Metropolrad - eine Winterreise

Steffen Tost
Foto: Tom Thöne / WAZ FotoPool
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So richtig rund läuft das Metropolrad noch nicht. Es ist immer noch sehr selten, dass dieses ruhrgebietsweit eingeführte Mietradsystem mit dem orangen Logo im Alltag auffällt. Aber auch organisatorisch hapert es offensichtlich.

In den nächsten Tagen soll jetzt mit den Bauarbeiten für die zweite Ausbaustufe der Entleihstationen begonnen werden, die eigentlich schon zum Saisonstart im Frühjahr realisiert werden sollten. Zum Ende der Saison ist die Erweiterung eigentlich witzlos.

Fehlender Schwung

„Wir haben die Materialien nicht bekommen“, erklärt entschuldigend der Mülheimer Fahrradbeauftragte Helmut Voß. Die Materialien für das nächste Dutzend Stationen sei erst kürzlich eingetroffen. Zu diesem Zeitpunkt hätten aber die Mitarbeiter des Bauhofs dafür, im Gegensatz zum Frühjahr, parat gestanden, sondern hätten anderes zu tun gehabt. Im benachbarten Oberhausen ist das nicht anders. Verantwortlich dafür ist wohl wie im Vorjahr der Kooperationspartner Nextbike aus Leipzig. Dafür soll es zum Saisonstart im nächsten Jahr termingerecht klappen, wenn noch einmal fünf Stationen an den Start gehen.

Die neuen Stationen sind kranzförmig um die Innenstadt angelegt (Goetheplatz, RWE-Halle, Obere Saarlandstraße), außerdem soll es einen Haltepunkt in allen Stadtteilzentren geben. Die bisherigen 13 Stationen konzentrierten sich auf die Innenstadt, so dass dem Projekt auch im zweiten Jahr der richtige Schwung fehlte.

Insgesamt sind beim Metropolrad 3400 Nutzer registriert und wurden die Räder zwischen Januar und September 15 000 Mal bewegt. Im Vorjahr waren es 4000 Ausleihen und 1500 Nutzer. Jede zehnte Ausleihe wurde in diesem Jahr in Mülheim registriert, so Johannes Bachteler, Sprecher des Verkehrsverbundes. Damit steht bei der Ausleihe Mülheim hinter Dortmund und Essen an dritter Stelle. Umgerechnet auf 130 Räder bedeutet das, dass jedes Gefährt in der gesamten Saison nur 11,5 Mal bewegt wurde. Allerdings wurden die Räder stärker am Wochenende im Freizeitverkehr genutzt, statt wie erwartet im Alltagsverkehr. An fünfter Steller der am häufigsten genutzten Stationen insgesamt steht der Wasserbahnhof mit 331 Entleihungen.

Deutlich mehr Schwung erhoffen sich die Beteiligten von der nächsten Saison, da dann die Entleihstationen technologisch erweitert werden sollen. Dann können die Räder dort direkt entliehen werden und die telefonische Bestellung über das Handy fällt weg. „Das ist sicherlich immer noch eine große Hemmschwelle“, ist sich Bachteler sicher. Dann können auch Kunden von Bus und Bahn das Leihfahrrad eine halbe Stunde lang kostenfrei nutzen. In der Kombination könnte das eine gute Alternative zum Auto sein. Neben Inhabern von Abo-Karten wie dem Ticket 2000 gilt diese Regelung auch für Einzelfahrscheine. Schon jetzt sind die regelmäßigen Bahnfahrer unter den registrierten Metropolradkunden stark vertreten. Jeder zweite ist Abonnent beim VRR. Das vom Bundesverkehrsministerium geförderte Projekt wird derzeit von Wissenschaftlern geprüft.

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