Metropolrad kommt in Tritt

In Mülheim wurden bislang 6384 Räder entliehen. In Bochum waren es im Spitzenmonat 8000.
In Mülheim wurden bislang 6384 Räder entliehen. In Bochum waren es im Spitzenmonat 8000.
Foto: Ingo Otto / WAZ FotoPool
Ende Oktober lagen die Ausleihzahlen in Mülheim schon deutlich über dem Gesamtergebnis des Vorjahres. Ein Spezialangebot für die Hochschule ist in Vorbereitung. An der Uni in Bochum sind die Räder ein Renner

Mülheim. Das im Kulturhauptstadtjahr an den Start gegangene Metropolrad ist noch nicht über den Berg, aber es geht auch ohne Stützräder weiter bergauf. Mit einer Bundesförderung in Höhe von 1,7 Millionen Euro war das Mietradsystem mit 3000 Rädern und 300 Stationen in zehn Städten eingeführt worden und strampelt sich seitdem eher mühsam ab. „Wir müssen uns aus keiner Stadt zurückziehen und schon gar nicht aus Mülheim“, sagt Mareike Rauchhaus, Sprecherin des Betreibers Nextbike. Allerdings könne nicht jeder Standort gehalten werden.

Jede Entleihstation werde auf ihre Wirtschaftlichkeit und ihre Bedeutung im gesamten Netzwerk hin bewertet. Entscheidungen sollen dann voraussichtlich im Winter getroffen und dann im Frühjahr umgesetzt werden. Die Frequenz in den einzelnen Städten und an den Entleihpunkten ist sehr unterschiedlich.

Schon jetzt liegen die Entleihzahlen im Ruhrgebiet wie in Mülheim über der Gesamtbilanz des vergangenen Jahres. Mit 6384 Entleihungen bis Ende Oktober liegt Mülheim (Platz 5) mit deutlichem Abstand vor Oberhausen. Im gesamten Vorjahr wurden die Räder 4607 Mal ausgeliehen. Frank Schellberg, Geschäftsführer der PIA-Stiftung, die beim Metropolrad für Rückenwind sorgen soll, geht davon aus, dass die 7000er-Marke in diesem Jahr noch übersprungen werden kann. Insgesamt legte das System von 100.000 auf bislang 153.000 Entleihungen zu.

Juli war der erfolgreichste Monat

Erfolgreichster Entleihmonat war in Mülheim bislang der Juli mit 800 Rädern. Bezogen auf die 150 Räder, die in der Stadt zur Startphase verfügbar waren, ist das zwar immer noch eine miserable Auslastung, wichtig sei aber, dass Räder verfügbar seien, wenn sie gebraucht werden. Man halte sich auch nicht mehr an die Sollstärken, so Schellberg, sondern orientiere sich an der jeweiligen Nachfrage, so dass weniger Räder im Umlauf sind. So stehen an schwach funktionierenden Stationen auch manchmal nur ein oder zwei Räder.

Nach einigen Jahren wisse man aus Erfahrung, wie stark die Nachfrage an den einzelnen Standorten sei. Beschwerden seien zu ihm noch nicht durchgedrungen, so Schellberg. In Bochum könnte es dagegen schon mal zu Engpässen kommen. Im stärksten Monat wurde das Fahrrad hier 8000 Mal, also zehnmal so stark genutzt wie in Mülheims bestem Monat.

Beste Kunden sind hier die Studenten, denen mit dem Campusrad ein besonders attraktives Angebot gemacht wird. Über den Sozialbeitrag geht ein Grundbetrag an Nextbike. Dafür kann jeder Student ein Fahrrad eine Stunde lang nutzen. Ist er länger unterwegs, werden pro halbe Stunde 50 Cent fällig, maximal sind das fünf Euro pro Tag. Aber schon bei einer kurzen Pause an einer Entleihstation läuft die Uhr von Neuem. Mit dem Campusrad hat sich Bochum auch an die Spitze der Städte katapultiert. „Mit der Hochschule Ruhr West starten wir ein ähnliches Konzept und stehen kurz vor dem Abschluss“, sagt Schellberg. Und noch weitere Hochschulstandorte im Ruhrgebiet würden folgen.

Meiste Ausleihen am Hauptbahnhof

Die Studenten in Mülheim nutzen das Mietrad schon jetzt. In der Rangfolge der Ausleihpunkte sind die beiden Punkte am Hauptbahnhof (auch Bahnkunden profitieren) mit über 1000 Ausleihen zwar vorne, die Styrum-Haltepunkte und die Mühlenstraße sind aber ebenso wichtige Punkte. Auch von dem Radweg auf der Trasse der Rheinischen Bahn versprechen sich die Initiatoren des Metropolrades einen kräftigen Schub.

„Die Mentalität im Ruhrgebiet ist aber immer noch stärker als in anderen Städten auf das Auto ausgerichtet“, bedauert Mareike Rauchhaus von Nextbike. So könnten auch Firmen attraktive Angebote gemacht werden. Einige Firmen würden dies nutzen, andere würden sich wundern, dass sie dafür etwas zahlen müssten. Aber es ist eben doch ein großer logistischer Aufwand mit Call-Center, Fahrradtransport und Wartung. Die Handhabung, die anfangs in der Kritik stand, findet Schellberg einfach. „Fast so einfach wie ein Parkscheinautomat“, sagt er. Beim Bezahlen könne man direkt an der Säule entweder über die Kreditkartenfunktion oder das Lastschriftverfahren gewählt werden. Am meisten werde aber die Handy-App genutzt.

 
 

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