Märchenhafte Klangreise

Vier vielseitige Virtuosen: Das weitgereiste Quartett Quadro Nuevo machte in Mülheim Station, mit neuem Live-Album im Gepäck.
Vier vielseitige Virtuosen: Das weitgereiste Quartett Quadro Nuevo machte in Mülheim Station, mit neuem Live-Album im Gepäck.

Mülheim..  Im Januar 1996 trafen sich auf einem Parkplatz bei Salzburg vier junge Musiker, um Filmmusik für den ORF einzuspielen. Aus dem Film wurde dann doch nichts, aber geboren war mit „Quadro Nuevo“ das inzwischen berühmteste Quartett der Weltmusik, dessen Konzerte und CDs längst ein internationales Publikum begeistern. Die vier vielseitigen Virtuosen stellten jetzt ihr neues Live-Album „Grand Voyage“ in der Stadthalle vor.

Und wie schon der Titel verrät, erwartete die Zuhörer eine märchenhafte Klangreise durch die Welt der Musik, deren Zentrum die mediterrane Kultur und die Melodien des alten Europas bleiben. Das Quartett, das leider seit einigen Jahren auf den nach einem Unfall gelähmten Gitarristen Robert Wolf verzichten muss, fand mit der Harfenistin Evelyn Huber eine würdige Nachfolgerin, die sich stilistisch sehr gut in die nostalgisch-akustische Poesie der verhinderten Filmmusiker und ehemaligen Straßenmusikanten eingefunden hat.

„Quadro Nuevo“ sind ansonsten der Saxophonist Mulo Francel, der Bassist und Percussionist D.D. Lowka und Andreas Hinterseher, der mit seinem beseelten Spiel auf dem Akkordeon und Bandoneon hier im Quartett für den Tango verantwortlich ist.

Zum Auftakt gab es dann sphärische Klänge mit leichtem Orient-Touch von Saxofon und Akkordeon, bevor die von Mulo Francel witzig und unterhaltsam moderierte Reise mit einer „Canzone della strada“ nach Italien führte. Dabei strotzte das gut aufgelegte Ensemble vor Spielfreude, und Evelyn Huber bewies, dass eine Harfe mehr sein kann als ein dekoratives Begleitinstrument. „Krim“ lautete dann der Titel des den wilden Reiterstämmen des Khans gewidmeten Songs, und anschließend ließen sich die drei munteren Herren mit Dame musikalisch an der türkisch-syrischen Grenze nieder.

Mit einer temperamentvoll gespielten Tango-Operette wollte der glänzende Saxofonist und Klarinettist Mulo Francel dem Niedergang dieser alten Kunstform begegnen und zwang seinen Akkordeon-Spieler zu einem Kopfstand mit Gesang. Schließlich sorgte aus dem scharfen „Gewürz-Zyklus“ der Band die Sinti-Jazz-Nummer „Paprika“ für schweißtreibende Wirkung.

Aber auch ein brasilianischer Bossa durfte bei dieser musikalisch spektakulären Weltreise nicht fehlen. Das Publikum folgte der „Grand Voyage“ begeistert über alle Grenzen und belohnte das Quartett am Ende mit reichlich Applaus.

Ein schönes Konzert zum Abschluss der ersten Saison-Hälfte 2012 in der Reihe „Kultur.Gut“, die am 14. September mit der norwegischen Sängerin Rebekka Bakken fortgesetzt wird.

Bester Live-Act

„Quadro Nuevo“ erhielt 2010 und 2011 jeweils den Echo-Jazz als bester Live-Act und wurde so mit dem höchsten Deutschen Musikpreis von der Deutschen Phono-Akademie geehrt. Wer das Quartett auf einem Hörbuch genießen möchte, dem sei Goethes „Italienische Reise“ mit Ulrich Tukur und Ulrike Kriener empfohlen.

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