Mülheim enttäuscht über Absage der Konzertreihe "Meine Stadt Live"

Wenig los auf dem Synagogenplatz mit Hajek-Brunnen. Medienhaus, Kunstmuseum, Rick’s Café, MST und weitere bemühen sich, mehr Leben in die Innenstadt zu bringen. Nach nur einem Konzert gab ein Siegener Veranstalter auf.
Wenig los auf dem Synagogenplatz mit Hajek-Brunnen. Medienhaus, Kunstmuseum, Rick’s Café, MST und weitere bemühen sich, mehr Leben in die Innenstadt zu bringen. Nach nur einem Konzert gab ein Siegener Veranstalter auf.
Foto: Hans Blossey
Die Siegener Joko Promotion hat eine Fortsetzung der Konzertreihe "Meine Stadt Live" auf dem Synagogenplatz abgesagt. Nur 60 Mülheimer waren in der Spitze zu den Veranstaltungen gekommen. Zu wenig - um Gewinn zu erzielen seien 700 Besucher nötig, besser mehr.

Mülheim. Nach einer aktuellen Passantenfrequenz-Zählung in meistbesuchten Einkaufsmeilen landete die Mülheimer Schloßstraße landesweit auf dem letzten Platz und liegt im Bundesvergleich von 170 untersuchten Einkaufsstraßen auf Rang 165. Das Frankfurter Beratungsunternehmen Jones Lang LaSalle hat an einem Samstag im April, von 13 bis 14 Uhr, die Besucher in den Innenstädten gezählt. In Mülheim waren es nur 970 Menschen, die auf der Schloßstraße gesichtet wurden.

Damit ist die Innenstadt noch einmal richtig abgerutscht, denn im Durchschnitt der Ergebnisse aus den jährlichen Zählungen von 2003 bis 2012 waren es 2725 Passanten auf der Schloßstraße. Nach der Studie rangiert sogar Oberhausen mit der Marktstraße bundesweit auf Platz 76, landesweit im Mittel und somit noch weit vor Mülheim. In NRW wurde in 33 Städten gezählt. Auf den ersten drei Plätzen: Köln, Düsseldorf und Dortmund. Die drei Schlusslichter: Remscheid, Hamm und Mülheim.

Veranstalter sieht keine Chance

Vielleicht war der müde Lauf in der Innenstadt auch ein Grund dafür, dass die Siegener JoKo Promotion nach nur einem Konzert die Reihe „Meine Stadt live“ mit fünf weiteren geplanten Konzerten auf dem Synagogenplatz Knall auf Fall absagte. „Wir machen die Reihe seit vielen Jahren in bis zu acht Städten“, sagt Nicole Williams von JoKo, „aber so etwas wie in Mülheim, dass nur 30 Leute auf dem Platz standen, ist uns noch nicht passiert.“ Wenngleich es in der Spitze so 50, 60 Mülheimer waren, die das Angebot durchweg dankbar begrüßten.

Man sei sich dessen bewusst, dass eine neue Stadt eine gewisse Aufbauarbeit brauche, so Williams. „Aber in Mülheim sehen wir keine Chance, diese Aufbauarbeit zu leisten und die Verluste nicht ins Unermessliche steigen zu lassen.“ Die Konzerte ohne Eintritt ließen sich nur über den gastronomischen Umsatz, den Verkauf von Festivalbechern (3 €) und einer Besucherzahl von mindestens 700 rechnen. „Zahlen, die wir in anderen Städten erreichen“, so Williams. Im besten Fall 1200 bis 1700.

Die plötzliche Absage, so Bernd Westhoff, Veranstaltungsleiter bei der MST, „hat mich kalt erwischt“. Es sei schade und sehr enttäuschend: „Von einem professionellen Veranstalter erwarte ich ein ganz anderes Verhalten.“ Man könne nicht davon ausgehen, „dass bei der ersten Veranstaltung die Hütte brennt“. Die Absage im harschen Ton sei eine Ohrfeige für die Stadt: „Man kann doch nicht einfach sagen, die Stadt tauge nichts.“

Geduld ist vonnöten

Jeder, der in der Veranstaltungsbranche tätig sei, wisse, dass sich so etwas erst etablieren müsse. „Da braucht man Durchhaltevermögen“, so Westhoff. Manchmal dauere es zwei bis drei Jahre, bis solch eine Reihe aufgebaut sei. Und bei der wenigen Werbung könne man auch nicht erwarten, dass die Menschen in Massen kommen. Um die Innenstadt mehr zu beleben, hatte die MST mit JoKo einen Partner für die Konzerte gefunden. Die MST habe dabei eher die Rolle des Türöffners zu Ämtern und Behörden gehabt. Wenn das Konzert nun Miese eingespielt habe, „dann ist die MST damit nicht belastet“, so Westhoff: „Wir stecken da zum Glück nicht mit einem Euro drin.“

Wie man quasi mit null Euro und rein ehrenamtlich die Freilichtbühne mit teils 1000 Menschen voll bekommt, zeigt die Regler Produktion. Eine Reihe nach der anderen läuft auf der Bühne im Grünen. Nach einem jahrelangen Schattendasein ist die Freilichtbühne als Kulturort etabliert. Aber das ging auch nicht von heute auf morgen. „Gut fünf Jahre haben wir schon gebraucht“, sagt Peter-Michael Schüttler von den Reglern.

Die Idee mit den Konzerten auf dem Synagogenplatz findet er sehr gut, „aber der Termin ist unglücklich gewählt“. Donnerstags kämen die Mülheimer zur Kleinkunst auf die Freilichtbühne. Zudem wäre es auf dem Synagogenplatz Anfang August zu einer Doppelung gekommen von Konzert und Singabend im Medienhaus. „Man kann nicht eine Reihe so plötzlich reinwerfen mit Bands, die keiner kennt.“ Eine bessere Abstimmung sei da wichtig, so Schüttler. Und das Publikum in Mülheim „ist nicht unendlich“. Die Konzertabsage wird jetzt auch politisch brisant. Die MBI verlangen eine „lückenlose Er- und Aufklärung“.

 
 

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