Mehr Lebensqualität mit intakten Gelenken

Unfallarzt Dr. Bernd Trappmann erläutert die Anatomie der Gelenke.
Unfallarzt Dr. Bernd Trappmann erläutert die Anatomie der Gelenke.
Foto: WAZ FotoPool

Mülheim. Rund 175.000 Kniegelenk-Prothesen werden deutschlandweit im Jahr eingesetzt, hinzu kommen noch einmal so viele Hüftgelenke. Frakturen und Verschleiß sind die Ursachen. Operieren die Ärzte zu schnell und setzen zu viele künstliche Gelenke ein? Nicht der Arzt, der Patient entscheide, betont Oberarzt Bernd Schwick beim WAZ-Medizinforum am Samstag im Evangelischen Krankenhaus zum Thema „Mein neues Gelenk“.

Schmerzen, Bewegungseinschränkungen, Probleme im Beruf, abnehmende Lebensqualität, psychische Leiden – Gelenkprobleme belasten, wie Schwick aufführt, zum Teil stark. Jeder dritte leidet im Alter an einer Arthrose, der Abnutzung des Knorpels im Gelenk, der den Knochen umgibt und schützt. Nicht jeder Betroffene empfindet die Schmerzen und Belastungen gleich, wie Schwick sagt. Wann und mit welcher Hilfe die Mediziner eingreifen, entschieden Arzt und Patient gemeinsam. Ziel sei es, so die Ärzte, Lebensqualität und Selbstständigkeit möglichst lange jedem zu erhalten.

Körpereigener Knorpel kann Ersatz bilden

Das Alter, so der Unfallarzt Dr. Dirk Trappmann, sei nur eine Ursache für Arthrose. Übergewicht spiele ebenso eine Rolle wie chronische Überlastung der Gelenke, etwa durch Sport, und auch die Genetik könne bei der Entstehung von Schädigungen beteiligt sein. Das Röntgen und die klassische Untersuchung durch den Arzt selbst sind nach wie vor Säulen der Diagnostik. Vor einem operativen Eingriff stehen konservative Therapien und Spiegelungen.

Vier Schweregrade bei der Zerstörung des Knorpels unterscheiden die Mediziner. Als eine Möglichkeit der Therapie, je nach Schädigung, stellte Schwick den Einsatz von körpereigenem Knorpel vor, der dort weggenommen wird, wo er nicht benötigt wird, und an defekten Stellen Ersatz bildet.

Gangschulungen vor der Operation

Beim Einsatz künstlicher Gelenke arbeitet das Evangelische Krankenhaus, das Hunderte von Operationen im Jahr durchführt, mit allen bewährten Verfahren und Materialien. Entscheidend sei, so Chefarzt Dr. Ulf Kerkhoff, dass der Patient ein auf ihn abgestimmtes Ersatzgelenk erhalte.

Das Zentrum für Ambulante Rehabilitation (Auskunft montags und freitags von 11 bis 12 Uhr unter 59 48 220) betreut am Ev. Krankenhaus Patienten nicht nur nach einem Eingriff, sondern schon vorher. Bei einer besonderen Gangschulung lernt der Patient vor einer Operation, mit Gehhilfen zu laufen, zudem werden durch spezielle Übungen Muskeln aufgebaut – alles mit dem Ziel, so Chefärztin Dr. Kathrin Kuhnert, den Heilungsprozess und damit den Erfolg der Operation zu fördern.

 
 

EURE FAVORITEN