Mexiko trifft Mülheim

Im deutsch-mexikanischen Jahr wird in der Galerie an der Ruhr die Kulturroute aufgemacht. In der alt ehrwürdigen Nedelmann-Villa an der Ruhrstraße 3/Ecke Delle gibt’s Kunst auf 700 qm² über drei Etagen bis in den letzten Winkel des Hauses. Während im Erdgeschoss die Werke von 35 Künstlern aus Mexiko hängen, präsentieren sich Mülheimer Künstler in der zweiten Etage, um das Interesse für ihre „Offenen Ateliers“ am Wochenende, 5. und 6. November, zu wecken, die übers Stadtgebiet zerstreut sind.

Und auch die Kreativen, die ihre Arbeitsräume direkt in der Galerie an der Ruhr haben, freuen sich heute, Samstag und Sonntag auf Besuch: Geballte Kunst in der Galerie an der Ruhr – über den Atlantik hinweg.

Über lange Kontakte zur Gesellschaft „Sociedad Mexicana de Acuarelistas“ in Mexiko Stadt verfügt die Mülheimer Künstlerin Karin Dörre, die diese Ausstellung organisierte. Der Ausstellungstitel „Fiesta der Farben und Gefühle“ trifft den Kern der Schau mit Aquarellen: fröhlich, bunt, impulsiv und expressiv im Stil – eben so, wie man sich Land und Leute vorstellt. Da gibt’s tanzende Frauen, typische Familien, folkloristisch geprägte Motive, üppig blühende Landschaften im explodierenden Farbenrausch oder das Porträt des wohl bekanntesten mexikanischen Kunstexports: die Malerin Frida Kahlo. Doch auf den zweiten Blick haben die Bilder etwas Überraschendes, andere geben deutlich den Blick auf die Schattenseiten des Lebens weiter: Wie das Porträt eines Jünglings „for sale“, also zum Verkauf für 567 Dollar. „Aquarell-Malerei hat in Mexiko eine lange Tradition“, weiß Karin Dörre: „Die Darstellungen sind vielfach fremd für unsere Augen. Und das ist auch der Sinn dieser Ausstellung.“ Es lohnt sich, sich auf die Werke einzulassen, denn sie erzählen ganze Geschichten. Verblüffend ist auch, wie exakt den Künstlern die Linienführung bei der Aquarell-Malerei gelingt: fotografisch und gestochen scharf ist beispielsweise die Ansicht einer Kirche.

„Wir wollen die Freude an der Kunst öffnen“, sagt Galerist Ivo Franz, „und die Frage ist, wie kriegen wir auch junge Leute ins Haus?“ Deshalb hat er diesmal noch ein Schüppchen mehr drauf gesetzt. Ermutigt von den „Mülheimer Kunsttagen“ und den Offenen Ateliers im vergangenen Jahr mit rund 700 Besuchern, erweiterte er den kreativen Parcours um die Mexiko-Schau, die Arbeiten der Mülheimer sowie die Lesung von Inge Fleischer (Samstag, 19 Uhr).

Und zu Ehren des Mülheimer Künstlers Ernst Rasche, der am 24. November 90 Jahre alt wird, steht mit der Enthüllung einer großformatigen Grafik von Rasche am heutigen Freitagabend, 18.30 Uhr, ein Höhepunkt an: doppelt überraschend, weil Rasche den meisten als Bildhauer bekannt ist.

Wem die Werke der Mülheimer Künstler gefallen, kann sich mit einem originellen Rollermobil zu den Ateliers im Stadtgebiet chauffieren lassen (s. nebenstehend).

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