Mehr als 1000 Beschäftigte im Warnstreik

Fordern „ein faires Angebot“ der Arbeitgeber: Beschäftigte heimischer Betriebe der Metall- und Elektroindustrie.
Fordern „ein faires Angebot“ der Arbeitgeber: Beschäftigte heimischer Betriebe der Metall- und Elektroindustrie.
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Der Erfolg zuletzt in der Stahl- und Eisenindustrie ist im aktuellen Tarifstreit in der Metall- und Elektroindustrie Vorbild. Beim ersten Warnstreik in Mülheim zeigten die Beschäftigten ausgewählter Betriebe ihre Entschlossenheit, für 6,5 % mehr Entgelt, die unbefristete Übernahme von Auszubildenden und mehr Mitbestimmung bei der Leiharbeit nach Pfingsten notfalls unbefristet zu streiken.

Mülheim.. Der Erfolg zuletzt in der Stahl- und Eisenindustrie ist im aktuellen Tarifstreit in der Metall- und Elektroindustrie Vorbild. Beim ersten Warnstreik in Mülheim zeigten die Beschäftigten ausgewählter Betriebe ihre Entschlossenheit, für 6,5 % mehr Entgelt, die unbefristete Übernahme von Auszubildenden und mehr Mitbestimmung bei der Leiharbeit nach Pfingsten notfalls unbefristet zu streiken.

Am Siemens-Standort am Hafen wehen die roten Fahnen der IG Metall. Windig ist es am Montagmorgen um kurz nach 9. „Rückenwind“, begrüßt Siemens-Betriebsrat Pietro Bazzoli die geschätzt mehr als 1000 Kollegen. Es gibt Applaus, wird nach Kräften in Trillerpfeifen geblasen, als der frisch gewählte Erste Bevollmächtigte der Mülheimer IG Metall, Volker Becker-Nühlen, aufzählt: Die Produktion bei Siemens – steht still. Die bei der Siebtechnik GmbH ebenfalls. Bei Wernert-Pumpen. Auf die Kollegen von Thyssen-Krupp Presta sei ohnehin Verlass.

Neumann Elektronik, nicht aufgerufen zum Warnstreik, hat eine Delegation geschickt, ebenso sind Betriebsräte der Stahl- und Eisenindustrie zugegen. Verdi-Frau Henrike Greven. Solidaritätsnoten. Warnstreik, wie ihn die Branche kennt. Becker-Nühlen schaut zufrieden in die Menge. Gelungen dessen Feuertaufe, wie Siemens-Betriebsrat Pietro Bazzoli den Tag, der schon am Abend zuvor mit Warnstreiks der Mittags- und Nachtschicht bei Siemens begonnen hat, für den neuen IGM-Chef sieht.

Die Warnung kommt an

„Die Arbeitgeber müssen sehen, dass wir noch lauter werden können.“ Becker-Nühlen ist kein emotionsgeladener Einpeitscher, die Warnung an die Arbeitgeber kommt doch an. Einkommensverteilung nach „Gutsherrenart“ wolle man sich nicht bieten lassen. Zu Krisenzeit habe man sich damit begnügt, Reallöhne zu halten. Habe geholfen, Beschäftigung zu sichern – das „German Jobwunder“.

Nun sei es an der Zeit, an der Wohlstandsmehrung der Unternehmen beteiligt zu werden. Eine weitere Umverteilung nach oben trügen die Beschäftigten nicht mit. Sie hätten die guten Produkte entwickelt, mit der die Betriebe „nach der Krise wieder durchgestartet sind“, so Becker-Nühlen. 6,5 % mehr Entgelt – dafür hätten Gewinn- und Produktivitätssteigerungen längst das Fundament gelegt.

„Wir kämpfen für das Maximale“

Für die Forderung von unbefristeter Übernahme von Auszubildenden geht mit Jan Wilde von der Jugendauszubildendenvertretung von Siemens ein Vertreter des Fachkräfte-Nachwuchses selbst in die Bütt. Engagiert vertritt er sie, als wäre es ein Leichtes, vor mehr als 1000 Menschen das Wort zu ergreifen. Er fordert „eine verbesserte Zukunftsperspektive“, junge Menschen wollten nicht länger „Spielfiguren im Finanzspiel“ sein. Der Aufritt von Wilde ist forsch: „Wir kämpfen für das Maximale.“

Dritter Streitpunkt: Leiharbeit. Noch allzu oft, so Frank Klei­nebrink, der bei Siemens Monteure vertritt, erhielten Leiharbeitnehmer nur 70 % vom Tarif, kratzten damit, wenn sie Familie zu ernähren hätten, an der Armutsgrenze. Schlechte Bezahlung, geringe Rentenansprüche – am Ende müsse mit Steuergeld ausgeglichen werden, „was die Arbeitgeber sich jetzt einstecken“. Die IG Metall fordert mehr Mitbestimmung bei der Leiharbeit: hinsichtlich ihres Einsatzes, ihres Umfangs und ihrer Dauer.

Betriebe bieten 3 Prozent mehr Entgeld

Am Ende stimmt Pietro Bazzoli dreifach an, der Warnstreik macht mit: „Wir haben es . . . verdient!“

Die Arbeitgeber bieten 3 % mehr Entgelt (Laufzeit: 14 Monate). Weitere „Einschränkungen und Belastungen der Zeitarbeit“ lehnen sie ab. Die Betriebe bräuchten die Flexibilität. Um diese zu erhöhen, wollen die Arbeitgeber eine Ausweitung der Möglichkeit, 40 Stunden arbeiten zu lassen und Arbeitsverträge zu befristen. Eine Übernahmegarantie für Azubis wird abgelehnt.

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