Mit intensiver Gestaltungskraft

Mit einem besonders aparten Programm warteten das Philharmonische Staatsorchester Mainz unter der Leitung von Vladimir Stoupel und die Geigerin Judith Ingolfsson im letzten Sinfoniekonzert vor Weihnachten auf: Französische Musik des „fin de siècle“ zwischen Wagnerischer Harmonik und französischem Esprit.

Zu Beginn Ravels „Menuet antique“, sein erstes in der Klavierfassung veröffentlichtes Werk, typisch für die damalige französische Rückbesinnung auf Formen des Rokoko, hier noch kräftig zupackend, nicht die atmosphärische Beschwörung einer erträumter Vergangenheit wie später im Impressionismus.

Die Geigerin Judith Ingolfsson präsentierte zwei öfter gespielte Werke für Solo-Violine und Orchester: Ernest Chaussons „Poème“ nach Turgeniews „Erste Liebe“ und „Introduction und Rondo capriccioso“ von Saint-Saens.. Mit intensiver Gestaltungskraft gelang es ihr, sich in die intimsten Nuancen wie in die ausladendsten Momente einer in hochromantischer Harmonik verästelten Musik einzudringen. Saint-Saens, oftmals als rasantes Virtuosenstück geboten, gewann in spannungsvoller Plastizität beredtes inneres Leben.

Höhepunkt im zweiten Teil:die d-moll-Sinfonie von César Franck: Meist kurze, proteushafte Motive wandern oder fliegen durch den scheinbar grenzenlosen Raum der Tonalität, bilden Metamorphosen, ballen sich zu Gebilden von erratischer Wucht zusammen, wie in einem Naturvorgang, bei dem sich alles in alles verwandeln kann und am Ende alle Gestalten in einer Synthese sich finden.Einen solchen Vorgang Klang werden zu lassen, erfordert ein enormes Gespür und eine entsprechende spielerische Flexibilität. Dass Dirigent und Orchester über beides in hohem Maße verfügten, machte dieses nicht leicht zu rezipierende Werk zu einem besonderen Erlebnis.

 
 

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