Mehr Frauen suchen Hilfe im Frauenhaus in Mülheim

Gesucht wird ein besseres Leben: Im Frauenhaus erfahren die Frauen Solidarität und dass es ihnen nicht alleine so geht.
Gesucht wird ein besseres Leben: Im Frauenhaus erfahren die Frauen Solidarität und dass es ihnen nicht alleine so geht.
Foto: dpa
Die Betroffenen haben oft lange Zeit Gewalt ertragen. Vermehrt melden sich auch ältere Frauen. Ein kleines Team hilft beim Weg aus der Krise.

Mülheim. Der Anruf erfolgt meist über die Polizei oder über eine der Beratungsstellen: Es sind Notrufe von Frauen, die daheim massive Gewalt erfahren und eine Zuflucht suchen – für sich und häufig auch für ihre Kinder. Das Frauenhaus ist für sie ein Ort, wo sie erst einmal sicher sind, ein Ort, an dem sie keine Angst mehr haben müssen. Am Ende des Jahres werden es an die 100 Frauen und fast 60 Kinder sein, die im Mülheimer Frauenhaus untergebracht wurden. Ihre Zahl ist gestiegen.

„Die meisten Frauen haben bereits eine lange Gewalterfahrung hinter sich“, sagt Gülsüm Erden, Leiterin des Frauenhauses, das sich in Trägerschaft des Vereins „Hilfe für Frauen“ befindet. Es sind Misshandlungen durch den Partner, oft durch den Ehemann, die sie erleiden mussten. Seit gut 20 Jahren bietet das Frauenhaus in Mülheim Hilfe an: Es ist eine psychologische Hilfe, eine soziale, eine bürokratische. „Die Frauen erfahren Solidarität im Haus und erleben, dass es nicht nur ihnen so ergangen ist“, schildert Sozialarbeiterin Ute Zapusek. Manche freunden sich untereinander an. „Es ist auch eine Art Selbsthilfegruppe“, heißt es.

Gewalt gegen Frauen kein Tabu-Thema mehr

Die Aufklärungsarbeit wirkt. „Die meisten wissen inzwischen, dass es ein Frauenhaus gibt“, sagt die Leiterin. Noch wichtiger sei jedoch, dass Gewalt gegen Frauen kein Tabu-Thema mehr sei. Aus Scham hätten früher betroffene Frauen oft geschwiegen, das Leid still ertragen. Inzwischen, so Gülsüm Erden, sei zum Glück vielen klar: „Das musst du nicht aushalten!“ Suchten in den Anfangsjahren vor allem Frauen mit Kindern Schutz, so sind es nun auch häufiger Frauen jenseits des 60. Lebensjahres, die die Gewalt durch den Partner nicht mehr länger ertragen wollen. Oft sind es auch sehr junge Frauen ohne Kinder, die Hilfe suchen. „Häusliche Gewalt“, sagt Gülsüm Erden, „ist leider nach wie vor weit verbreitet, psychische wie körperliche Gewalt.“ Sie vermutet zudem eine hohe Dunkelziffer.

Über elf Zimmer verfügt das Frauenhaus. Bis zu sechs Monate bleiben manche Frauen. Das kleine Team des Frauenhauses versucht, mit ihnen einen Hilfsplan zu erarbeiten, die Existenz zu sichern, die Persönlichkeit zu stärken, es hilft bei der Wohnungssuche in Mülheim und auch jenseits der Stadtgrenzen, sucht mit nach einer Antwort auf die Frage, wie das Leben weiter gehen kann. „Wir können von uns aus nicht sagen, was gut oder richtig ist“, betont Ute Zapusek. Durchaus gebe es auch Frauen, die wieder zurück zum Partner kehrten, einen Neuanfang versuchten. Auch das könne ein Weg sein.

10,50 Euro kostet der Tagessatz pro Person an Miete

Vier Mitarbeiterinnen kümmern sich um die Frauen – zwei Sozialarbeiterinnen, eine Erzieherin und eine hauswirtschaftliche Kraft. Auch das Frauenhaus hat zu kämpfen. 10,50 Euro kostet der Tagessatz pro Person an Miete. Längst nicht jede Frau kann diesen zahlen, längst nicht jede bekommt Unterstützung über das Sozialamt.

Die Situation des Mülheimer Frauenhauses sei sehr ernst, sagte Andrea Gehl, Vorsitzende des Vereins „Hilfe für Frauen“ in einer Art Hilferuf an die Lokalpolitiker. Allein in diesem Jahr fehlen zwischen 40.000 und 50.000 Euro. Im nächsten Jahr könnten es noch mehr sein. Sogar vor einer möglichen Schließung des Hauses warnte Andrea Gehl.

Das Problem des Frauenhauses ist ein strukturelles: 125.000 Euro gibt das Land im Jahr für das Personal. Diese Zuwendungen sind für die nächsten Jahre gedeckelt, heißt: Mehr gibt es nicht. Dabei reicht das Geld lediglich, um 78 Prozent der Personalkosten zu decken. Jede Tariferhöhung, jede Kostensteigerung vergrößert die Lücke. 20.000 Euro gibt die Stadt zur Miete. Mit Spenden hat der Verein bisher Finanzlücken geschlossen.

Doch Spenden werden angesichts der Not ringsherum weniger. Die Stadt will ab 2016 über eine höhere Vergnügungssteuer mehr Geld einnehmen und davon jährlich dem Frauenhaus 50.000 zur Verfügung stellen, wenn es denn im nächsten Jahr einen genehmigten Haushalt gibt. Auch das ist nicht sicher.

WAZ-Aktion „Jolanthe“ am 1. Januar unterstützt diesmal das Frauenhaus

Mit der Aktion „Jolanthe“ unterstützt diesmal die WAZ im Rahmen des Neujährchens am Wasserbahnhof das Mülheimer Frauenhaus.

Das Neujährchen startet um 1. Januar auf der Schleuseninsel um 12 Uhr. Wir wir werden eine Verlosung mit attraktiven Preisen durchführen. Gegen 13 Uhr gibt es eine amerikanische Versteigerung. Alle Einnahmen an diesem Tag sowie Spenden erhält das Frauenhaus.

Starke Unterstützung erhält die WAZ an dem Tag von dem Team des „Franky’s“ und von der Ruhr-River-Jazzband, die schwungvoll aufspielt.

 
 

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