Mülheim kauft Straßenbahnen für 28 Millionen Euro - will Schienenverkehr aber reduzieren

Abschied von der Straßenbahn? Dagegen demonstrierten Beschäftigte der MVG am Rande der Ratssitzung. Der Mülheimer Stadtrat beschloss am Ende, neue Bahnen für rund 28 Millionen Euro zu kaufen. Mittelfristig soll der Schienenverkehr aber reduziert werden.
Abschied von der Straßenbahn? Dagegen demonstrierten Beschäftigte der MVG am Rande der Ratssitzung. Der Mülheimer Stadtrat beschloss am Ende, neue Bahnen für rund 28 Millionen Euro zu kaufen. Mittelfristig soll der Schienenverkehr aber reduziert werden.
Foto: Stephan Glagla / WAZ FotoPool
In der Nahverkehrs-Debatte ist der Abschied von der Straßenbahn in Mülheim vorerst wieder weiter in die Ferne gerückt. Der Stadtrat beschloss am Donnerstag, neue Straßenbahnen für rund 28 Millionen Euro zu kaufen. Mittelfristig soll der Schienenverkehr aber reduziert werden.

Mülheim.. Weitere zehn neue Niederflurbahnen für rund 28 Mio. werden bis zum Ende des Jahres bestellt. Das beschloss der Rat am Donnerstag mit großer Mehrheit. Damit erhält die MVG insgesamt 15 neue Bahnen. 25 hatte sie sich gewünscht.

Von einem Ausstieg aus der Schiene könne folglich keine Rede sein, betont der CDU-Fraktionschef Wolfgang Michels. Sein Kollege Dieter Wiechering hebt hervor, dass es der SPD „um einen pünktlichen, sauberen, sicheren und wirtschaftlichen Nahverkehr“ geht. Und: Es gehe nicht um den Abschied von der Schiene.

Weniger Straßenbahnen, dafür mehr Busse

Wohl aber wird es um die Reduzierung des Schienenangebotes und den gleichzeitigen Ausbau des Busangebotes in den Diskussionen der nächsten Monate gehen müssen. Die Kosten für den Schienenverkehr in den nächsten 30 Jahren bezifferte der Chef der städtischen Beteiligungsholding, Hendrik Dönnebrink, auf 600 Mio. Euro.

Nicht finanzierbar, unterstreicht der Kämmerer Uwe Bonan und appelliert an die Politik, einen wirtschaftlicheren Kurs zu fahren. Wo immer möglich und wo es ohne Angebotsverschlechterung für den Bürger möglich ist, soll mittelfristig der Bus die Bahn ablösen.

In der Belegschaft der Mülheimer Verkehrsgesellschaft sorgt dies bereits für erhebliche Unruhe. Angst um Arbeitsplätze macht sich breit. Vor der Ratssitzung demonstrierten rund 100 Beschäftigte für den Erhalt des Schienenverkehrs. Verwaltung wie Politik machten jedoch deutlich: „Es geht nicht um Privatisierung und nicht um einen Abbau von Arbeitsplätzen.“

Schienennetz und Bahnen in Mülheim sind marode

Seit drei Jahren führt Mülheim die Nahverkehrsdebatte, mehrere Gutachten liegen inzwischen vor, haufenweise Zahlen, Unterschriften, Wünsche, Warnungen. Fakt ist, das Schienennetz und ein Großteil der Bahnen sind völlig marode. Für Wiechering ein Problem vieler Städte, die die Sanierung und Erhaltung nicht alleine leisten können.

Höhere Steuern oder weniger Kultur für den Erhalt des ÖPNV will kein Politiker riskieren. „Bund und Land müssen helfen.“

Kommentar Zudem fordert die SPD kurzfristig von der Stadtverwaltung eine Machbarkeitsstudie: Welches Nahverkehrsangebot kostet was, wo ist Bus statt Bahn zu welchem Preis möglich, welche Fördermittel müsste die Stadt zurückzahlen, wenn sie die Schiene stellenweise verlässt?

Die Grünen plädieren für ein Rats-Hearing mit Experten. Und auch der Bürger soll in die Pflicht genommen werden: Am Ende könnte ein Ratsbürgerentscheid den Ausschlag darüber geben, ob die Mülheimer künftig öfter auf Schiene oder auf Gummi fahren.

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