der vier Bronzeplatten neben dem Kortumbrunnen an der Petrikirche gestohlen. Und im Stadtgarten hatten Diebe nachts mehrere große Spielgeräte aus Edelmetall abgebaut. Für die Stadt ist es nicht nur ein materieller Schaden, vor allem ein ideeller.

Der Verlust schockiert viele Mülheimer. Der verschwundene Bogenschütze ist für viele der Ausdruck von einem um sich greifenden Vandalismus, den vor allem in diesen Tagen die Mülheimer Bürgerstiftung massiv beklagt. Es ist ein Stück liebgewonnene Heimat, ein Stück Identität, die gestohlen geht.

Ich weiß nicht, wohin sie mich bringen. Ich ahne mein Schicksal: einschmelzen. Dieses Schicksal drohte mir schon einmal. Im Krieg wurde ich auch von meinem Sockel gehoben, damals stand ich am Goetheplatz im Dichterviertel. Für eben diesen Platz hatte mich mein Meister im Auftrag der Stadt erbaut. Doch die Nazis wollten plötzlich für ihre Rüstung alles Metall einschmelzen. Ich hatte damals noch Glück, landete als unerkanntes Kunstwerk auf einem Schrottplatz in Hamburg. Ich war später froh, wieder in meine Heimat Mülheim zu kommen, ins schöne Luisental. Und jetzt: Man reißt mir einen Arm ab, schneidet mir das Gesicht weg. Vorbei?

Wohl durch die breite Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit bekommen die Täter es mit der Angst zu tun. Ein Verkauf der Skulptur wird zum Risiko, sie packen das Kunstobjekt auf den Wagen und bringen es heimlich zum Auberg.

  • In einem Waldstück laden sie mich ab. Da wusste ich noch nicht, dass auf mich eine Belohnung ausgesetzt war.

Ingo Korten, ein Radfahrer, wird sie bekommen. Er stößt eines Abends bei einer Tour auf den Korpus, fotografiert ihn und mailt das Bild der Polizei. Die gute Nachricht verbreitet sich schnell. Die Feuerwehr birgt den 1,5 Tonnen schweren Bogenschützen. Arm und Gesicht sind nicht zu finden. Dafür stößt die Polizei auf zwei Tatverdächtige, zwei Mülheimer. Der Fall geht an die Staatsanwaltschaft und ist an die Polizei wieder zurückgegeben worden. Ein Gutachten zum Spurenvergleich muss nun vom LKA erstellt werden.

  • Mich bringen sie nach Duisburg zu einem Schmied. Ich soll wieder den fehlenden Arm erhalten, mein Gesicht will er nach Fotos rekonstruieren. Zum Glück gibt es zahlreiche Bilder von mir, die die Mülheimer gemacht haben. Im Frühjahr könnte ich ins Luisental zurückkehren, wenn auch nicht mehr an die gleiche Stelle. Ich soll auffälliger stehen, besser gesehen werden, falls wieder Diebe kommen. Egal wo, Hauptsache gerettet.
 
 

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