Messe in Mülheim liefert Ideen für Arbeitnehmer von morgen

Voll war es auf der Ausbildungsmesse „Berufsstart 2013": 55 Aussteller präsentierten sich in der Mülheimer Stadthalle und rund 1300 Schüler kamen, um sich über mögliche Ausbildungen zu informieren.
Voll war es auf der Ausbildungsmesse „Berufsstart 2013": 55 Aussteller präsentierten sich in der Mülheimer Stadthalle und rund 1300 Schüler kamen, um sich über mögliche Ausbildungen zu informieren.
Foto: Christoph Wojtyczka / WAZ FotoPo
Schon zum sechsten Mal haben sich Mitarbeiter der Sozialagentur, der Agentur für Arbeit und anderer Mülheimer Institutionen zusammengetan, um eine Ausbildungsmesse auf die Beine zu stellen. Die Veranstaltung ist begehrt, sie wächst und wächst. In diesem Jahr sahen sich rund 1300 Schüler vor Ort um.

Mülheim.. Nur im Büro sitzen, nein, das wollte Marijke Hamm nie. Lieber wollte sie einen Beruf erlernen, bei dem sie auch mal vor die Tür kommt und – weit wichtiger noch – bei dem sie anderen Menschen zur Seite stehen kann. Als Marijkes Opa vor einiger Zeit starb, hatte die Jugendliche eine Begegnung, die sie beeindruckte. Die Mitarbeiterin des Bestattungsunternehmens, die damals ins Haus kam, war ein so einfühlsamer Ratgeber, dass es der ganze Familie gut tat. Für Marijke stand bald fest: Ich möchte eine Ausbildung zur Bestattungsfachkraft machen.

Dass das Image ihrer Branche nicht eben hip ist, weiß Marijke. „Es heißt immer, das ist so traurig – dabei stimmt das gar nicht“, sagt die 19-Jährige am Dienstag auf der Ausbildungsmesse in der Mülheimer Stadthalle. Drei Schülerinnen sind am Stand der Aus dem Siepen-Gruppe stehen geblieben, an dem auch Särge aufgebaut sind. „Ich wusste ja gar nicht, wie viel Arbeit beim Bestatter anfällt“, staunt Belgüzanur Cakiroglu (15). Und schon gar nicht wusste sie, dass es „eine Ehre ist, die Toten auf ihrem letzten Weg zu begleiten und eine Verantwortung, wenn Angehörige uns damit beauftragen, den Abschied so schön wie möglich zu gestalten“.

Ein facettenreiches Programm rund ums Thema Ausbildung

Marijke Hamm hat ihren Traumjob gefunden – dass dies auch anderen Jugendlichen gelingen möge, erhoffen sich die Messe-Veranstalter. Bereits zum sechsten Mal haben sich Mitarbeiter des U 25-Hauses der Sozialagentur, der Agentur für Arbeit, der Jobservice GmbH sowie des Bildungsbüros Mülheim zusammengetan und ein facettenreiches Programm rund ums Thema Ausbildung auf die Beine gestellt.

Die rund 1300 Schüler nehmen teil an Workshops zu Einstellungstests und Vorstellungsgespräche. Sie schlendern mit „Messe-Guides“ über den bunten Markt der Job-Möglichkeiten und bleiben stehen, wo es ihnen beliebt. 55 Aussteller präsentieren sich den Arbeitnehmern von morgen, darunter Unternehmen verschiedenster Art, Berufskollegs und die Hochschule Ruhr West. Sie werben mit teils lustigen Ideen um Aufmerksamkeit: So bittet die DAK Gesundheit zum Parcours mit „Rausch-Brille“: Wer sich traut, erfährt, wie sich anderthalb Promille Alkohol auf körperliche Fähigkeiten auswirken können. . .

„Eine prima Gelegenheit, um potenzielle Azubis zu erreichen“

„Die Messe ist eine prima Gelegenheit, um potenzielle Azubis zu erreichen“, lobt Thomas van Elten, Ausbildungsleiter bei der Styrumer Firma Heinrich Tapp, die spezialisiert ist auf Dämmung von Turbinen und ausbildet zum Isolierer, einem eher unbekannten Job. Auf herkömmlichem Wege fänden nur wenige Jugendliche den Kontakt zum Betrieb – „aber nach der Messe letztes Jahr hatten wir regen Zustrom“.

Auch die hiesige Dachdecker- und Zimmerer-Innung nutzt die Messe als Plattform. 35 Azubis hat Sven Meyer, stellvertretender Lehrlingswart, unter seinen Fittichen. Und er hofft auch für die Zukunft auf gute Kräfte. „Gut heißt vor allem qualifiziert.“ Denn heutzutage müsse man sich etwa auch mit bauphysikalischen Zusammenhängen auskennen. So steht denn auch auf dem Innungs-Plakat „Kopfarbeiter mit Vorliebe für Frischluft gesucht“.

 
 

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