Magen-Darm-Tag am Samstag im Ev. Krankenhaus Mülheim

Die EKM-Chefärzte PD Dr. Philip Hilgard (l.) und Prof. Dr. Heinz-Jochen Gassel mit einem Modell des Dickdarms.
Die EKM-Chefärzte PD Dr. Philip Hilgard (l.) und Prof. Dr. Heinz-Jochen Gassel mit einem Modell des Dickdarms.
Foto: WAZ FotoPool

Mülheim. Bauchweh ist nicht nur eine häufige Klage aus Kindermund: Magen-Darm-Beschwerden, die sich in Bauchschmerzen äußern, sind einer der häufigsten Gründe, die Erwachsene einen Arzt aufsuchen lassen. „Zwölf Millionen von 60 Millionen Erwachsenen haben in den letzten sieben Tagen Bauchschmerzen gehabt“, zitiert Privatdozent Dr. Philip Hilgard aus einer bundesweiten Patientenbefragung.

Der Chefarzt für Innere Medizin und Gastroenterologie am Ev. Krankenhaus (EKM) wird am Samstag mit seinem Kollegen Dr. Arutyun Arutyunyan aus der Chirurgie über Diagnose- und Therapiemöglichkeiten sprechen. „Wenn der Darm die Nerven verliert: Funktionelle Magen-Darm-Störungen“ heißt die Patientenveranstaltung am 9. November, 11 Uhr, im Großen Kasino des EKM.

Aus vielen Gesprächen weiß Dr. Hilgard um die Not von Patienten, die über unspezifische Bauchschmerzen, begleitet von Verstopfung oder Durchfall, klagen: „Oft findet man nichts, und dennoch haben die Menschen Beschwerden“, betont er. Wenn keine strukturelle Erkrankung vorliege, handele es sich oft um ein Reizdarm- oder Reizmagensyndrom. Die Störung liege im Nervensystem des Darms. „Der Darm ist von einem dichten Nervengeflecht umgeben“, erläutert Hilgard. Dieses, so der Internist, steuert zum Beispiel die Peristaltik, die Muskeltätigkeit des Darms. Wenn innerhalb kleiner Darmsegmente Muskeln nicht kontrahierten, staue sich dort der Nahrungsbrei.

Gesunde Ernährung und Bewegung helfen

„So einen Dehnungsschmerz nehmen Patienten mit Reizdarmsyndrom als Bauchschmerz wahr“, erklärt Dr. Hilgard nur ein Beispiel, denn die Bandbreite der Ursachen sei groß. Beim Reizmagen klagten Betroffene oft nach dem Essen über ein Völlegefühl, weil die Entleerung des Magens gestört sei.

[kein Linktext vorhanden]Nicht selten haben Reizdarm-Patienten erst Verstopfung, dann Durchfall. „Solche Störungen sind schwieriger zu behandeln, als wenn man einen konkreten Auslöser hat, wie etwa eine Gastritis“, erläutert Dr. Hilgard. Reizdarm- und Reizmagenpatienten haben kein erhöhtes Risiko für ein bösartiges Leiden, wie Krebs, so der Internist. Das ist die gute Nachricht. Doch bei der Therapie helfen nicht jedem dieselben Maßnahmen, das kann frustrierend sein.

Grundsätzlich könne man Reizdarm-Patienten zu zwei Dingen raten: zur ausgewogenen, fettarmen Ernährung sowie zu körperlicher Bewegung. Die Symptome können medikamentös behandelt werden. 5 % der Bevölkerung haben die Diagnose Reizdarm, so Hilgard, er schätzt die Dunkelziffer auf 20 %. Patienten müssten oft Wiederholungsuntersuchungen über sich ergehen lassen. „Um zur Diagnose Reizdarm zu kommen, braucht man viel Zeit“, betont Prof. Dr. Heinz-Jochen Gassel, Chefarzt der Chirurgischen Klinik. „Man muss aber damit nicht leben“, ergänzt Hilgard. „Man kann die Lebensqualität der Patienten verbessern.“

 
 

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